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Erst drei Jahre in Österreich: Mustafa absolvierte die Matura am Gym Schärding mit Bravour

Elena Auinger, 31.10.2017 13:23

SCHÄRDING/WERNSTEIN. Nach nur drei Jahren in Österreich hat der 20-jährige Mohammad Mustafa Azizi am BORG Schärding die Matura absolviert. Im Interview spricht er über die größten Herausforderungen auf seinem Weg zur Matura und seine Pläne für die Zukunft.

Direktorin Brigitte Reisinger, Mustafa und Professorin Johanna Bauböck (v. l.)
  1 / 3   Direktorin Brigitte Reisinger, Mustafa und Professorin Johanna Bauböck (v. l.)

Tips: Mustafa, du hast die Matura geschafft. Welches Gefühl ist das?

Mustafa: Ich bin sehr froh, unglaublich froh und sehr stolz auf meine Leistung und darauf, dass ich mit österreichischen Schülern mithalten konnte. Auch meine Eltern sind sehr stolz auf das, was ich erreicht habe.

Seit wann bist du in Österreich?

Seit September 2014. Seit November 2014 leben meine Mutter und ich in Wernstein. Kurz vor Weihnachten 2014 wurde ich Schüler am BORG Schärding.

Wie sah dein Schulalltag in den ersten Monaten aus?

Da ich Deutsch noch nicht beherrschte, saß ich zwar in der sechsten Klasse, aber ich folgte dem Unterricht nicht, sondern lernte in jeder Stunde selbstständig Deutsch. Am Ende der sechsten Klasse beherrschte ich die Sprache bereits so gut, dass Frau Direktor Reisinger zustimmte, dass ich mit meinen Klassenkollegen in die siebte Klasse kommen durfte.

Was war die größte Herausforderung auf deinem Weg zur Matura?

Zunächst musste ich den Unterrichtsstoff der fünften und sechsten Klasse nachlernen. Im Unterricht selbst war es schwierig, zum Beispiel Mathematik-Beispiele auf Deutsch zu verstehen. Doch meine Klassenkollegen und meine Lehrer, ganz besonders mein Klassenvorstand Johanna Bauböck, die unzählige Stunden mit mir gelernt hat, haben mir immer sehr geholfen. Ich musste aber viel mehr lernen als meine österreichischen Klassenkollegen, um Prüfungen zu schaffen. Auch meine private Situation machte es oft schwer, mich aufs Lernen zu konzentrieren. Denn wir waren bis vor wenigen Wochen von meinem Vater getrennt und auch die Frage, ob wir überhaupt in Österreich bleiben dürfen, belastete mich sehr.

Wer oder was hat dir in schwierigen Situationen geholfen?

In der Schule gab es viele Personen, die mich immer wieder motiviert haben: Frau Direktor Reisinger, Frau Bauböck und viele Lehrer, die in ihrer Freizeit mit mir Englisch, Deutsch, Mathematik und Latein gelernt haben, und meine Klassenkameraden. Auch viele Personen aus Wernstein haben mich unterstützt. Vor einem Jahr wurde ich in das START-Stipendien-Programm als einer von elf Schülern aus Oberösterreich aufgenommen. Auch die Kurse dort und das Notebook, das mir zur Verfügung gestellt wurde, haben mir sehr geholfen, die Matura zu schaffen.

In welchen Fächern hast du maturiert?

Schriftlich in Deutsch, Mathematik, Englisch und Latein. In diesen Fächern absolvierte ich die Zentralmatura. Mündlich hatte ich Prüfungen in Latein und Russisch. Meine Vorwissenschaftliche Arbeit schrieb ich in russischer Sprache über Kinder, die Deutsch und Russisch als Muttersprache haben.

Gab es ein besonderes Erlebnis bei der Matura, an das du dich noch gerne erinnerst?

Ich durfte bei der Maturafeier vor den Maturanten, Lehrern und Eltern eine Rede halten. Vorher war ich sehr nervös, aber es klappte. Ich konnte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt hatten, und meine Geschichte erzählen. Als mir danach viele zu meiner Rede gratulierten, war ich sehr stolz.

Wie geht es dir nun ohne Schule?

Ich habe jetzt die Matura – das freut mich sehr. Allerdings vermisse ich die Schule sehr, denn es war eine tolle Zeit.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich werde jetzt erst einmal ein Jahr arbeiten und mich auf den Aufnahmetest für das Medizinstudium vorbereiten. Das wird sehr anstrengend, aber hoffentlich schaffe ich den Test. Dann darf ich in Österreich Medizin studieren.

Steckbrief:

Name: Mohammad Mustafa Azizi

geboren in Russland, aufgewachsen in Russland und Afghanistan

in Österreich seit September 2014


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