Grundwassersituation im Mühlviertel bleibt angespannt
BEZIRKE ROHRBACH/URFAHR-UMGEBUNG. Zwei niederschlagsarme Winter und die außergewöhnliche Trockenheit des heurigen Jahres haben die Grundwasserspeicher im Mühlviertel stark geleert. Der Fernwasserverband hat die Lage derzeit noch im Griff, warnt aber vor möglichen Einschränkungen im kommenden Frühjahr.

Die Grundwasserstände sind vielerorts auf ein außergewöhnlich niedriges Niveau gesunken. Die Bezirkshauptmannschaft Rohrbach macht etwa darauf aufmerksam, dass an der Messstelle Kasten der bisher niedrigste für diese Jahreszeit gemessene Wert unterschritten worden ist. Damit ist der Alarmwert für niedrige Grundwasserstände erreicht. „Laut den aktuellen Prognosen ist in den kommenden Wochen mit einem weiteren Absinken der Grundwasserstände zu rechnen. Auch die für die nächste Zeit vorhergesagten Niederschläge werden voraussichtlich keine nachhaltige Entspannung der Situation bringen“, heißt es in einer Aussendung an alle Rohrbacher Gemeinden.
Hoffen auf einen niederschlagsreichen Winter
„Die Situation ist aktuell schlimm. Wir haben sie noch im Griff, aber wenn im Winter nicht ausreichend Niederschlag kommt, kann es im nächsten Frühjahr dramatisch werden“, warnt Wolfgang Aichberger, Geschäftsführer des Fernwasserverbandes Mühlviertel, der Gemeinden in allen vier Mühlviertler Bezirken – vom Böhmerwald im Nordwesten bis zum Machland im Südosten – mit Trinkwasser versorgt. Aichberger ist seit 27 Jahren in dieser Funktion tätig, kann sich aber an keine vergleichbare Situation erinnern. Zwei niederschlagsarme Winter seien bereits eine enorme Belastung. Sollte ein dritter folgen, werde es wirklich kritisch. „Ohne Einschränkungen bei der Wassernutzung und Verbote wird es dann vermutlich nicht gehen.“
Mühlviertel ist Wassernotstandsgebiet
Die geologischen Bedingungen mit dem Granituntergrund machen das Mühlviertel seit jeher zu einem Wassernotstandsgebiet. Fehlt der Regen, können die Wasserreserven rasch zurückgehen. Problematisch sind vor allem Wasserversorgungen, die auf Quellfassungen beruhen. Diese erfassen häufig nur die oberen Bodenschichten und reagieren daher besonders empfindlich auf längere Trockenperioden.Der Fernwasserverband stützt sich auf vier große Quellfassungen im Böhmerwald. Deren Schüttungen gehen derzeit deutlich zurück. Tiefbrunnen, die Wasser aus rund 30 Metern Tiefe fördern, sind wesentlich weniger anfällig. Deshalb hat der Verband bereits im Frühjahr reagiert und Wasser aus Brunnenanlagen umgeleitet, um die Ressourcen im Böhmerwald möglichst zu schonen. „Bei solchen Adaptierungen des Normalbetriebes haben wir noch Spielraum, da lässt sich einiges optimieren“, erklärt Aichberger, allerdings seien auch diese Möglichkeiten begrenzt. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist für den Geschäftsführer auch das Verlustmanagement. „Jeder Tropfen Wasser, der durch löchrige Ortswasserleitungen davonläuft, verschärft die Situation. Unsere Mitgliedsgemeinden müssen deshalb nachweisen, wie dicht ihre Versorgungsnetze sind und bei Bedarf muss dringend gehandelt werden. Es kann nicht sein, dass unser wertvolles Wasser versickert und davonrinnt“, verdeutlicht Wolfgang Aichberger. Er nennt neben den problematischen Poolbefüllungen und Bewässerungen eine zusätzliche Herausforderung für den Fernwasserverband: Viele Gemeinden haben im heurigen trockenen Sommer Landwirte oder kleinere Wassergenossenschaften außerhalb des eigentlichen Versorgungsgebietes über das Verbands-System mitversorgt. Die Menge könne man laut Aichberger gar nicht abschätzen.
Landesweit alarmierende Wasserstände
Wie ernst die Lage ist, bestätigen die landesweiten Daten: Die von Landesrat Stefan Kaineder eingesetzte Taskforce „Trockenheit“ weist auf die alarmierenden Wasserstände hin: An rund 50 Prozent der beobachteten Grundwassermessstellen liegen die Wasserstände im sehr niedrigen, an weiteren 45 Prozent im niedrigen Bereich. Von Jänner bis September 2026 fielen in Oberösterreich nur rund 65 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Seit September 2024 fehlen insgesamt etwa 500 Liter Regen pro Quadratmeter. Laut Experten wären 200 bis 300 Liter Niederschlag über mehrere Wochen notwendig, um die Grundwasserspeicher wieder ausreichend aufzufüllen.
Kaum großer Regen in Sicht
Mit viel Regen ist allerdings nicht zu rechnen. Wetter Mühlviertel beschreibt die mittelfristigen Prognosen: „Die Temperaturen gehen nach unten. Mit dieser nachhaltigen Abkühlung kann es immer wieder Schauer geben, mehr Niederschläge sind eventuell in der zweiten Novemberwoche möglich. Wirklich große Niederschlagsmengen sind vorerst aber nicht in Sicht.“








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