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Mehr Wölfe im Bezirk Rohrbach: Bedenken wachsen

Petra Hanner, 13.05.2026 06:00

BEZIRK ROHRBACH. Dass der Wolf im Bezirk Rohrbach mittlerweile ständig zu Hause ist, zeigen die jüngsten Zahlen des Wolfmonitorings: Stand 4. Mai wurden bereits acht Sichtungen gemeldet und ein Riss konnte eindeutig dem Wolf zugeordnet werden. Für Bezirksjägermeister Martin Eisschiel ist die Lage aktuell noch verträglich. Über die Entwicklung macht er sich dennoch Gedanken.

Einzelne Wölfe streifen jetzt vermehrt umher. (Foto: Laurent Renault - Willy Mobilo/stock.adobe.com)

Im Moment ist die Chance, einen einzelnen, umherstreifenden Wolf anzutreffen, höher als sonst, denn: „Jetzt kommen die Jungen zur Welt und die jungen erwachsenen Tiere gehen vom Rudel weg, um ein eigenes Revier oder einen Partner zu suchen. Da wird es sicherlich wieder vermehrt zu Sichtungen kommen“, weiß der Bezirksjägermeister.

Hört er sich in der Jägerschaft um, so zeigt sich, dass gerade entlang der Grenze zu Tschechien die Wölfe ständig da sind. Zu spüren sind sie im ganzen Bezirk, denn ihr Aktionsradius ist groß. Momentan stelle das aber – noch – kein Problem dar: „Dass es da und dort einmal Risse gibt und er in die Weiden eindringt, kommt eben vor, aber größere Ereignisse gab es bisher noch nicht“, ist Eisschiel froh.

2026: ein Riss, acht Sichtungen

Ein gerissenes Reh in St. Veit konnte heuer schon eindeutig dem Wolf zugeordnet werden, bei zwei weiteren Rissen war keine sichere Zuordnung möglich. Zum Vergleich: Im Vorjahr gab es drei Rissereignisse, zwei davon eindeutig durch den Wolf.

2025 wurden laut Wolfsmanagement OÖ 20 Sichtungen im Bezirk gemeldet, heuer bisher acht.

Zwei Rudel aktiv

Die Sichtungen werden einerseits einem etwa fünf bis sieben Tiere starken Rudel zugeordnet, das im Böhmerwald zuhause ist, andererseits einem ähnlich starken Rudel, das als Pendler auf beiden Seiten der tschechisch-österreichischen Grenze unterwegs ist.

Allerdings steigt die Zahl der Tiere beständig an. Laut Statusbericht 2025 wurden österreichweit 121 Wölfe nachgewiesen – das ist eine Mindestanzahl und bedeutet einen klaren Anstieg gegenüber dem Jahr 2024 mit 102 Individuen. Die Entwicklung beobachtet der Bezirksjägermeister mit gemischten Gefühlen: „Der Oberösterreichische Wolfsbeauftragte Philipp Engleder-Öhler spricht von einer jährlichen Zunahme der Population in unserem Gebiet von etwa 30 Prozent und ich bin da zu hundert Prozent bei ihm. Lernt der Wolf erst einmal, dass es leichter für ihn ist, Nutztiere zu jagen als Wildtiere, dann wird es für die Landwirtschaft einmal nicht mehr verträglich sein. Ich höre auch von Seiten des Tourismus immer wieder von Ängsten und Sorgen der Gäste. Tiere, die die Scheu vor dem Menschen verlieren, können auch wirklich gefährlich werden.“

Verordnung regelt Umgang

In so einem Fall regelt seit 2023 die OÖ Wolfsmanagementverordnung, dass Tiere vergrämt oder im Extremfall zum Abschuss freigegeben werden können. Im Bezirk Rohrbach wurde im Vorjahr eine Abschussfreigabe erteilt. Erwischt wurde der Wolf aber dennoch nicht, denn die Freigabe ist zeitlich begrenzt und das Tier war schlau genug, sich nicht mehr blicken zu lassen.

Für Eisschiel ist es Aufgabe der Politik, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und sie rechtzeitig an die sich verändernden Gegebenheiten anzupassen: „Ein sachlicher Umgang mit dem Thema ist notwendig, aber dass beispielsweise bei Rissen unter Weidetieren auch Emotionen dazukommen, ist nur menschlich. Solange es so funktioniert wie jetzt, ist das Zusammenleben mit dem Wolf vertretbar. Spannender wird, was die Zukunft bringt.“


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