Schärdings Musikvereine fiebern dem gemeinsamen Musizieren nach der Pandemie entgegen
BEZIRK SCHÄRDING. Musikvereine sind aus dem kulturellen Leben nicht wegzudenken. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist es um die Musiker ruhig geworden. In Sachen Musik steht es still. Wie geht es den Musikern im Bezirk? Tips sprach mit Bezirkskapellmeister Gerald Karl und dem Bezirksobleute-Team Christoph Sauer, Roman Seid und Michael Koller.

Tips: Wie geht es den Musikvereinen im Bezirk Schärding?
Christoph Sauer: Leider sind wir alle momentan zum Nichtstun gezwungen. Lediglich das Üben zu Hause ist möglich, was aber natürlich bei weitem nicht so interessant ist, wie in der Gruppe zu musizieren.
Tips: Wie lange ist es her, dass eine Musikprobe stattgefunden hat?
Sauer: Ende Oktober fanden bei den meisten Kapellen die letzten Proben, die auch schon unter erschwerten Coronabedingungen standen, statt.
Tips: Wie ist der Zusammenhalt im Musikverein, wenn man sich nicht sehen und schon gar nicht gemeinsam musizieren darf?
Roman Seidl: Grundsätzlich lebt der Musikverein vom gemeinsamen Musizieren ohne Distanz. Dies fällt natürlich derzeit völlig weg. Dank der digitalen Möglichkeiten ist es vor allem für die jüngeren Musiker einfacher in Kontakt zu bleiben. Die Herausforderung für die Vereinsleitung besteht vor allem darin, die breitgefächerte Altersstruktur zu vereinen. Aber der immense Zusammenhalt in den Vereinen stimmt uns positiv, auch diese Krise gemeinsam zu meistern.
Tips: Welche Herausforderungen haben die Musikvereine seit der Pandemie zu bewältigen?
Gerald Karl: Unsere Kapellen haben ja eine große Altersstreuung aus den verschiedensten Berufsgruppen. Es gibt eine Gruppe, welche noch in Ausbildung steht und noch Unterricht hat. Diese Musiker bleiben am Instrument fit. Dann gibt es die „Eingfleischten“, die können ohne Musik nicht sein und spielen, wenn es sein muss auch alleine. Dann gibt es noch eine nicht unerhebliche Gruppe, die beim Musikverein sind, weil es ihr Hobby oder Ausgleich zum Beruf ist. Diese Leute wollen gemeinsam musizieren, auf etwas hinarbeiten um dann bei Aufführungen dabei sein. Diese Gruppe gilt es wieder zu reaktivieren, und die gesamte Kapelle wieder auf einen Nenner zu bringen.
Tips: Gibt es kreative Ideen in den Musikvereinen des Bezirkes während der Pandemie?
Sauer: Zu Beginn der Pandemie waren die Vereine sehr kreativ und es entstanden eine Menge innovativer Projekte. Es gab Stay-at-Home-Challenges, bei denen die Musiker zu Hause Videos für ihre Kollegen aufnahmen oder es wurden Videos von einzelnen Musikern zu einem gemeinsamen Musikstück zusammengeschnitten. Zwischenzeitlich gab es dann im Sommer sogar ein wenig Normalität und so wurden in dieser Zeit in vielen Gemeinden sogenannte Wirtshaus-Konzerte veranstaltet. Auch um die lokalen Wirte in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Der musikalische Adventkalender wurde zum Vorzeigeprojekt oberösterreichweit und wir sind sehr stolz, dass alle Musikvereine mitgemacht haben. Mit Fortdauer der Pandemie und den neuerlichen Lockdowns merkt man aber doch, dass bei Vielen die Luft heraußen ist und sich alle danach sehnen, wieder live gemeinsam mit den Musikerkollegen zu musizieren.
Tips: Wie sieht es mit der Nachwuchsarbeit aus? Was sind hier die größten Herausforderungen?
Karl: Auch die Probenarbeiten der Jugendorchester und Ensembles stehen seit dem Herbst still. Dies bedeutet, dass der in diesem Alter so wichtige soziale Kontakt außerhalb der Familie völlig weggefallen ist. Die musikalische Entwicklung beschränkt sich derzeit auf den Online Unterricht, welcher Gott sei Dank seitens der Landesmusikschulen angeboten wird. Leider können wir derzeit in den Schulen keine Instrumente vorstellen, um so Kindern schmackhaft zu machen, ein Instrument zu erlernen. Niemand hört die Musikkapellen auftreten. Es wird notwendig sein, sich neue Wege zu suchen, wie wir an unseren Nachwuchs herankommen. Aber wir haben in unseren Reihen viele kreative Köpfe, und es wird wichtig sein, dass wir uns wieder in unseren beschränkten Möglichkeiten bemerkbar machen.
Tips: Anfang des Jahres finden normalerweise die Generalversammlungen statt. Werden diese auf Ende des Jahres verschoben oder nutzen Musikvereine die Möglichkeit diese digital abzuhalten?
Roman Seidl: Die Generalversammlungen, welche mit Neuwahlen des Vorstandes in diesem Jahr durchgeführt werden müssen, werden zum Teil bereits professionell in einem digitalen Rahmen abgehalten. Jene Vereine, die eine Versammlung mit anwesenden Personen abhalten möchten, sind um ein Verschieben angehalten. Aus derzeitiger Sicht werden wohl die meisten Hauptversammlungen verschoben.
Tips: Wie steht es um die finanzielle Lage in den Vereinen?
Michael Koller: Die großen Einnahmen wie Maiblasen, Weihnachtsblasen, Neujahrsblasen und auch die Erlöse aus den Konzerten oder den eigenen Festen fehlen den Vereinen. Einnahmen die sonst in Instrumente, Bekleidung oder in den Nachwuchs investiert werden. Größere Käufe, Investitionen in die Bekleidung oder in das Probenlokal müssen sicher aufgeschoben werden.
Tips: Ein Musiker liebt öffentliche Auftritte, die Geselligkeit und das Zusammensein. Nun fällt dies bereits seit einem Jahr komplett weg. Wie geht es euch als leidenschaftliche Musiker in dieser Pandemie?
Karl: Vieles ist in dieser Zeit weggefallen. Als Musiker hat man sich keinen Freitag ohne abendliche Probe vorstellen können. Es gehörte zur Wochenplanung dazu. Man war auch froh, wenn es dann mal eine Probenpause gegeben hat, aber wenn man dann so lange keine Möglichkeit hat sich zu treffen, dann fehlt da was.
Tips: Worauf freut ihr euch heuer besonders?
Karl: Auf die erste offizielle Gesamtprobe und auf die traditionellen Feste, weil die nur mit Musik zu dem werden, was sie sind: was Besonderes neben dem Alltag.
Seidl: Besonders freue ich mich wieder auf die traditionellen Ausrückungen, Veranstaltungen und die anschließenden gemeinsamen gemütlichen Stunden mit Freunden und Bekannten.
Sauer: Man wird schon recht bescheiden. Ich denke viele wären momentan schon froh, wenn es möglich werden würde, in kleinen Ensembles zu musizieren. Aber natürlich muss ein möglichst normales Vereinsleben das langfristige Ziel sein.
Koller: Auf eine annähernde Rückkehr zur Normalität, Gesamtproben mit einer gemütlichen Nachbesprechung im Aufenthaltsraum oder im Wirtshaus. Musikfeste und ein Wiedersehen mit befreundeten Musikern aus den verschiedensten Kapellen.
Tips: Glaubt ihr persönlich, dass es heuer noch öffentliche Auftritte bzw. Proben geben darf? Wackelt zB die Durchführung des Bezirksblasmusikfestes, das in Zell an der Pram stattfinden soll?
Koller: Um öffentliche Auftritte, Konzerte oder auch Frühschoppen durchführen zu können, benötigen wir nach der langen Pause eine Vorbereitungszeit. Zeit für Proben und um Planen zu können. Wir hoffen, dass Proben mit Ensembles oder kleineren Besetzungen bald wieder möglich sind. Prognosen hierzu abzugeben, ist zurzeit leider nicht möglich. Die Frühjahrskonzerte und die Konzertwertung im Frühjahr wird es heuer nicht geben. Seitens des OÖBV wurden bereits alle Musikfeste bis einschließlich 11. Juli 2021 abgesagt, was auch leider unser Bezirksmusikfest in Zell an der Pram betrifft.


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