Von Mann zu Mann: Beratungsstelle in Schärding ist für alle offen

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Männerberater Richard Schneebauer (Foto: Lukas Leonte Photography)
Elena Auinger Elena Auinger, Tips Redaktion, 15.02.2021 10:18 Uhr

BEZIRK SCHÄRDING. Die Corona-Pandemie belastet die Menschen immer mehr. Tips hat mit Männerberater Richard Schneebauer aus Schärding über die Ängste und Sorgen von Männern und männlichen Jugendlichen gesprochen.

Tips: Wie hat sich die Männerberatung seit Beginn der Corona-Pandemie verändert?

Richard Schneebauer: Nur im ersten Lockdown vor einem Jahr haben wir von zu Hause aus telefonisch beraten. Ansonsten gehören wir zu den Gesundheitsberufen und arbeiten direkt, also von Mann zu Mann. Natürlich mit Abstand und derzeit auch mit FFP2-Maske. Gerade in den letzten Wochen spürt man, dass die Männer irrsinnig froh sind, dass das persönliche Gespräch auch wirklich vor Ort stattfindet und nicht digital. Wir bieten daher auch keine online Beratungen an. Der persönliche Kontakt ist einfach nicht zu ersetzen, gerade jetzt.

Tips: Haben sich die Themen über die sich Männer Sorgen machen während der Pandemie verändert?

Schneebauer: Nein! Die Themen sind die gleichen, sie treten nur mehr zum Vorschein. Zu viel Zeit zum Nachdenken, zu wenig Möglichkeiten für sinnstiftende Tätigkeiten und kaum echte Nähe ist auf Dauer für niemanden gut. Viele Beziehungen waren vorher schon zu Ende, jetzt wird es deutlich und muss angegangen werden. Konflikte treten in der täglichen Enge auch mehr zutage. Stärker als früher spürt man die Anspannung oder die Unsicherheit was die berufliche und finanzielle Situation anbelangt. Wenn Männer sich ihre Gefühle nicht eingestehen und mit niemandem wirklich darüber reden, führt das entweder zu Depressionen oder zu aggressivem Verhalten.

Tips: Was sind die häufigsten Themen in Bezug auf Corona, die von den Männern in deinen Beratungen angesprochen werden?

Schneebauer: Einige haben Angst sich und andere anzustecken. Die Frage wie alles weitergeht beschäftigt viele und uns in Wahrheit ja alle. Gerade wenn sie aktuell ohne Arbeit sind, fühlt man die Leere natürlich viel stärker. Die Männer nehmen diese Sorgen halt lange nicht so ernst, bis die Gefühle das Ruder übernehmen. Alleine offen darüber zu reden kann da schon viel helfen.

Tips: Wie gehen die Jugendlichen mit der Coronakrise um? Welche Ängste und Sorgen beschäftigen diese?

Schneebauer: Da ist oft die Frage, ob die Burschen mehr belastet sind durch die Ängste und Sorgen ihrer Eltern oder ob es tatsächlich die eigenen sind. Meist sind es bei Ihnen weniger Ängste als Niedergeschlagenheit wegen der mangelnden sozialen Kontakte. Ich glaube das können wir alle gut verstehen, besonders in diesem Alter. Gerade bei Burschen heißt Niedergeschlagenheit aber oft auch Unfug machen oder zuschlagen.

Tips: Sind die Beratungen seit der Krise mehr geworden?

Schneebauer: In Schärding habe ich derzeit sogar gerade freie Kapazitäten, weil das Projekt Mannsbilder, das ich sonst organisiere, heuer nicht stattfinden kann. Insgesamt sind wir in der Männerberatung des Landes OÖ aber gut ausgelastet. Schön an meiner Arbeit finde ich, dass ganz unterschiedliche Männer in die Beratung kommen. Von jung bis alt, von wohlhabend bis fast mittellos. Alle müssen einen Kostenbeitrag bezahlen, der je nach ihrem Einkommen gestaffelt ist. Die Tür ist damit für alle offen und Geld kein Hindernis.

Tips: Wer kann sich an die Männerberatung wenden?

Schneebauer: Männer und männliche Jugendliche ab 14 Jahren. Im Prinzip zu allen Themen des Lebens, die ein vertrauensvolles, offenes und professionelles Gespräch suchen. Oft geht es um Beziehungsthemen, berufliche Belastungen aber auch um Konflikte bis zu Gewalt.

Tips: Wie seid ihr am besten erreichbar?

Schneebauer: Das Erstgespräch auch für Schärding macht man sich in Linz unter der Nummer 0732/772053300 aus. Infos auch auf www.zentrum-fm.at

 

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