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St. Leonharder Original Fritz Frühwirth: Einer, der alte Handwerke vor dem Vergessen bewahrt

Mag. Susanne Überegger, 31.10.2018 11:55

ST. LEONHARD. Fritz Frühwirth ist in der ganzen Gemeinde bekannt: Ob als ehemaliger Goaßbauer, als Seniorenbundobmann, als engagierter Gemeinderat, als findiger Kompostierer, als geprüfter Kräuterexperte, als Bewahrer alter Handwerke und nicht zuletzt als launiger Schmähführer.

Vielseitig interessiert und engagiert: Fritz Frühwirth (68)Foto: Überegger
Vielseitig interessiert und engagiert: Fritz Frühwirth (68)Foto: Überegger

Der ehemalige Voest-Kessel- und Turbinenwärter und Landwirt aus St. Leonhard ist mit seinem 68 Jahren schon in Pension, aber die Wörter Langeweile oder Müßiggang sind ihm fremd. Einfach zu vielseitig sind seine Interessen und Begabungen. Etwas Neues dazuzulernen und mit interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen, begeistert ihn.

Kompostier-Meister

So gründete Fritz Frühwirth in den 80er-Jahren die Volkstanzgruppe Leonhard, ist seit zehn Jahren Obmann des Seniorenbundes und engagiert sich im Gemeinderat – ohne jedoch einer Partei anzugehören.

Seit 29 Jahren kompostiert er den Grün- und Strauchschnitt der St. Leonharder – den Inhalt der Biomülleimer nicht mehr, denn „das war schlecht für meinen Blutdruck“.

Für seine Kompostieranlage hat er selbst eine Maschine gebaut, die den Kompost umsetzt. „Der Kompost ist der allerwertvollste Dünger. Die Bakterien für meinen Kompost fermentiere ich selbst. Das ist eine eigene Wissenschaft – dafür arbeiten die Bakterien rund um die Uhr, ganz ohne Gewerkschaft“, schmunzelt der St. Leonharder.

Experte für Kräuter und Marterl-Renovierung

Gerne beschäftigen sich der geprüfte Kräuterexperte Fritz Frühwirth und seine Frau Ludmilla mit Kräutern und Wurzeln, stellen daraus rund 40 Teesorten und verschiedene Salben her, die bei allen möglichen Wehwehchen helfen. Auch in Gemüse- und Obstgarten ist immer etwas zu tun.

Außerdem renoviert Frühwirth schon seit den 70er-Jahren die St. Leonharder Marterl, mehr als 40 an der Zahl. Zu vielen Bildstöcken in der Gemeinde hat er die Hintergrundgeschichte erforscht.

Der Vater dreier Kinder und eines Ziehkindes sowie sechsfache Großvater ist nebenbei auch noch Wanderführer und im Kulturverein tätig.

Doch was Frühwirth besonders am Herzen liegt, ist das Bewahren alter Handwerke. „Sie sollen nicht in Vergessenheit geraten“, sagt der Pensionist.

Pechölbrenner und Köhler

So ist Fritz Frühwirth einer der wenigen, die noch die Kunst des Pechölbrennens beherrschen. Er schwört auf das Pechöl, das einst als Volksmedizin im Mühlviertel ursprünglich weit verbreitet war, und gibt sein Wissen gerne an interessierte „Lehrlinge“ weiter.

Das Pechölbrennen gehört genauso wie das Bauen eines Kohlenmeilers, das Frühwirth ebenfalls beherrscht, zum Immateriellen Unesco-Kulturerbe. „Neun Kohlenmeiler habe ich schon gebaut. Gelernt habe ich das Handwerk vom leider schon verstorbenen St. Leonharder Schmiedemeister Felix Buchmair“, erzählt Frühwirth.

In einem Kohlenmeiler wird aus rund 16 Festmetern Holz – grundsätzlich ist jede Holzart außer Tanne geeignet, aber am besten gelingt die Kohle mit Erlenholz – rund eine Tonne beste Holzkohle gewonnen.

Begeistert vom alten Handwerk

„Das ist eine Arbeit für Tag und Nacht, eine Woche lang. Der Meiler muss rund um die Uhr bewacht werden“, weiß der Schauköhler aus St. Leonhard, der schon viele Leute mit dem alten Handwerk des Köhlers zu begeistern wusste.

Vor wenigen Wochen baute Frühwirth in Begleitung seines guten Freundes Gottfried Jahn – ob seines weißen Rauschebartes stellt ihn Frühwirth gerne mit einem Augenzwinkern als „ledigen Sohn vom Sepp Forcher“ vor – einen Kohlenmeiler im salzburgischen Forstenau.

Josef „Luki“ Mandl aus Sandl war auch mit von der Partie und erzählte seine spannenden Geschichten vom Schwarzen Mandl und vom Räuberhauptmann Kopetzky.

Dass Frühwirth einigen Forstenauern (fast) erfolgreich weismachte, er sei ein Mühlviertler Mäusebauer und aus der Milch seiner 4.000 Mäuse würde ein Heilmittel gegen Malaria hergestellt, ist wiederum eine andere Geschichte.


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