Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Erich Ruckerbauer: Ein erfülltes Leben über ein Jahrhundert

Petra Hanner, 16.04.2026 08:29

ULRICHSBERG. Ein erfülltes, 100 Jahre dauerndes Leben ging am 7. April zu Ende: Erich Ruckerbauer aus Ulrichsberg, der ehemaliger Direktor der Hauptschule Ulrichsberg, ist nicht mehr.

Erich Ruckerbauer starb am 7. April 2026 nach einem erfüllten Leben. (Foto: privat)
Erich Ruckerbauer starb am 7. April 2026 nach einem erfüllten Leben. (Foto: privat)

Erich Ruckerbauer wurde am 28. Jänner 1926 in Enns geboren. Er wuchs als Sohn des aus Rohrbach stammenden Kriminalbeamten Hans Ruckerbauer und seiner Frau Franziska in Linz auf. Bereits im Volksschulalter zeigte sich sein Interesse an Musik und Literatur, er begann Geige zu spielen und sein Berufswunsch war Lehrer zu werden. 

Leben in Kriegsjahren

Die Jahre des Nationalsozialismus erlebte er als Hauptschüler sowie als Schüler der Lehrerbildungsanstalt in Linz, beim Reichsarbeitsdienst und schließlich ab Mai 1944 als Soldat im zweiten Weltkrieg. Im Dezember 1944 wurde er in Ungarn verwundet und kam nach einem Aufenthalt im Lazarett in den letzten Monaten des Krieges wieder zurück nach Linz zu seinen Eltern. Beim letzten Bombenangriff auf die Landeshauptstadt musste die Familie den Verlust der Wohnung sowie des Großteils ihres Hab und Guts erleben. 

Nach dem Krieg beendete er seine Ausbildung zum Lehrer und wurde nach Einsätzen an den Volksschulen Guglwald und Aigen an die Hauptschule Ulrichsberg berufen. Dort unterrichtete er Deutsch, Geschichte, Geographie, Zeichnen, Musik, Chor und Geige. Er wurde später auch Direktor der Schule. Viele Jahre lang führte er zudem den Kirchenchor der Pfarre Ulrichsberg und leitete Kinderchöre, mit denen er auch erfolgreich an Wettbewerben teilnahm. 

Eine große Familie

1952 heiratete er die gebürtige Ulrichsbergerin Anna Rauch, die an der Volksschule als Lehrerin tätig war. In den folgenden Jahren wurden fünf gemeinsame Kinder - Erich, Werner, Christian, Ulrike und Gerhard - geboren, von denen vier auch den Beruf der Lehrerin oder des Lehrers ergriffen. 

Erich Ruckerbauer war belesen, musikalisch, künstlerisch interessiert und aktiv. Zahlreiche Reisen führten ihn unter anderem zu Verwandten seiner Frau nach Amerika, nach Ägypten, Griechenland und er verbrachte Sommerurlaube mit der Familie am Meer in Lignano und Umag. Außerdem unternahm er Touren mit Roller und Auto, unter anderem nach Holland und Rumänien. 

Tägliche Spaziergänge mit seiner Frau Anni, sowie nach deren Tod auch mit seinen Kindern, insbesondere seiner Tochter Ulrike, gehörten zu seinen Gewohnheiten. Bis ins hohe Alter ging er auch gerne Schwimmen und Eislaufen. 

Verbunden mit Wien

Eine besondere Liebe verband ihn mit der Stadt Wien, die er lange Jahre regelmäßig und ausgiebig besuchte, verbunden mit Besuchen bei seinem Sohn Gerhard, sowie einem ausgiebigen Kulturprogramm. Der Kultur, insbesondere der Musik, war er bis ans Lebensende stark verbunden. Bis zuletzt fand er Freude an der Wiedergabe von – meist aufgezeichneten – Konzerten. Auch die Malerei war lange Zeit ein wichtiges Hobby, das auch drei seiner Kinder mit Leidenschaft weiterführen. Literatur und Lyrik, besonders Rilke,  bedeuteten ihm viel. Zahlreiche Gedichte konnte er bis zuletzt rezitieren.

Ein Pionier in vielen Dingen

Zeit seines Lebens war er interessiert an Neuem: Er war einer der ersten Autobesitzer des Bezirks, fuhr selbst bis ins hohe Alter und brachte das Autofahren auch allen seinen Kindern bei. Er hatte bereits Anfang der 90er Jahre einen Computer, an dem er bis zuletzt täglich arbeitete, Tagebuch und Wetteraufzeichungen führte und auch einfache Spiele spielte. Ebenso hatte er ein Interesse an Astronomie und gab dieses insbesondere an einige seiner Enkelkinder weiter.  

Nach dem Tod seiner Frau Anna im März 2011 wurde er von seinen Kindern und Enkelkinder unterstützt, besonders von der nebenan lebenden Tochter Ulrike und Schwiegersohn Ludwig Eidenberger. Die Verbindung zu seinen Kindern und Enkelkindern, speziell zu seinen Enkelinnen Lilli und Eva, und deren Familien war ihm sehr wichtig und er nahm regen Anteil an deren Entwicklung. Besonders freute er sich auch über die Geburt von Urenkeln und über akademische Erfolge und Leistungen. 

Tägliche Rituale

Ein Geheimrezept für sein hohes Alter nannte er nicht; wichtig waren für ihn ein fester Tagesablauf mit den bereits erwähnten Spaziergängen und Tagebucheinträgen, das Verfolgen des Weltgeschehens in Fernsehen und Zeitung und sein tägliches Seiterl Bier und Achterl Rotwein, sowie Telefonate mit und Besuche seiner Familie.

Nach einem Treppensturz im Juni 2025 war er auf dauernde Pflege angewiesen. Am 7. April 2026, kurz nach der Vollendung seines 100. Lebensjahres, starb Erich Ruckerbauer friedlich und nach liebevoller Verabschiedung im Kreis seiner Familie.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden