"Oft träume ich von einem Berg an Paketen, der mich erschlägt"
BEZIRK ROHRBACH. Starke Beteiligung gab es bei der Aktion des Treffpunkts mensch&arbeit, mit der 270 Menschen Danke zu ihren Post- und Paketboten sagten. Eine Berufsgruppe, die sich diese kleine Wertschätzung mehr als verdient hat.

„Schon beim Aufwachen denke ich voller Sorge, ob heute auch so viele Pakete zum Zustellen sind, wie am Vortag, Oft träume ich von einem riesigen Berg an Paketen, der mich erschlägt“, erzählt eine Post-Mitarbeiterin, die seit fast 20 Jahren in der Vorverteilung und als Springerin tätig ist. Im vergangenen Corona-Jahr sind die Pakete um 40 Prozent mehr geworden, „es wurde aber nur minimal mehr Personal eingestellt. Außerdem hören die Neuen sowieso bald wieder auf – sobald sie was Besseres gefunden haben“, sagt sie bitter. „Wenn einmal diejenigen, die jeden Tag mehrere Pakete bekommen, nur für ein paar Tage die Schlepperei der Postler machen müssten, dann könnten sie vielleicht verstehen, was das für uns bedeutet“, zeigt sie auf, dass vom Hundefutter bis zur Blumenerde oder Gartengarnitur alles bis ins Haus getragen werden muss. „Erst kürzlich habe ich zu einem Haushalt sechs Pakete eines Versandhauses gebracht, die insgesamt so hoch waren, wie ich groß bin.“
Und trotz der Belastung mag sie ihre Arbeit als Zustellerin, „weil ich gern zu anderen Leuten komme und die Arbeit überhaupt nicht fad ist. Es ist unglaublich, wie schnell ein Arbeitstag vergeht.“ Über ein Erlebnis hat sie sich besonders gefreut. Nämlich als sie einen Hausbesitzer gefragt hat, ob er den Briefkasten nicht an die Gartenmauer neben die Straße hängen könnte, weil die Zufahrt so eng und steil war. „Schon am nächsten Tag, als ich mit der Post kam, hing der Briefkasten unten an der Gartenmauer.“
Einfach mal Danke sagen
Mit der Danke-Aktion für Post- und Paketboten wollte der Treffpunkt mensch&arbeit in Rohrbach-Berg aufzeigen, dass hier Wichtiges und Wertvolles geleistet wird. Insgesamt 270 dankbare Menschen haben sich „Lebenkuchen-Postler“ im Treffpunkt abgeholt und an ihren Zusteller weitergegeben. Der Lebkuchen wurde von arbeitsuchenden Menschen im Jugendgästehaus von Alom angefertigt, das Corona-bedingt unter vielen Buchungsausfällen leidet und froh über solche Aufträge ist.
Bessere Bedingungen
Betriebsseelsorger Robert Bräuer freut sich über die starke Beteiligung und hofft: „Möge dieser Dank auch zu guten bzw. verbesserten Arbeitsbedingungen für Post und Paketzusteller beitragen.“ Er ergänzt: „Von den Aktionsteilnehmern wurde immer wieder die enorme Überbelastung dieser Berufsgruppe und dringend notwendige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen angesprochen.“ Geregelte und planbare Arbeitszeiten, angemessene Entlohnung und ein verbesserter Arbeitsschutz sind wichtige Themen. „Zur Eindämmung der Paketflut wissen sich dankbare Menschen aber auch selbst gefordert. Weniger bestellen und regional einkaufen heißt hier die Devise. Auch freundliche Worte, Einladungen zum schnellen Kaffee oder zur Benützung der Toilette tun Post- und Paketzustellern gut“, sagt Bräuer.


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