Hightec für die Luftfahrt aus dem Salzkammergut - Tips-Talk

Wolfgang Schobesberger Wolfgang Schobesberger, Tips Redaktion, 17.10.2017 20:41 Uhr

SCHÖRFLING. Wer das Gebäude des Schörflinger Luftfahrtunternehmens Ro-Ra Aviation Systems betreten will, muss sich zunächst in einer gläsernen Schleuse anmelden, um dann von einem Mitarbeiter persönlich abgeholt und eskortiert zu werden. Nur eine von zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen und Auflagen, die Zulieferer und Entwicklungspartner erfüllen müssen, um mit den internationalen Größen der Luftfahrtindustrie zusammenzuarbeiten. Mit den beiden Geschäftsführern Markus Kreisle und Helmut Wiesenberger ist das Unternehmen in den letzten Jahren deutlich gewachsen und konnte zahlreiche namhafte Unternehmen als Partner gewinnen. Bei einem Mittagessen in gemütlicher Atmosphäre plauderten die Geschäftsführer über Standortvorteile, Personalentwicklung und Umsätze.

Tips: Was produziert Ro-Ra? Gibt es Dinge, die ich als normaler Fluggast auch sehen kann?

Helmut Wiesenberger: Tatsächlich sehen können Sie etwa die Öffnungs- und Schließsysteme der Gepäckanlagen. Wir bauen aber viele Bauteile, die im Inneren des Triebwerkes verarbeitet sind und Anbindungen für Kohlefaserbauteile an die Primär- und Sekundärstruktur des Flugzeuges. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir vollständig alle Steuer- und Strukturstangen für das neue Flugzeug von Pilatus (PC-24) entwickelt haben und produzieren werden.

Namhafte Kunden

Tips: Auch Airbus ist ein wichtiger Kunde.

Wiesenberger: Wir haben ein Innenratschensystem entwickelt, dass es ermöglicht die Länge der Zugstangen zu arretieren. Man kann sie also während des Montageprozesses verkürzen und verlängern, was enorme Einsparungen im Montageprozess ermöglicht. Ein Vorteil den Airbus sehr früh erkannt hat. Airbus hat die gesamte Flotte auf diese Zugstangen umgestellt. Wir machen das mittlerweile nicht nur für Airbus, sondern auch für Bombardier.

Kreisle: Wir produzieren auch die Brakets auf denen die Steuerung sitzt. Das geben sie nicht einem Unternehmen weil's Innovativ ist oder weil's günstig ist, sonder weil sie dem Unternehemen nachhaltig vertrauen, der Infrastruktut, dem Management und den Mitarbeitern.

Produktion und Forschung

Tips: Der Entwicklungsbereich spielt für Ro-Ra eine wichtige Rolle?

Wiesenberger: Es muss die Kombination aus beidem sein, nämlich zu entwickeln und zu fertigen. Wenn es rein um die Fertigung geht, ist unser Anspruch so, dass wir technologisch so konkurrenzfähig sind, dass wir auch besser sind als Low-Cost Countries.

Markus Kreisle: Wir gehen unseren eigenen Weg. Es ist wichtig, das Konzeptionelle selber erarbeiten zu können. Wir sind nicht der Lohnfertiger, der morgens eine Zeichnung bekommt, mittags ein Angebot abgibt und am Nachmittag das Feedback bekommt, dass es in Polen billiger sei. Die mechanische Fertigung geht heute nicht wie vor dreißig Jahren von Österreich nach Tschechien, sondern umgekehrt von Tschechien nach Österreich. Und voller Stolz sage ich dazu, wir zahlen über Kollektivvertrag und trotzdem geht„s.

Standortvorteil in Schörfling

Tips: Warum ist die Wahl auf den Standort Schörfling gefallen?

Kreisle: Wir sehen hier nur Standortvorteile. Erstens ist es hier schön, wir sind relativ schnell im Zentrum der Luftfahrt Süddeutschlands und über die internationalen Flughäfen auch gut an die Vereinigten Staaten, China und Russland angebunden. – Was wollen Sie mehr? Auch für den Beschaffungs- und Bewerbermarkt können wir hier rund um die Firma herum sehr viel bieten. Und Sie dürfen auch nicht vergessen, an diesem Standort haben Sie eine sensationelle Basis an hervorragenden Mitarbeitern. In Wien, Graz oder Linz ist man als Arbeitgeber vielleicht einer von vielen, aber hier können wir was bieten, das nicht so alltäglich ist.

Ausbildung von Fachleuten

Tips: Sie engagieren sich auch stark für die Ausbildung von Fachleuten in Ihrem Segment.

Kreisle: Mit 2018 werden wir mit der Hochschule Oberösterreich in Wels Informatiker und Mechatroniker ausbilden. Ab 2019 ist das Ziel, auch Luftfahrt-ingenieure auszubilden. Wir haben unser Konzept einer Dualen Hochschule präsentiert. Dann zeigte sich, dass es dazu bereits Konzepte gab. Aber man hatte große Sorgen, ausreichend Studenten und finanzielle Mittel zu haben. Wir haben dann angeboten, uns darum zu kümmern, die Studiengänge voll zu bekommen. Aber es hat sich schnell gezeigt, dass es genügend Firmen gibt, die bereit waren, Studenten zu schicken. Wir haben uns gleich für zwei Informatiker, zwei Mechatroniker und zwei Luftfahrtingenieure eingetragen.

Wiesenberger: Wobei es aber auch unser Weg ist, selbst Mitarbeiter auszubilden – und zwar wirklich massiv. Wir bilden derzeit 41 junge Leute aus.

Tips: Sie haben den Umsatz in nur zwei Jahren auf 33 Mio. Euro mehr als verdoppelt und auch den Personalstand merklich auf über 220 Mitarbeiter erhöht. Ihr Ziel ist es, den Umsatz auf 100 Mio. Euro zu erhöhen.

Wachstum und Umsatzsteigerung

Kreisle: Ich will “die Hundert„ jetzt nicht so sehr strapazieren. Aber wir haben für die Belegschaft auch eine Vision gebraucht, in sieben Jahren 100 Mio. Euro Umsatz am Standort Schörfling zu schaffen. Die 100 werden wir nicht ganz schaffen, vielleicht eher 85 Mio. ...

Wiesenberger: ... um das geht es aber auch nicht. Der Eigentümer will ein nachhaltiges Wachstum und nach dem Prinzip arbeiten wir auch. Auch das Ebit und die Produktstrategien sind wichtig.

Tips: Wie steht es generell um die heimische Luftfahrtindustrie?

Wiesenberger: Es gibt viele Unternehmungen die in Österreich in der Luftfahrt tätig sind  -  ich glaub da braucht“s ein bisschen mehr Selbstbewusstsein. Da ist schon was vorhanden, da brauchen wir uns nicht verstecken. Wir sind eine Branche der durchaus international sehr erfolgreich ist.

Ein österreichischer Militärhubschrauber

Tips: Vor einiger Zeit wurdedie Idee in Umlauf gebracht, Österreich solle einen eigenen Militäthubschrauber entwicklen. Wäre man dazu tatsächlich in der Lage.

Wiesenberger: Wiesinger: Nun vielleicht nicht unmittelbar, aber es ist sicherlich eine Vision. So muss man das auch interpretieren. Man ist mittelfristig sicherlich auch dazu in der Lage, ein solches Programm zu stemmen. Wobei es da natürlich auch die Mittel des Verteidigungsministeriums braucht. (schmunzelt)

 

 RoRa erweitert Zusammenarbeit mit Rolls Royce

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