Schärdinger Bankvorständin zum Weltfrauentag: „Finanzielle Unabhängigkeit ist kein Luxus, sie bedeutet Freiheit“
SCHÄRDING. Finanzielle Gleichberechtigung beginnt nicht erst bei großen Investitionen, sondern schon bei grundlegenden Entscheidungen. Tips sprach darüber zum Weltfrauentag mit Karin Wallerstorfer-Rögl, Vorständin der Raiffeisenbank Region Schärding, Für sie ist das Thema weit mehr als ein wirtschaftlicher Aspekt – es ist eine Frage von Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung.

Seit 35 Jahren ist Wallerstorfer-Rögl im Bankensektor tätig, seit 2020 ist sie Teil der Geschäftsleitung in Schärding. Sie übernahm schon früh Verantwortung und hatte bereits mit 24 Jahren eine Führungsposition. Ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften absolvierte sie berufsbegleitend, es folgten die Geschäftsleiterprüfung sowie ein Masterstudium im Bereich Management.
„Ich bin in den Finanzsektor gegangen, weil mich die Verbindung von betriebswirtschaftlichen Themen mit den Menschen dahinter begeistert hat. Zahlen stehen für mich nie isoliert – sie erzählen immer eine Geschichte“, sagt Wallerstorfer-Rögl.
„Hinter jeder Bilanz, jeder Investition stehen Familien, Unternehmer, Lebenspläne und Zukunftsentscheidungen. Was mich besonders motiviert, ist die Möglichkeit, Menschen über viele Jahre hinweg zu begleiten.“
Eigenen Weg gehen
Wirtschaftliche Eigenständigkeit ist für sie ein wichtiger Baustein für Gleichberechtigung. „Finanzielle Unabhängigkeit ist kein Luxus, sie bedeutet Freiheit.“ Freiheit, Entscheidungen aus Überzeugung zu treffen – nicht aus Abhängigkeit. Freiheit, den eigenen Weg zu gehen. Und Freiheit, auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Ein eigenes Konto stehe für Selbstverantwortung, Transparenz und Sicherheit. Partnerschaftliche Lösungen seien wichtig, betont sie – eine gewisse persönliche finanzielle Eigenständigkeit sollte dennoch immer gegeben sein.
Finanzielle Bildung als Vorsorge
Wie relevant dieses Thema ist, zeigt sich oft erst in Krisensituationen. „Bei Trennung, Scheidung oder im Alter wird oft erst klar, wie eigenständig jemand finanziell tatsächlich aufgestellt ist.“ Aus diesem Grund sei finanzielle Bildung für Frauen auch so wichtig: „Nicht aus Angst – sondern aus Vorsorge und Stärke.“
Auswirkungen von Teilzeit
Langfristige Auswirkungen von Teilzeit, Care-Arbeit und Einkommensunterschieden werden ihr zufolge nach wie vor unterschätzt. „Weniger Einkommen bedeutet meist weniger Spielraum für Vermögensaufbau und geringere Pensionsansprüche. Teilzeit und Care-Arbeit sind gesellschaftlich enorm wertvoll – finanziell werden sie jedoch nicht ausreichend abgebildet.“
Drei wichtige Schritte
Umso wichtiger sei es, frühzeitig vorzusorgen. Drei Schritte sind für Wallerstorfer-Rögl zentral: einen klaren Überblick über Einnahmen und Ausgaben schaffen, ein persönliches Sicherheitsnetz aufbauen – vom Notgroschen bis zur passenden Absicherung – und regelmäßig vorsorgen. Finanzthemen sollten nicht auf „irgendwann später“ verschoben werden.
Nach wie vor werden in ihrer Arbeit traditionelle Rollenverteilungen sichtbar. Frauen agierten oft zuerst für andere – für Familie, Kinder oder Partner – und stellten eigene finanzielle Bedürfnisse hintan. „Dahinter steckt kein mangelndes Interesse, sondern ein tief verankertes Rollenbild.“
Verbesserungen notwendig
Um finanzielle Ungleichheit nachhaltig zu reduzieren, brauche es daher mehr als individuelle Anstrengung. Bessere Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung, eine faire Aufteilung von Care-Arbeit, Transparenz bei Gehältern und Entwicklungschancen sowie Finanzbildung als Selbstverständlichkeit seien wesentliche Faktoren.
Auch Banken sieht sie in der Verantwortung: durch verständliche Beratung, kontinuierliche Begleitung und Angebote, die unterschiedliche Lebensphasen berücksichtigen.
Mehr Bewusstsein
In ihrer täglichen Arbeit beobachtet die Vorständin auch viele positive Entwicklungen. „Frauen informieren sich gezielter, das Bewusstsein wächst. Frauen investieren zunehmend strategisch: langfristig, breit gestreut, mit klarem Sicherheitsbedürfnis, aber auch mit dem Mut, Chancen zu nutzen.“
Finanzielle Verantwortung für andere und finanzielle Unabhängigkeit seien kein Widerspruch. „Im Gegenteil: Sie stärken sich gegenseitig.“
Sich etwas zutrauen
Ihr Rat an junge Frauen mit Karriereambitionen: Fachwissen aufbauen, sich kontinuierlich weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen. „Karrierewege verlaufen selten geradlinig. Wichtig ist, dranzubleiben, sich selbst etwas zuzutrauen und Chancen aktiv zu ergreifen.“
Unterschiedliche Perspektiven als Stärke
In der Raiffeisenbank Region Schärding werde Vielfalt bewusst gelebt. „Wir besetzen Funktionen nach Kompetenz, Potenzial und Persönlichkeit – unabhängig vom Geschlecht.“ Unterschiedliche Perspektiven in Führungspositionen stärken Wallerstorfer-Rögl zufolge Organisationen und machen sie resilienter.
Finanzielle Sicherheit sei keine Frage des Geschlechts, sondern der Chancen. „Und genau diese Chancen mitzugestalten, sehen wir als unseren Auftrag.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden