„Verheerende Auswirkungen“: Massiver Protest gegen Schließung der Ötscherlifte in Lackenhof

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Claudia  Brandt Claudia Brandt, Tips Redaktion, 29.11.2021 11:33 Uhr

LACKENHOF. Die überraschende Ankündigung, dass das Skigebiet Lackenhof noch heuer geschlossen werden soll, sorgt für Aufregung. Die Marktgemeinde Gaming startete eine Petition an die Niederösterreichische Landesregierung, um den Erhalt ihres Skigebiets zu erreichen. Auch SPÖ und FPÖ sowie die Arbeiterkammer Niederösterreich fordern eine Weiterführung des Liftbetriebs.

Vergangenen Freitag, 26. November, hatten die Betreiber der Ötscherlifte das Aus für das Skigebiet Lackenhof verkündet. Es sei nicht mehr wirtschaftlich zu führen, erklärten die Schröcksnadel-Gruppe und die ecoplus Alpin GmbH in einer gemeinsamen Aussendung. Noch heuer solle Winterbetrieb eingestellt werden und die Liftanlagen dann im Frühjahr zurückgebaut werden. Eine Nachricht, die weit über die Region hinaus nun für Proteste sorgt.

„Existenzbedrohende Situation“

Vor vollendete Tatsachen wurde die Marktgemeinde Gaming gestellt, in deren Gebiet das Skigebiet liegt. Sie rief noch am selben Tag eine Petition an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ins Leben, um eine Weiterführung des Liftbetriebs zu erreichen. „Neben den zwölf Mitarbeitern der Lifte in Lackenhof sind zahlreiche weitere Arbeitsplätze in Lackenhof und der gesamten Region betroffen. Weiters ist diese Entscheidung so kurz vor dem Start der Wintersaison für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region nicht nachvollziehbar und stellt für viele eine existenzbedrohende Situation dar“, begründet die Marktgemeinde diesen Schritt. Bis zum Vormittag des 29. November haben die Petition bereits über 15.000 Menschen online unterzeichnet.

 Entscheidung kam aus heiterem Himmel

„Die Schließung kam für die Marktgemeinde Gaming überraschend. Obwohl die Gemeinde alle Hausaufgaben für Verbesserungen bei der Beschneiung oder für neue Garagen gemacht habe, wurde uns das aus heiterem Himmel verkündet“, berichtet die Gaminger Bürgermeisterin Renate Rakwetz (SPÖ). „Natürlich müssen wir uns schnell etwas überlegen, um die heurige Saison zumindest für das Langlaufzentrum, Skitourengeher oder vielleicht zumindest auch das Kinderland zu retten, aber es muss ein genaues Konzept dahinterstehen und darf kein Schnellschuss sein, wo wir die Gesamtsituation nur verschlechtern würden. Man darf auch die Unternehmer und deren Mitarbeiter nicht vergessen, die mit viel Aufwand und Engagement die Saison vorbereitet haben und nun im Regen stehen gelassen werden“, so die Ortschefin weiter.

 SPÖ NÖ verlangt Fortführungskonzept

 Rückendeckung erhält die Bürgermeisterin von der SPÖ Niederösterreich, die ebenfalls die Petition unterstützt. „Eine durchdachte Regionalförderung sichert strukturschwachen Gebieten die Existenzgrundlage und nimmt sie ihnen nicht“, kritisierte SPÖ-Tourismussprecher Rainer Windholz die Entscheidung zur Schließung. Der Scheibbser SPÖ-Bezirksvorsitzende Andreas Danner ergänzt: „Vor einigen Jahren hat das Land Niederösterreich in Form der ecoplus Alpin GmbH 40 Prozent Anteile übernommen. Wie kann dieser Schnellschuss bei der Schließung erfolgen, wenn das Land eine so hohe Beteiligung hat. Es ist für die Betreiber von Gastronomie, Zimmervermietungen, Sportgeschäften zu Saisonbeginn der absolut ungeeignetste Zeitpunkt für eine Schließung. Es wird damit die Lebensader von dutzenden Wirtschaftssparten durchtrennt. Das ist nicht nur eine Katastrophe für die betroffenen Mitarbeiter, sondern für die gesamte Region. Wir werden jedenfalls ein Fortführungskonzept von der ecoplus verlangen.“

FPÖ: „Politische Entscheidungsfrage“

 „Für die Region ist die Schließung der Skilifte eine Katastrophe. Es geht um über hundert Arbeitsplätze, Privatzimmervermieter, Sportgeschäfte, Gastwirte und viele mehr, die vom Wintertourismus leben. Es ist ja auch Aufgabe des Landes und der Gemeinde, den Einwohnern nicht nur Kultureinrichtungen wie Gemeindezentren zur Verfügung zu stellen, sondern auch Sportanlagen“, betonte der Scheibbser Bezirksparteiobmann Reinhard Teufel. Die Freiheitlichen fordern die 100-prozentige Übernahme durch die ecoplus Alpin GmbH. „Das ist ausschließlich eine politische Entscheidungsfrage. Von der öffentlichen Hand gibt es Unsummen an Förderungen. Wenn es aber um die Zukunft einer ganzen Region geht, dann soll kein Geld vorhanden sein? Das ist absurd. Die landeseigene Gesellschaft muss die Ötscherlifte weiterführen“, so Teufel und der NÖ Klubobmann Udo Landbauer.

