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Cyber-Kriminalität. „Schnell selbst mit einem Fuß in der Kriminalität“

Alexandra Dick, 19.04.2016 07:50

SCHÄRDING. Happy Slapping, Grooming, Sexting und Cyberbulling – Eltern wissen oft nicht, welchen Gefahren ihre Kinder durch digitale Medien ausgesetzt sind. Während Eigentumskriminalität und Gewaltdelikte stagnieren, steigt die Cyber-Kriminalität stark an. Auch vor dem Bezirk Schärding macht dieser Trend nicht Halt.

Eltern wissen oft nicht, welche Gefahren auf ihre Kinder im Internet lauern. Foto: Wodicka
Eltern wissen oft nicht, welche Gefahren auf ihre Kinder im Internet lauern. Foto: Wodicka

„Ich bin überzeugt, dass heute mehr Kinder und Jugendliche durch Selbstmord ums Leben kommen als im Straßenverkehr“, sagt Thomas Strauß, Präventionsbeamter der Polizeiinspektion Schärding. Oft ist Mobbing der Auslöser. Durch neue Medien sind Kinder und Jugendliche immer mehr dieser Form des Schikanierens und Tyrannisierens ausgesetzt. Happy Slapping, Grooming, Sexting und Cyberbulling sind Kriminalitätsformen, die Kindern bei der Nutzung des Internets drohen. Die Polizei hat diese Gefahr, die von digitalen Medien und damit verbundenen Kommunikationsformen ausgehen, erkannt und 2011 das Projekt „Click und Check“ ins Leben gerufen, das in allen dritten Klassen der Neuen Mittelschule und des Gymnasiums durchgeführt wird. Vier Polizisten im Bezirk wollen Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz vermitteln, bevor sie strafmündig werden, und ebenso Eltern wachrütteln, was ihre Kinder am Computer oder am Smartphone machen. Denn: „Wenn es passiert ist, ist es schon zu spät, dann kann der Schaden nicht wieder gut gemacht werden“, sagt Strauß, der die Hälfte seiner Polizeiarbeit in der Prävention in Schulen absolviert. In sechs Unterrichtseinheiten lernen Kinder, wie sie Medien richtig nutzen, um einerseits nicht zum Opfer und andererseits nicht leichtfertig zum Täter zu werden. „Schnell stecken sie auch selbst mit einem Fuß in der Kriminalität“, sagt Strauß.

Kriminalitätsformen

Seit 1. Jänner diesen Jahres steht Cyber-Mobbing/Cyberbulling unter Strafe. „Davor hat man sich immer eines anderen Paragrafen wie Körperverletzung bedienen müssen. Jetzt ist Mobbing an sich schon strafbar“, sagt der Schärdinger Präventionsbeamte, „Mobbing hinterlässt oft lebenslange Narben. Gar nicht so selten begehen Mobbing-Opfer Selbstmord“, spricht Strauß, der selbst Vater zweier Söhne ist, über die oft unterschätzte Gefahr. Täter müssen mit einer Geldstrafe von 720 Tagessätzen oder mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr rechnen. Bei Selbstmord oder Selbstmordversuch des Opfers drohen dem Täter sogar drei Jahre Haft.

Auch Grooming ist seit 2012 ein Strafdelikt. Über Facebook, WhatsApp oder Instagram nehmen oft Pädophile Kontakt zu Minderjährigen auf, mit der Absicht diese zu sexuellen Handlungen zu nötigen. „Es ist erschreckend, wie viele Kinder bereits eindeutige Angebote beim Chatten bekommen haben“, sagt Strauß, der bei seinen Schulbesuchen explizit nach solchen Kontakten fragt. „Und ich bin mir sicher, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist, denn die Scham ist groß.“ Im Bezirk wurde noch kein solcher Fall angezeigt.

Sexting zwischen Minderjährigen ist nicht strafbar. Ein Fall für die Polizei wird es erst dann, wenn die versendeten Inhalte – erotische Fotos und Videos – an Dritte weitergeschickt oder veröffentlicht oder die Absender damit erpresst werden. „Wenn solche Bilder erst mal verbreitet worden sind, sind sie schwer wieder wegzubringen“, erklärt Strauß. Löschungsversuche scheitern oft.

Beweise sichern

In allen Fällen rät der Experte: „Beweise sichern, nichts löschen, alles dokumentieren, am besten Screenshots machen.“ Nur so kann die Polizei den Täter zur Verantwortung ziehen.

Wenn ein Kind im Internet zu sexuellen Handlungen aufgefordert wird, ihm Geld für sexuelle Handlungen angeboten wird, ihm pornografische Bilder übermittelt werden oder es aufgefordert wird, selbst solche Bilder zu schicken, dann sollten Eltern nicht lange überlegen, sondern schnellstmöglich bei der Polizei Anzeige erstatten.

„Die Prävention wird immer mehr als wichtiger Teil der Polizeiarbeit gesehen“, erklärt Strauß. Diese Arbeit in den Schulen bringt noch einen weiteren Vorteil. Die Kinder lernen die Polizei als ihren Freund und Helfer kennen.

DEFINITIONEN

Sexting (Sex + Texting)

Kinder und Jugendliche versenden erotische Fotos – meist freiwillig – als Liebes- oder Freundschaftsbeweis. Oft folgen Mobbingattacken.

Grooming

Gezieltes Anbahnen von Sexualkontakten zu unmündigen Kindern über soziale Netzwerke. Meist verstecken sich die pädophilen Täter hinter falschen Identitäten.

Cyberbulling/Cyber Mobbing

Absichtliche und über einen längeren Zeitraum anhaltende Beleidigungen, Bedrohungen, Bloßstellen, Belästigen oder Ausgrenzen anderer über digitale Medien.

Happy Slapping

Ein körperlicher Angriff, ein „lustiges“ Einschlagen auf unbekannte Passanten aber auch Mitschüler oder Lehrer. Mit der Veröffentlichung von mitgefilmtem Material soll das Opfer zusätzlich erniedrigt werden.


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