Schärdinger Sopranistin fehlt es, mit Musik die Menschen zu berühren

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Eva Kumpfmüller-Lipuš (Foto: Lena Kern)
Elena Auinger Elena Auinger, Tips Redaktion, 13.04.2021 09:09 Uhr

SCHÄRDING. Die Welt der Kunst- und Kulturschaffenden steht seit Monaten coronabedingt still. Im Tips-Interview erzählt die Sopranistin Eva-Maria Kumpfmüller-Lipuš aus Schärding, welche Auswirkungen Corona auf die Bühnenkunst hat, warum sie die Maßnahmen der Regierung kritisch sieht und was ihr in der Zeit des Stillstandes am meisten fehlt.

Tips: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf den Bereich der Bühnenkünstler aus?

Eva-Maria Kumpfmüller-Lipuš: Die meisten Künstler sind arbeitslos. Manche arbeiten bereits in anderen Jobs. Ein paar wenige, die in einem Haus angestellt sind, bereiten Stücke oder Streaming-Vorstellungen vor. Einige Kollegen sind unübertroffen kreativ und fleißig und schaffen online-Streaming Plattformen auf denen sie jede Woche Konzerte/Musik machen - große Bewunderung meinerseits. Auch einige Häuser und Clubs, wie u.a. das Porgy and Bess, Radiokulturhaus, die Alte Schmiede veranstalten Konzerte, die gestreamt werden. Einige selbstständige Künstler, die das Glück haben, bei den sehr wenigen Streaming-Projekten, oder live Aufführungen beteiligt zu sein, können zumindest ein bisschen arbeiten.

Tips: Wie nutzen Sie diese Zeit des Stillstandes?

Kumpfmüller-Lipuš: Ich persönlich genieße die Zeit mit meiner Familie.  Vor mehr als einem Jahr hatte ich jede Woche mindestens ein Konzert oder war in Proben, das sind ganz schön viele Abende. Ich bin in der guten Situation ein paar Stunden als Gesangslehrerin angestellt zu sein. Momentan unterrichte ich im Lockdown wieder online und versuche für meine Studierenden und Schüler einen abwechslungsreichen Unterricht zu gestalten und Möglichkeiten zu schaffen, mit denen sie trotz der wirklich schweren Situation, in der sich Kinder und Jugendliche befinden, Spaß am Singen, Abwechslung und Erfolgserlebnisse haben. Und natürlich übe ich, um meine Stimme weiter zu trainieren und nicht einrosten zu lassen und sängerisch am Ball zu bleiben. Ich singe, was mir Spaß macht und um einigermaßen ausgeglichen zu sein, wenn ich Zeit finde, da natürlich auch die Betreuungssituation unserer Kinder aufgrund von Corona nicht so einfach ist.

Tips: Was kritisieren Sie an den Maßnahmen der Bundesregierung? Wäre es möglich Konzerte und Aufführungen wieder zuzulassen?

Kumpfmüller-Lipuš: Meiner Meinung wäre es definitiv möglich Konzerte und Aufführungen mit verpflichteten Eintrittstest und entsprechenden Sicherheitskonzept zuzulassen. Der Kunst und Kultursektor ist es gewohnt flexibel und kreativ zu sein und ist sicher imstande, Formate zu entwickeln die für Publikum und Künstler eine größtmögliche Sicherheit bieten. So läuft etwa der Opernbetrieb in Madrid nahezu seit Beginn der Pandemie ohne Ansteckungen und Cluster. Es ist bestimmt nicht einfach die richtigen Maßnahmen zu setzen, ich möchte nicht in Schuhen der Entscheidungsträger stecken. Welche Prioritäten die Regierung jedoch hat, ist zu erkennen und sie entziehen sich in manchen Fällen meinem persönlichen Verständnis. Kunst und Kultur stehen eindeutig weit hinten, oder sie bleiben gänzlich unerwähnt.

Tips: Wie glauben Sie geht es mit der Bühnenkunst/Bühnenkünstlern nach Corona weiter, oder zumindest nach dem Aufführungsverbot?

Kumpfmüller-Lipuš: Ich denke, viele Künstler stehen schon in den Startlöchern, sofern sie nicht aufgeben mussten. Die Frage ist, wie viele, gerade von den kleinen Bühnen oder Theatern, es auch dann noch geben wird. Davon wird die Auftrittssituation abhängen. Außer Frage steht, dass nach dem monatelangen Stillstand und dem Berufsverbot einiges aufzuholen sein wird. Gerade die jungen Musiker leiden stark an der momentanen Perspektivenlosigkeit und den fehlenden Auftrittsmöglichkeiten. Ich hoffe auch sehr stark, dass es wieder ein Publikum geben wird und die Menschen ihren Durst nach Kunst und Kultur stillen wollen.

