SIERNING. In einem Massengrab am Sierninger Friedhof sind Häftlinge des KZ Saurer Werke in Wien-Simmering bestattet. Die näheren Umstände ihres Todes konnten ebenso geklärt werden wie jene der am Friedhof erschossenen ungarischen Juden eines Todesmarsches.

Durch die Recherche für das Buch „nirgendwohin. Todesmärsche durch Oberösterreich im April 1945“ von Ines Bernt-Koppensteiner aus St. Ulrich konnte auch in Sierning ein wichtiger Schritt Richtung Aufarbeitung der Ereignisse gesetzt werden. Kurz nach dem Erscheinen des Buches im Jahr 2015 entschlossen sich Pfarrer Karl Sperka und Bürgermeister Manfred Kalchmair, ein Mahnmal für die in der Gemeinde ermordeten Opfer des NS-Regimes zu setzen.
Enthüllung am 26. Oktober
Im Zusammenwirken von Gemeinde, Pfarre und Mauthausen Komitee Steyr entwarf der Sierninger Bildhauer Karl Reiter eine schlichte, aussagekräftige Gedenkstätte und gestaltete das Massengrab neu. Die Enthüllung am Sierninger Friedhof findet am Donnerstag, 26. Oktober, um 17 Uhr statt. Der Hinweis „erschöpft – erschlagen – erschossen“ bezeugt das Schicksal der hier bestatteten Opfer. 23 zugeklappte Täfelchen erinnern daran, dass den Verfolgten bewusst ihre Identität genommen wurde, sodass man auch heute ihre Namen nicht kennt. Drei aufgeklappte kleine Tafeln tragen die Namen derer, die im Laufe der Nachforschungen identifiziert werden konnten.
„Nicht wegschauen“
Das Mahnmal am Eingang des Friedhofs in unmittelbarer Nähe des Exekutionsortes der ungarischen Juden weist durch die Einschusslöcher auf die dort stattgefundenen Erschießungen am 19. April 1945 hin. Die erwähnte Zahl „zehn Opfer“ wurde einem Exhumierungsprotokoll vom 14. März 1946 entnommen. Zeitzeugen sprechen von mehr jüdischen Opfern, was aber durch Archivquellen bisher nicht belegt werden konnte. Mit dem Mahn-Denk-Mal in Sierning ist nach Kirchdorf in einem weiteren Ort, durch den die Todeskolonne im April 1945 getrieben wurde, ein Erinnerungszeichen gesetzt und wenigstens drei KZ-Opfern ihre Identität zurückgegeben worden. „Es soll aber auch uns Nachgeborene zu Zivilcourage ermutigen, nicht wegzuschauen, wenn Ausgrenzung, Diskriminierung, Unrecht geschehen“, betont Buchautorin und Historikerin Ines Bernt-Koppensteiner.


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