Der Luchs bleibt im Mühlviertel ein seltener Gast
MÜHLVIERTEL. Der WWF warnt: Ohne rasche Gegenmaßnahmen droht Österreich den Luchs binnen weniger Jahre dauerhaft zu verlieren. Im Mühlviertel setzt sich Luchsbeauftragter Thomas Engleder aus Haslach für die Raubkatzen ein und bestätigt: nur wenige Tiere werden alt, die Sterblichkeit ist hoch. Dennoch gibt es auch positive Entwicklungen und er erklärt, warum die Situation nicht ganz so dramatisch ist, wie der WWF sagt.

Thomas Engleder, Luchsbeauftragter des Landes Oberösterreich für das Mühlviertel, den Böhmerwald und das Waldviertel, zeigt auf: „In ganz Österreich leben derzeit lediglich rund 30 selbstständige Tiere. Nicht eingerechnet sind dabei Jungtiere. Im Mühl- und Waldviertel haben wir derzeit zwischen 19 und 24 selbstständige Tiere nachgewiesen. Die meisten davon sind Grenzgänger und halten sich sowohl in Österreich als auch in Tschechien auf. Weitere Luchse kommen in den Kalkalpen sowie in Vorarlberg vor.“
Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Warnung des WWF, wonach der Luchs in Österreich gefährdet sei. Engleder ordnet diese Einschätzung ein: „Für die EU wird alle sechs Jahre ein Monitoringbericht erstellt. Beim letzten Mal wurde die Situation eher zu positiv bewertet. Diesmal wurde sie realistischer eingeschätzt. Dadurch wirkt es, als hätte die Population abgenommen. Tatsächlich bleibt die Situation seit Jahren relativ gleich.“
Die Rückkehr ins Mühlviertel
Die Geschichte des heutigen Luchsvorkommens im Mühlviertel beginnt in den 1980er-Jahren, als auf tschechischer Seite des Dreisesselbergs nach und nach 17 Luchse angesiedelt wurden. Diese Tiere bilden die Grundlage der heutigen Böhmisch-Bayerisch-Österreichischen Population. Heute umfasst dieses Vorkommen etwa 130 selbstständige Tiere und reicht von der Oberpfalz bis in die Wachau. Grundsätzlich habe sich die Population in den vergangenen Jahrzehnten also nicht schlecht entwickelt, sagt Engleder. Dennoch bleibt sie ein isoliertes Vorkommen. Erst langsam wachse sie mit weiteren deutschen Luchsgebieten zusammen, die durch Wiederansiedlungsprojekte entstanden sind.
Mehr Luchsinnen nötig
Besonders wichtig für die Entwicklung einer Population sind die Weibchen, von denen jedoch für das langfristige Überleben des Luchses in der hiesigen Population noch mehr nötig wären. Denn ziehen sie über längere Zeit in einer Region regelmäßig Junge auf, entsteht eine stabile Dynamik. Die Jungtiere wandern später ab und erschließen neue Lebensräume.
Im vergangenen Jahr konnten entlang der Mühlviertler Grenze sechs Luchsinnen nachgewiesen werden. Aktuell sind fünf bekannt, jedoch keine davon lebt ausschließlich im Mühlviertel.
Das älteste bekannte Weibchen der Region ist „Amalka“. Sie ist mittlerweile neun Jahre alt und bewegt sich im Gebiet zwischen Bad Leonfelden, Prední Výton und Vorderweißenbach. Das relativ hohe Alter der Luchsin ist – auf die Population in der Region bezogen – eine Ausnahme. Von den rund 20 Luchsen im Mühl- und Waldviertel sind etwa die Hälfte Tiere im Alter von ein bis zwei Jahren. Diese hohe Fluktuation im Mühlviertel bereitet dem Experten Sorgen: „Wir wissen nicht, was mit ihnen passiert. Die Sterblichkeit ist unnatürlich hoch.“ Erst im Frühjahr ertrank ein junges Weibchen bei Liebenau in einem Teich. Das Tier war vermutlich auf der Suche nach einem neuen Revier.
Jäger als Partner
Deutlich verbessert hat sich in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft. Oberösterreich gilt hier österreichweit als Vorbild. Durch gezielte Schulungen lernen Jäger, Luchsrisse richtig zu erkennen. Dadurch verbesserten sich sowohl die Akzeptanz als auch die Qualität der Daten. Heute liefern viele Jäger wertvolle Hinweise für das Monitoring. Eine zentrale Rolle spielen Fotofallen. Neben zahlreichen Kameras der Jägerschaft betreibt das Luchsmonitoring rund 70 eigene Fotofallen im gesamten Mühlviertel.
Durch den intensiven Austausch mit Bayern und Tschechien sind viele Tiere genau dokumentiert. Anhand guter Fotos lassen sich häufig Alter, Geschlecht, Herkunft und individuelle Lebensgeschichte eines Luchses nachvollziehen.
Wälder aufwerten
Wie aber könnte dem Luchs nun geholfen werden? „Ausgeräumte Wirtschaftswälder sind kein guter Lebensraum“, betont Engleder. Der Luchs braucht beispielsweise Felsformationen zum Klettern und Möglichkeiten zum Verstecken. Künftig könnten Förderprogramme Waldbesitzer motivieren, bestimmte Bereiche gezielt als Luchslebensräume zu erhalten oder aufzuwerten. Solche Ansätze stecken in Österreich allerdings noch in den Anfängen.
Engleder selbst hatte übrigens erst ein einziges Mal das Glück, einen freilebenden Luchs zu sehen. Vor vielen Jahren bemerkte er auf einer Winterfahrt Richtung Schöneben einen Schatten im Wald. „Plötzlich sprang der Luchs direkt vor dem Auto über die Straße, schaute uns kurz an und verschwand wieder im Wald. Es war wie eine Erscheinung“, erinnert er sich.
Solche Erlebnisse bleiben Ausnahmen. Der Luchs gilt nicht umsonst als Phantom des Waldes. Meist sieht er den Menschen lange bevor dieser ihn bemerkt.
Sichtungen melden
Wer einen Luchs fotografiert oder auf einer Wildkamera aufnimmt, kann die Arbeit des Monitorings unterstützen. Thomas Engleder freut sich über entsprechende Meldungen: „Für uns sind das wertvolle Hinweise. Und wenn das Tier gut erkennbar ist, dann erfährt der Absender auch interessante Dinge über den Luchs und seine Geschichte.“


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