Home-Office und Fernunterricht bringen Datennetz an seine Grenzen
BEZIRK ROHRBACH. Das Leaderprojekt zum flächendeckenden Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur hat durch die Corona-Situation unerwartet und unfreiwillig Rückenwind bekommen. Denn Home-Office, der Unterricht via Bildschirm und andere Aktivitäten über Internet, fordern das Datennetz. Da wird schnell sichtbar, dass die Versorgung zum Teil noch sehr ausbaufähig ist.

Manfred Lanzersdorfer, Breitbandbeauftragter in der Gemeinde St. Martin, arbeitet zur Zeit von zu Hause aus. Ebenso nutzen seine beiden Söhne das Datennetz für Schularbeiten oder Filme schauen. „Wir arbeiten also zumindest drei Personen gleichzeitig, was mit einer ordentlichen Glasfaser-Anbindung kein Problem ist“, sagt Lanzersdorfer. Er kennt aber auch andere Berichte aus seiner Gemeinde, vor allem von Personen, die in der Peripherie wohnen. Dort ist Home-Office kaum realisierbar.
Ausbau ist dringend notwendig
„Sichere Verbindungen mit Firmennetzwerken brauchen einfach mehr Bandbreite, als nur Mails zu schreiben. Und genau diese sicheren Verbindungen funktionieren dann nicht zufriedenstellend. Ganz zu schweigen von Video-Konferenzen, die sich im unterversorgten Bereich gar nicht mehr umsetzen lassen“, weiß der Breitbandbeauftragte. „Die Versorgung ist noch sehr ausbaufähig. Es gibt ganz wenige und kleinräumige Versorgungen, weil zum Teil Gewerbebetriebe den Glasfaseranschluss finanziert haben und ein paar private Häuser die Möglichkeit bekommen haben, anzuschließen. Im Zentrum konnten zwei Siedlungen versorgt werden“, berichtet Lanzersdorfer, der so wie das gesamte elfköpfige Breitband-Kernteam in St. Martin überzeugt ist, dass ein Ausbau der Infrastruktur am Land notwendig ist.
Ortszentren sind großteils gut versorgt
Der regionale Breitbandbeauftragte Michael Fürthaller vom Fiber Service OÖ kennt die Situation genauer: „Breitbandinternet ist schon, wenn auch auf dem Wege anderer Übertragungsarten, in vielen Gemeinden vorhanden, aber generell ist Österreich noch sehr gering versorgt mit einer Glasfaserinfrastruktur bis zum Endkunden. Die Versorgung in der Region Donau-Böhmerwald ist wie in den meisten Regionen sehr unterschiedlich. Problematisch ist die Lage in vielen Randgebieten abseits der Ortszentren, die in der Regel gut versorgt sind – wenn auch nicht flächendeckend“, erläutert Fürthaller. In der Region sind rund 9.000 Gebäudepunkte noch nicht mit Breitbandinternet erreichbar.
Flächendeckender Ausbau
Das Anfang des Jahres gestartete Leaderprojekt will die Versorgung flächendeckend gewährleisten. Seitens der Gemeinden besteht eine hohe Kooperationsbereitschaft, bestätigt Michael Fürthaller: „Die Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung und für die ehrenamtlichen Breitbandmultiplikatoren haben gezeigt, dass sowohl das Interesse als auch die Akzeptanz einer regionsweiten Koordination sehr hoch ist.“ In jedem Fall werde es entscheidend sein, dass die Bevölkerung Interesse bekundet, versorgt zu werden bzw. das Glasfasernetz später dann auch gebraucht und genutzt wird, ergänzt er. Denn nur dann besteht auch die Chance einer zeitnahen Umsetzung.


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