Arbeiterkammer will Land in die Pflicht nehmen

„Die komplette Schließung des Skigebiets Lackenhof hätte nicht nur verheerende Auswirkungen für die Arbeitnehmer der Ötscherlifte, sondern auch für alle Gastronomie-, Beherbungsbetriebe und die regionale Wirtschaft“, betont Arbeiterkammer-Niederösterreich Präsident und ÖGB Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser. Es sei völlig unverständlich, warum dieses einzigartige Naherholungsgebiet nach einer Nacht- und Nebelaktion zugesperrt werden solle. „Das Land Niederösterreich soll über die ecoplus Alpin die Anteile der Schröcksnadel-Gruppe übernehmen. So soll der Ötscherlift fortgeführt werden, als Teil eines wesentlichen regionalen Zukunftskonzepts“, fordert Wieser.

Skitourismus in Ostösterreich stärken

„Wir erwarten uns, dass die Region Lackenhof ebenso gesehen und unterstützt wird wie alle anderen Regionen Niederösterreichs, um touristische und damit wirtschaftliche Perspektiven sicherzustellen“, fährt Wieser fort. Im Westen Österreichs würden Tourismus- und Erholungsgebiete mit allen Mitteln ausgebaut, trotz immer wieder vorgebrachter ökologischer und infrastruktureller Bedenken. Daher brauche es gerade für die Ostregion entsprechende Angebote, um nachhaltigen Tourismus zu ermöglichen. „Das schafft Wertschöpfung, sichert Arbeitsplätze und stärkt die Regionen in Niederösterreich“, so Wieser abschließend.

Gründe für die Schließung

Die Schröcksnadel-Gruppe hatte die Ötscherlifte im Jahr 2000 erworben und seitdem nach eigenen Angaben über 15 Millionen Euro in das Skigebiet investiert. Im Jahr 2014 ist die im Eigentum des Landes stehende ecoplus Alpin GmbH mit 40 Prozent als Mitgesellschafter eingestiegen. „Trotz all unserer Bemühungen müssen wir feststellen, dass die Ötscherlifte leider nicht mehr wirtschaftlich vertretbar zu führen sind. Auch die hohen Investitionen in die Bahnen konnten nicht verhindern, dass sich das Angebot im Bereich der lokalen Beherbergungsbetriebe über die Jahre verschlechtert und sich die Anzahl der Urlauber als wichtige Nutzergruppe reduziert hat“, teiltr Markus Schröcksnadel am Freitag für die Unternehmensgruppe mit.

Mehr Besucher nötig

„Wir haben gemeinsam mit der Schröcksnadel-Gruppe verschiedenste Investitionsvarianten geprüft. Selbst wenn die Schlagkraft der Beschneiungsanlage massiv erhöht und die Liftinfrastruktur verbessert wird, kann es sich nicht rechnen. Das liegt auch daran, dass das Bettenangebot im Ort nicht ausreicht, um die dafür notwendige Steigerung bei den Eintritten erzielen zu können“, ergänzte Markus Redl, Geschäftsführer der ecoplus Alpin GmbH. „Die Situation ist für Lackenhof sehr schwierig. Redl zufolge soll es in den kommenden Tagen intensive Gespräche mit der Region geben.

Das Land Niederösterreich hat zwischenzeitlich bekanntgegeben, Lackenhof zu unterstützen:

https://www.tips.at/nachrichten/scheibbs/wirtschaft-politik/552335-muessen-neue-wege-beschreiten-land-verspricht-drei-millionen-euro-fuer-lackenhof

Ursprünglicher Bericht zum Aus der Ötscherlifte:

https://www.tips.at/nachrichten/scheibbs/wirtschaft-politik/552127-oetscherlifte-stehen-vor-dem-aus

Link zur Petition:

https://secure.avaaz.org/community_petitions/en/landeshauptfrau_johanna_mikl_leitner_no_landesregi_weiterfuhrung_des_skigebietes_lackenhof_am_otscher/

 

 

 

 

 

 

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