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SCHREMS. Ein turbulentes Jahr liegt hinter dem Unterwasserreich. Seit 30. Oktober befindet sich das beliebte Ausflugsziel am Rande des Schremser Moores in der Winterpause. Geschlossene Türen bedeuten aber nicht, dass Untätigkeit Einzug gehalten hat. Im Gegenteil, einige der Mitarbeiter sind bereits eifrig mit den Vorbereitungen für die kommende Saison beschäftigt. Darunter auch Barbara Dolak. Tips bat sie zum Interview.
Von ERICH SCHACHERL

Barbara Dolak Foto: Christian Bauer
  1 / 3   Barbara Dolak Foto: Christian Bauer

Barbara Dolak ist seit September 2017 neben Christiane Mader eine der zwei neuen Geschäftsführerinnen des Unterwasserreichs (UWR) in Schrems. Die gebürtige Schremserin arbeitet seit Jahren im UWR in verschiedenen Bereichen, von der Naturvermittlung über die Aufzucht von Fischotterbabies bis hin zur Konzeption von Ausstellungen hat sie schon viel für das UWR geleistet, das sie liebt. Nach den anstrengenden Sommermonaten wirkt sie beim Interview etwas müde: „Es war ein turbulenter Sommer, der mit vielen Fragezeichen versehen war. Wir (das Team) haben einige Monate lang nicht gewusst, wie die Zukunft aussehen wird, es hat viel Unsicherheit gegeben“, erzählt sie.

Neue Geschäftsführung

Die Weichen wurden von der Stadt Schrems als Eigentümerin mit Herbstbeginn 2017 klar neu gestellt: Barbara Dolak und Christiane Mader sind beide mit unterschiedlichen Aufgaben als Geschäftsführerinnen für die weitere Zukunft des einzigartigen Zentrums für Naturschutz und Wissensvermittlung verantwortlich. Der Gemeinderat der Stadt hat den beiden einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Eine Herausforderung, die für Barbara aber vor allem so etwas wie die Erfüllung eines Lebenstraumes ist.

Eine magische Verbindung

„Im Nachhinein gesehen, schaut es für mich so aus, als ob das Unterwasserreich wie ein Magnet war, der mich schon immer angezogen hat“, erinnert sie sich. Nachdem sie ihre Schulbildung im Waldviertel abgeschlossen hatte, ging sie nach Wien und studierte Zoologie, Fachbereich Verhaltensforschung. Nach einigen Semestern zog sie ins Mostviertel, brachte zwei Kinder zur Welt und widmete sich eine Zeit lang ganz ihren Jungs und der Familie. Sie studierte weiter und schließlich wurde ihr klar, dass sie wieder in ihre geliebte Heimat zurückziehen wollte. „Noch bevor das fix war, hat mich die damalige Geschäftsführerin Michaela Bodner gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, im Unterwasserreich anzufangen“, denkt Barbara freudig zurück. Sie taucht noch tiefer in die Erinnerung ein: „Ich habe das Entstehen des Unterwasserreich aus der Ferne ja mitbekommen und hab` mir gedacht, unglaublich, das ist genau das, was ich mir wünsche, ein Ramsar-Zentrum in meinem Heimatort, beim Moor, in dem ich immer gerne war“.

Naturvermittlerin am Anfang

Als ob das Leben ihr diesen Weg ebnen wollte. Im Frühjahr 2010 war es soweit, sie begann als Naturvermittlerin zu arbeiten. Von Anfang an fühlte sie sich dort sehr wohl. „Ich habe hauptsächlich Führungen gemacht, aber auch gelernt die Aquarien mit zu betreuen, ich war im Labor, habe also in verschiedene Teilbereiche hinein schnuppern können. Mit meiner damaligen Kollegin und Freundin Natascha habe ich unglaublich schöne Erfahrungen mit den Fischottern sammeln können, wir sind da sehr gut zusammen gewachsen. Hier im Unterwasserreich habe ich gemerkt, dass das Miteinander so etwas von bereichernd sein kann, von dem alle profitieren“, erzählt sie begeistert. Diese Erfahrung trägt sie tief verankert in sich. Und genau das ist es auch, was sie sehr hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt. „Mit den Leuten die hier arbeiten, kann eigentlich nichts schief gehen. Wir haben ein unglaubliches Team an unserer Seite, das sind Menschen mit großer Leidenschaft und Begeisterung für die Sache, die bereit sind, sehr viel zu geben“, sagt die neue Geschäftsführerin.

Für die Heimat

Ein besonderes Anliegen trägt die stolze Schremserin noch im Herzen. „Es geht ja bei uns im Unterwasserreich auch darum, dass wir durch die Vermittlung der Themen Moor und Teich bei den Menschen die hier leben, etwas in ihrem Identitätsbild bewirken können. Die Natur, das Moor, die Teiche, wir sitzen auf einem Juwel, wir sind damit gesegnet. Das ist unsere Heimat, eine Kulturlandschaft mit unschätzbarem Wert, die seit Jahrhunderten Teil unserer Identität ist. Ich glaube, das ist vielen Schremsern oder auch Waldviertlern gar nicht so bewusst. Teil meiner Arbeit ist auch eine Art Verpflichtung, das Bewusstsein der Menschen, die hier leben, zu erweitern. Ihnen einfach das Gefühl zurück zu geben, das hier ist etwas Besonderes, wir können stolz sein, das zu haben“.

Gute Basis

Trotz eines Finanzskandals im UWR – Gelder sind verschwunden - und einem dadurch verursachten Imageschaden blickt Barbara Dolak der Zukunft sehr positiv entgegen. „Ein großes Thema für uns im nächsten Jahr ist, das Vertrauen vieler Menschen in der Region wieder zu gewinnen. So aufzutreten wie wir sind, ehrlich und authentisch“.Profitieren kann sie und das gesamte Team dabei von den vergangenen „fetten Jahren“, wie Barbara es nennt, in denen im UWR zahlreiche Umbauten stattfanden, die Bekanntheit des Naturzentrums beträchtlich gestiegen ist und sich der Besucherstrom verdoppelt hat. Vieles wird also in diesen Bereichen nach dem Erfolgskonzept weitergeführt. Neu im nächsten Jahr ist ein Kunstprojekt, „zu dem ich jetzt allerdings noch nichts sagen will“, macht sie neugierig.

Fischotter

Auch beim absoluten Publikumsmagneten Fischotter wird es Ergänzungen geben. Die entzückenden Säuger sind das Highlight des Unterwasserreich, die lebenden Tiere bei den Schaufütterungen zu beobachten und dabei Interessantes von ihrer Lebensweise zu erfahren, begeistert seit Jahren Besucher aller Altersstufen und lockt viele Menschen ins UWR. 2018 kommt noch etwas dazu: „Es wird eine Sonderausstellung zum Thema Fischotter geben“, erzählt Barbara. Angesichts der in den letzten Jahren zunehmenden Problematik zwischen vielen Natur- und Tierfreunden, die Fischotter schützen wollen einerseits, und zahlreichen Teichwirten, die den Fischotter als geschäftsschädigend beurteilen und den Abschuss fordern andererseits, eine herausfordernde Aufgabe. „Wir haben die ehrenvolle Aufgabe, sachlich zu informieren“, sagt Barbara ganz klar. „Dadurch werden wir eine bessere Diskussionsplattform zwischen Ottergegnern und Otterfreunden schaffen können“.

Am 24. März 2018 beginnt die neue Saison im UWR.

www.unterwasserreich.at


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