Ein Besuch bei den Flüchtlingen im Lehenhof: Weitere Helfer dringend gesucht
SCHEIBBS. Der Lehenhof ist die größte Unterkunft für ukrainische Kriegsflüchtlinge im Mostviertel. Aktuell haben dort rund 90 Vertriebene vorübergehend ein neues Zuhause gefunden. Tips hat sie besucht und mit den Verantwortlichen über die aktuelle Situation vor Ort gesprochen. Fazit: Freiwillige Helfer sind herzlich willkommen.

Im März sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine im Lehenhof eingezogen, mittlerweile haben rund 90 Vertriebene auf dem Schlossareal am Stadtrand von Scheibbs ein sicheres Zuhause auf Zeit gefunden. Ein Teil der Bewohner ist zwischenzeitlich wieder abgereist. Sei es weiter in andere Länder, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Oder die Geflohenen gingen zurück in die Ukraine. Nicht etwa, weil der Krieg in ihrer Heimat bereits vorbei wäre, sondern vielmehr aus Sorge um zurückgebliebene Familienmitglieder. Ende Juni kamen rund 20 neue Bewohner im Lehenhof an. Mithilfe von Smartphones und Tablets halten die Vertriebenen Kontakt zu Verwandten und Freunden.
„Euphorie hat nachgelassen“
War die Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung am Anfang noch immens, ist sie inzwischen merklich abgeflaut. „Die Euphorie hat nachgelassen, es ist nichts Neues mehr“, berichtet ÖVP-Stadträtin Alena Fallmann, die die Flüchtlingsunterkunft seitens der Stadtgemeinde leitet. Geld- und Sachspenden tröpfeln mittlerweile nur mehr sporadisch ein. Am dringendsten benötigt werden jedoch Zeitspenden. Nicht zuletzt sorgt die Urlaubszeit dafür, dass mittlerweile deutlich weniger ehrenamtliche Helfer zur Verfügung stehen als noch in den Wochen zuvor.
Drei Schichten zu besetzen
Die Verantwortlichen vom Verein „Brücke Scheibbs“ sind daher händeringend auf der Suche nach weiteren engagierten Helfern, die stundenweise Betreuungsdienste im Lehenhof übernehmen möchte. Es gibt täglich insgesamt drei Schichten zu besetzen: von 7 bis 14 Uhr, 14 bis 19 Uhr und 19 bis 7 Uhr. Wichtigste Anforderung an potenzielle Interessenten ist es laut „Brücke“-Obmann Alois Hoeger, dass sie sich gerne Zeit für die Vertriebenen nehmen und mit anpacken möchten. Interessenten könnten gerne auch erst einmal unverbindlich in die Dienste hineinschnuppern.
Helfer aus drei Bezirken
Aktuell engagieren sich freiwillige Helfer aus den Bezirken Scheibs, Melk und Amstetten im Lehenhof. Die Koordination hat die Scheibbserin Tina Exinger inne. Hinzu kommen noch sechs Fixangestellte, darunter zwei Vollzeitkräfte. Träger der Unterkunft ist die Stadtgemeinde.
Mangel an Deutschtrainern
Ein großes Anliegen sind Alois Hoeger die Deutschkurse, denn „Sprache bedeutet Integration“. Der Österreichische Integrationsfonds finanziert aktuell zwei Deutschkurse im Lehenhof mit professionellen Trainern. „Doch der Bedarf wäre weitaus höher“, betont Hoeger. Zusätzlich unterrichten drei Ehrenamtliche weitere Flüchtlinge. Hoeger weiß, dass der Lehenhof mit diesem Problem nicht alleine dasteht: „Es mangelt überall an Deutschtrainern“. Unterrichtet werden übrigens ausschließlich Erwachsene. Die ukrainischen Kinder lernen die deutsche Sprache automatisch in Kindergarten oder Schule. „Je kleiner die Kinder, desto leichter tun sie sich“, weiß Olga Metzinger, die im Lehenhof als Dolmetscherin arbeitet.
Der Alltag im Lehenhof
In der Flüchtlingsunterkunft ist mittlerweile weitgehend Alltag eingekehrt, die Bewohner versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Jeweils fünf Damen sind pro Tag für die Reinigung der Gemeinschaftsräume und die Mithilfe in der Küche eingeteilt. Andere Bewohner kümmern sich um die Gartenarbeit. Die Vertriebenen kommen aus den unterschiedlichsten Berufen: eine Augenärztin zählt genauso dazu wie eine Forensikerin, Krankenschwester oder Büroangestellte. Viele der Bewohner halten regelmäßig Kontakt mit ihren Arbeitgebern, um ihre Jobs zu behalten. Eine junge Frau absolviert ihr Klavier- und Dirigatsstudium am Musikkonservatorium Kiew online in Scheibbs.
Auch Geld- und Sachspenden willkommen
„Wir sind zufrieden. Aber um das Niveau weiter halten zu können, brauchen wir mehr Freiwillige“, bilanziert Alois Hoeger. Auch Geld- und Sachspenden seien immer willkommen. In der Scheibbser Bipa-Filiale sind Care-Pakete erhältlich, welche all jene Produkte enthalten, die gerade gebraucht werden. Noch ist nicht absehbar, wie lange die Flüchtlinge in Scheibbs bleiben werden. Etliche Firmen aus der Region haben laut Stadträtin Alena Fallmann bereits ihr Interesse an einer Beschäftigung der Bewohner bekundet.








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