Sportliche Zwillinge: Wenn das Rad zum Lebensmittelpunkt wird
ST. GOTTHARD. Wenn sich andere zu Hause vor der Hitze verkriechen, schwingen sich Laura und Lisa Fernbach zum Trainieren aufs Rad. Seit drei Jahren gehen die 17-Jährigen für den RC Walding an den Start. Und das mit großem Erfolg.

Platz eins und zwei bei der oberösterreichischen Landesmeisterschaft im Zeitfahren, mehrere Podiumsplätze bei den Bahnrad-Staatsmeisterschaften und ein Einsatz im Nationalteam: Die Erfolgsliste von Laura und Lisa Fernbach aus St. Gotthard kann sich sehen lassen. Dabei war für die Zwillingsschwestern das Thema Sport lange tabu: „Früher haben wir uns gegen alles gesträubt, was mit Sport zu tun hatte. Sogar gegen einen Radausflug mit der Familie“, erklärt Laura.
Dass die beiden mittlerweile zum A-Kader des RC Walding gehören, verdanken sie einer ehemaligen Mitschülerin. Von ihr wurden die beiden 2015 zum Probetraining eingeladen. Und seitdem sind Laura und Lisa vom Radsport nicht mehr losgekommen. Im ersten Jahr trainierte das Duo noch für Mountainbike-Bewerbe, 2016 sattelten die Zwillinge schließlich auf den Straßenradsport um. „In den Mountainbike-Bewerben geht es recht hart zu, außerdem ist es technisch ziemlich anspruchsvoll. Dafür haben wir mit 14 Jahren einfach zu spät angefangen“, sagt Lisa.
Lebensmittelpunkt
Was als Hobby begonnen hat, ist für die Schwestern inzwischen zum Mittelpunkt ihres Alltags geworden. Mindestens eineinhalb Stunden pro Tag fahren Laura und Lisa auf ihren Rennrädern durch Oberösterreich. Egal ob bei hochsommerlichen Temperaturen oder im tiefsten Winter. Das viele Training ist notwendig, damit den beiden bei den mehrtägigen Rennen nicht die Kraft ausgeht. „Unsere Rennsaison dauert von April bis September. In der Zeit spulen wir etwa 30 Renntage ab“, erzählt Lisa.
Durch das Training und die zahlreichen Renntermine bleibt den Schwestern kaum Zeit für andere Hobbys: „Momentan besteht unser Alltag fast nur aus Schule, Radfahren und Lernen“, sagt Laura. Sie brauche den Sport auch als Ausgleich: „Wenn ich einen Tag nicht am Rad bin, kann ich mich beim Lernen nicht mehr konzentrieren.“
Die Gefahr fährt mit
Das harte Training zahlt sich für die beiden aus: Mitte Juli holt sich Lisa in Tirol den Landesmeistertitel im Einzelzeitfahren – direkt vor ihrer Schwester. Im September 2017 wagen sie sich auf die Radrennbahn und landen bei der Staatsmeisterschaft gleich in mehreren Bewerben auf dem Stockerl. Und im April war Laura mit dem österreichischen Nationalteam bei einem Nationscup-Rennen in den Niederlanden. Ein tolles Erlebnis, das für sie allerdings mit einer Schrecksekunde endet: In der dritten Etappe kracht sie mit knapp 35 km/h gegen ein Begleitfahrzeug und muss verletzt aufgeben.
Dass das Verletzungsrisiko immer mitfährt, wissen die beiden nur zu gut: Einige Narben erzählen von vergangenen Stürzen, ein Unfall mit dem Mountainbike endet für Lisa mit einer Gehirnerschütterung. Verunsichern lassen sich die beiden Schwestern dadurch nicht: „Unsere Mama ist immer viel nervöser als wir selbst. Nach den Rennen bekommen wir da schon hin und wieder Nachrichten, ob wir gut ins Ziel gekommen sind“, erzählt Lisa.
Teures Unterfangen
Dass die beiden an den Rennen in ganz Österreich teilnehmen können, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Startgelder sind hoch, dazu kommen Kosten für Unterkünfte, Ausstattung und Trainingslager. Ohne Geldgeber wäre das nicht möglich. Dank guter Kontakte haben Laura und Lisa einen Sponsor und können so regelmäßig zu Rennen anreisen.
Dabei freuen sie sich nicht nur auf den Bewerb an sich, sondern auch auf ihre Freunde im österreichischen Radsport-Zirkus. „Es ist toll, dass wir bei den Rennen so viele Leute treffen. Da freuen wir uns immer richtig darauf, wir sehen uns ja nicht jeden Tag“, sagt Laura.
Zukunftspläne
Ob sie ihren Sport einmal zum Beruf machen werden, wissen die Zwillinge noch nicht. „In den nächsten zwei Jahren wird sich entscheiden, ob wir den Sprung zu einem Profi-Team schaffen“, erklärt Lisa. Doch auch für den Fall, dass es mit der Radsport-Karriere nicht klappt, haben die beiden vorgesorgt. Lisa geht in die BAfEP (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik) Lederergasse, möchte später aber eine Ausbildung im Bereich der Physiotherapie und Massage absolvieren. Und Laura drückt in der HTL Bau und Design die Schulbank und will im Anschluss studieren. Aktuell gilt die volle Konzentration der Zwillinge aber der Radsportwoche in Hartberg, wo sie noch bis Freitag um den Sieg fahren.


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