St. Florianer wurde Augenzeuge der Brandkatastrophe in Australien
ST. FLORIAN/PERTH. Eine Fläche von rund 110.000 Quadratkilometern ist bisher bei den verheerenden Buschbränden in Australien abgebrannt. Christoph Kirchmair aus St. Florian absolviert derzeit ein Praktikum in Perth an der Westküste des Kontinents und erlebt die Naturkatastrophe hautnah mit.

Kirchmair arbeitet seit September bei Blackroll Australia, einem Hersteller für Muskelfaszienrollen. „Im November hat es in Perth ein bisschen geregnet. Im Jänner und Februar ist nun Buschbrand-Saison, in der es sehr trocken ist“, erzählt er. Obwohl die Brände bei uns erst im Dezember in die Schlagzeilen kamen, seien sie in Australien schon seit Monaten ein Problem. Auch rund um Perth, wo es momentan um die 42 Grad hat, tobten Brände. Weil viel Wind ging, habe man sie aber nicht so sehr mitbekommen.
Hysterische Stimmung
Zu Silvester machte Kirchmair einen Trip entlang der Westküste. Dabei kam er einem Buschfeuer bedrohlich nahe. „Im Nationalpark Cap Le Grand waren einige Feuer von der Bucht aus zu beobachten. Im nahe gelegenen Urlaubsort Esperance hat man mit freiem Auge das Feuer auf der anderen Seite der Bucht sehen können. Außerdem lag die ganzen Tage Verbrennungsgeruch und Rauch in der Luft“, berichtet er. Die „locals“ (Ortsansässigen) würden die Brände locker nehmen. An der Ostküste, wo Kirchmair ebenfalls unterwegs war, hätten aber viele ihr gesamtes Hab und Gut verloren. „Manche Dörfer sind überhaupt nicht mehr existent. Die Stimmung im Land ist hysterisch“, so Kirchmair.
Starke Kohlenlobby
Die Kritik am australischen Premierminister Scott Morrison aufgrund seiner mangelhaften Klimaschutzpolitik kann Kirchmair nachvollziehen. „60 Prozent der Energie in Australien werden aus Kohle gewonnen. Es gibt eine Riesen-Lobby, die von ihm gefördert wird“, sagt er. Auf erneuerbare Energien werde zu wenig gesetzt, obwohl es in Perth 300 Sonnentage pro Jahr gibt. Auch die locals seien an der Situation nicht ganz unschuldig. „Viele Australier fahren fette SUVs. Das Allradfahren am Strand ist hier sehr beliebt“, so Kirchmair.
Makabre Tennis-Spende
Fehler habe Morrison aber schon vor der Brandkatastrophe gemacht. „Die Feuerwehr hat ihn voriges Jahr gewarnt und vorgeschlagen, präventiv Wälder abzubrennen. Damals hat er sich dagegen gewehrt. Nun macht er die Linken verantwortlich“, so Kirchmair, der es makaber findet, dass beim ATP-Turnier in Brisbane, Sydney und Perth vor den Australian Open das Fundraising-Programm „Aces for Bushfire Relief„ ins Leben gerufen wurde. Für jedes Ass wurden 1.000 australische Dollar an die Opfer der Brandkatastrophe gespendet. „Besser wäre es gewesen, man hätte das Preisgeld gespendet“, kritisiert Kirchmair, dessen Unternehmen eine Spendenaktion für die Naturschutzorganisation Wildlife Rescue gestartet hat. Christoph Kirchmair arbeitet noch bis 9. März in Perth. Nach einem Monat in Neuseeland wird er an der australischen Ostküste arbeiten. Bleibt zu hoffen, dass die Buschbrände bis dahin beendet sind.


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