Tips: Was wünschen Sie sich von der Politik?

Kumpfmüller-Lipuš: Ich wünsche mir von der Politik mehr Bewusstsein für die wichtige Rolle der Kunst und Kultur auf das soziale, gesellschaftspolitische, auch wirtschaftliche Leben unserer Gesellschaft. Kunst und Kultur sind doch Ausdruck einer zivilisierten Gesellschaft. Ich frage mich, was passiert mit einer Gesellschaft, die sich nicht in einer konstruktiven vielleicht sogar künstlerischen Art und Weise ausdrücken kann? Politiker, die mit Polarisierung und dem gegenseitigen Zuschieben von Fehlern punkten, die Aggression statt einem Miteinander vorleben und provozieren. Kunst und Kultur sind doch essenziell für die Entwicklung reflektierter, selbstbestimmter und emphatischer Persönlichkeiten. Das Auseinandersetzen mit Kunst und Kultur fördert die Fähigkeit zu kommunizieren, die Fähigkeit Gefühle zu erkennen, zuzulassen und auszudrücken, sich berühren zu lassen, kritisch zu sein und Platz für positive Visionen zu schaffen. Aus diesem Grund wünsche ich mir von der Politik gerade im Musikland Österreich eine Aufwertung der Bildung generell und im Speziellen der künstlerischen Bildung in Schulen. Ich wünsche mir einen niederschwelligen Zugang zu Konzert- und Kulturangeboten, sowie einen Fächerkanon, der Gegenstände forciert, in denen soziale Kompetenz und Kreativität gefördert werden. „Die Kreativität ist die erste Eintrittskarte zu Erfolgserlebnissen!“ ist ein Zitat von Wolfgang Riebniger, ehemaliger Sonderpädagoge der Justizanstalt Josefstadt. Und diese Erfolgserlebnisse werden wir und vor allem die jüngere Generation ohne Zweifel benötigen, um aus dieser Krise herauszufinden.

Tips: Welche Projekte/Auftritte hätten Sie heuer geplant?

Kumpfmüller-Lipuš: Ich bin gerade beim Erarbeiten der Rolle der Gräfin Mariza, aus der gleichnamigen Operette, die im Rahmen der Sommeroperette in Zell an der Pram, am 12. Juni seine Premiere hat. Ich freue mich irrsinnig darauf und hoffe sehr stark, dass wir spielen können. Es schaut gut aus und ich hoffe, dass sich unser Publikum, natürlich mit notwendigem Sicherheitsabstand und -konzept genauso wie ich auf das gemeinsame Lachen und Zuhören freut. Der Kartenvorverkauf hat schon gestartet. Ich kann nur sagen, sichern Sie sich ihren Platz, wer weiß wie viele Personen zuhören dürfen. Ansonsten gibt es noch ein paar fertige Konzertprogramme in verschiedenen Besetzungen, die darauf warten endliche eine offene Bühne zu finden und aufgeführt zu werden.

Tips: Welche Auftritte sind Corona 2020 und 2021 bereits zum Opfer gefallen?

Kumpfmüller-Lipuš: Meine regelmäßige Konzerttätigkeit mit dem Wiener Residenzorchester und dem Schönbrunner Schlossorchester; zahlreiche Messen; Konzerte mit dem Programm „Bernstein and more“, ein Schumann Konzert „Der Rose Pilgerfahrt“, das hoffentlich 2022 im Kubinsaal Schärding stattfindet, sämtliche Silvesterkonzerte, „Gräfin Mariza“, die auf heuer verschoben wurde, CD -Aufnahmen von „Besede in Štafete-(w)ortstaf(f)eln“, … usw. und Gott sei Dank habe ich schon vieles vergessen.

Tips: Wie ist es für Sie ohne Auftritte/Konzerte Leben zu müssen? Was fehlt Ihnen hier am meisten?

Kumpfmüller-Lipuš: Mir fehlt, das gemeinsame Musizieren, mit Musik zu berühren und berührt zu werden; der Austausch mit Kollegen, das gemeinsame Erschaffen von Programmen, aber auch das sich gemeinsame Weiterentwickeln und das Auseinandersetzen mit Kollegen, Dirigenten, Regisseuren über Musik und Texte. Ich hoffe, dass sich diese Leere und Stille bald wieder, und nicht nur für mich, füllt.

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