EU-Gemeinderätin Doris Staudinger: Warum es wichtig ist zu wählen
SCHWANENSTADT. Was genau sind EU-Gemeinderäte, was machen sie und was haben eigentlich Gemeinden mit der EU zu tun? Fragen, auf die EU-Gemeinderätin Doris Staudinger Antworten hat.

Tips:Wie wird man EU-Gemeinderat und was sind ihre Aufgaben?
Staudinger: Seit 2010 gibt es vom BMEIA (Bundesministerium Europa, Integration und Äußeres) die Initiative „Europa fängt in der Gemeinde an“. Ich unterstütze diese Initiative als EU-Gemeinderätin, da viele Entscheidungen der EU bis in die Gemeinden hineinreichen und auf Gemeindeebene bzw. in der Bevölkerung umgesetzt werden. Als EU-Gemeinderat ist man Ansprechpartner für Fragen über die EU und zu Förderthemen. Wir bekommen zahlreiche Hintergrundinformationen und können an Info-Veranstaltungen, Exkursionen, Fortbildungen sowie Austausch mit Kollegen teilnehmen. Durch meine frühere berufliche Tätigkeit im Regionalmanagement Vöcklabruck und meine ehrenamtliche Tätigkeit im LEADER-Verein Vöckla-Ager habe ich zahlreiche Anknüpfungspunkte zur EU und habe mich daher für diese Funktion interessiert. Man wird von der Gemeinde nominiert bzw. kann man das Interesse auch selbständig beim BMEIA kundtun.
Tips:Wo steckt die EU in der Region bzw. in den Gemeinden drin? Wo wird sie spürbar?
Staudinger: Österreich ist seit 1995 Mitglied der EU. Seit diesem Zeitpunkt hat sich für Österreich und die Bevölkerung einiges geändert und es haben sich zahlreiche Chancen eröffnet. Der gesamte Bezirk Vöcklabruck, seine Gemeinden und vor allem die Bevölkerung und die Betriebe haben bereits von Beginn an und profitieren immer noch von verschiedenen EU-Förderprogrammen. Die Umsetzung von zahlreichen Aktivitäten und Maßnahmen sind erst durch Fördermittel aus kommunalen, wirtschaftlichen, touristischen, sozialen und landwirtschaftlichen EU-Förderprogrammen möglich geworden. Wir als Österreicher können mit entscheiden, da die Abgeordneten zum Europäischen Parlament direkt gewählt werden. Machen wir von diesem Wahlrecht Gebrauch!
Tips:Könnten Sie ein typisches Beispiel für die Wirkung der EU in unserer Region anführen?
Staudinger: Viele Tourismusprojekte am Attersee oder Mondsee wären ohne eine EU-Förderung nicht möglich gewesen, aber auch die landwirtschaftlichen Betriebe profitieren sehr stark vom Geld aus der EU.
Tips:Warum steckt die EU Gelder in unsere Region?
Staudinger: Jeder Mitgliedsstaat zahlt einen Mitgliedsbeitrag. Mit diesen Geldern wird nicht nur der EU-Apparat finanziert, sondern das Geld fließt wieder in die Mitgliedsstaaten in verschiedene Bereiche zurück. Gefördert werden unter anderem Projekte in den Bereichen: Forschung und Innovation, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Bildung, Klimaschutz und Umwelt sowie digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist wichtig, dass wir das Geld auch „abholen“. Dazu gibt es verschiedene Organisationen (Regionalmanagement, LEADER, EuroDirect, ....), die die Vereine, Gemeinden, aber auch Einzelpersonen kompetent bei der Förderabwicklung unterstützen.
Tips:Wie können wir alle von der EU profitieren?
Staudinger: Die EU wurde 1952 bzw. 1957 als Friedensprojekt gestartet und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gegründet, das hält bis zum heutigen Tag! Leider werden oft nur die negativen Aspekte, wie Gurkenkrümmung, Marmelade oder Konfitüre ... diskutiert und nicht die vielen positiven und nachhaltigen Dinge, die durch die EU schon geschaffen wurden. Wichtig und sinnvoll zu erwähnen sind der Binnenmarkt und die vier Grundfreiheiten (Freier Warenverkehr, freier Personenverkehr, freier Dienstleistungsverkehr, freier Zahlungsverkehr) für die Bevölkerung und die Betriebe. Seit der EURO-Einführung 1999 ist vieles leichter und einfacher geworden. Gerade für die Jugend – Schüler und Studenten – ist die EU perfekt, um während der Ausbildung internationale Erfahrung (ERASMUS, ...) zu sammeln. Es geht um ein Miteinander eines geeinten Europas, um gegen andere Weltmächte bestehen zu können. Aber die regionalen Identitäten und Traditionen müssen bestehen bleiben. Die langwierigen Streitereien in Sachen Brexit und auch das Verhalten einzelner Staaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen haben sicher nicht zu einer Pro-Europäischen Stimmung beigetragen. Aber Österreich bekennt sich zu Europa. Europa steht für Freiheit, Demokratie und Chancen! Die Grundpfeiler sind Frieden, wirtschaftliche Stabilität und Wohlstand. Wir wollen als Österreich die EU auch nach dem Grundsatz der Subsidiarität noch aktiver mitgestalten.


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