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Zu wenig Ressourcen für sprengelfremde Kinder: Wahlfreiheit entpuppt sich als Hindernis

Martina Gahleitner, 30.05.2017 06:05

BEZIRK ROHRBACH. Mit Schulbeginn im Herbst werden die bestehenden Sprengel freigegeben. Kinder und ihre Eltern dürfen somit frei wählen, welche Mittelschule sie besuchen möchten, ohne wie bisher einen Antrag stellen zu müssen. Diese Wahlfreiheit hat allerdings einen Haken: Denn zusätzliche Klassen dürfen durch sprengelfremde Kinder nicht entstehen. Vor allem Schwerpunktschulen sehen darin eine klare Schlechterstellung.

Der Unterricht in Fremdsprachen und damit verbunden auch Sprachreisen ist der Grund für den Besuch der Mittelschule St. Martin. Viele Schulen im Bezirk haben solche Schwerpunkte gesetzt. Foto: NMS St. Martin

Die Mittelschule St. Martin hat sich auf Sprachen spezialisiert: Hier können die Schüler Französisch oder Italienisch als zweite Fremdsprache wählen. Gerade erst führte eine Sprachreise die Mittelschüler nach Paris bzw. nach Verona, wo sie ihren Wortschatz in realen Alltagssituaitonen anwenden konnten. „Etwa 40 Prozent der Schüler nehmen dieses Angebot in Anspruch und meist ist das auch der Grund, warum sprengelfremde Kinder sich an unserer Schule anmelden“, berichtet Direktor Manfred Spenlingwimmer. Bisher erfolgte dies mittels Umschulungs-Antrag, der mit der landesweiten Freigabe von Schulsprengeln wegfallen sollte. „Umso enttäuschender ist die gleichzeitige Einschränkung des Landes OÖ, dass die Aufnahme sprengelfremder Schüler nicht zur Bildung neuer Klassen führen darf und Schüler sogar abgewiesen werden müssen. Das ist eine klare Schlechterstellung für die Schule und auch für die Gastschüler“, vermisst Spenglingwimmer die versprochene Wahlfreiheit. „Jeder Schüler sollte dort hingen können, wo er will“, fordert er.

Schaden für Schulstandort

Während es sich in St. Martin heuer exakt ausgegangen ist und keine Schüler abgewiesen werden mussten, schaut es in anderen Schulen nicht so gut aus. In der Mittelschule Aigen-Schlägl etwa hätte es Schüler für zwei Klassen gegeben – jedoch fehlen die personellen Ressourcen dafür. „Wir haben einen sehr kleinen Schulsprengel, zwei Klassen würden sich da nie ausgehen. Deshalb haben wir uns beim Tag der offenen Tür großartig dargestellt und eingeladen – jetzt erst stellt sich heraus, dass kein Platz für mehr Schüler ist“, ärgert sich Direktorin Elfriede Söllner-Babes. Ihr wurde geraten, die am weitest entfernten Schüler abzuweisen. „Das ist ein nachhaltiger Schaden für unseren Schulstandort. Dabei haben wir mit Informatik und Mechatronik einen Schwerpunkt, der von der Politik gewünscht ist und wir nehmen im Bereich Digitalisierung eine Vorreiterrolle ein“, betont die Schulleiterin. Auch dem Lehrkörper, in dem alle über 50 Jahre sind, würden junge Lehrer wirklich gut tun, ergänzt sie. Noch diese Woche hat sie einen Termin bei Bildungslandesrätin Christine Haberlander, um an der Situation vielleicht doch noch etwas ändern zu können.

Nur zehn von 230 Schulen betroffen

Haberlander indes ist überzeugt, dass die Einführung des flächendeckenden Berechtigungssprengels sehr gut funktioniert hat. Denn landesweit ist es nur an zehn von über 230 Schulstandorten zur Nichtgenehmigung von zusätzlichen Klassen gekommen. „Natürlich werden wir uns genau anschauen, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt“, verspricht die VP-Landesrätin.

Auch Karl Steinparz vom Landesschulrat OÖ ist vom neuen Modell überzeugt. Es würde keiner verstehen, wenn plötzlich viel mehr Klassen bei gleicher Schülerzahl möglich wären, meint er. Deshalb sei die Einschränkung notwendig. „Es betrifft extrem wenige Kinder, aber für diese werden wir die bestmögliche Lösung suchen“, betont Steinparz.

Bedarf unterschätzt

Für Pflichtschulinspektor Markus Gusenleitner steht fest, dass der Bedarf an zusätzlichen Klassen unterschätzt wurde. Im Bezirk Rohrbach sind drei Schulen von einer Nichtgenehmigung betroffen – neben Aigen-Schlägl sind das die Mittelschulen Lembach und Niederwaldkirchen. „Der Unmut bei den Eltern ist verständlich und wir werden Beschwerden auch an den Landesschulrat weiterleiten. Da wird man sich eine neue Regelung einfallen lassen müssen, denn so vertreiben wir Mittelschüler ans Gymnasium“, meint Gusenleitner.


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