Neu-Waldviertler aus dem Irak helfen historisches Schulmaterial zu retten
HARMANSCHLAG. Wie so viele Kleinschulen im Waldviertel musste auch die Volksschule in Harmanschlag in den 90er-Jahren schließen. Die nicht mehr benötigten Dokumente und Unterrichtsmaterialien aus 100 Jahren Schulgeschichte wanderten einfach auf den Dachboden, wo sie bis letzte Woche unbeachtet gelegen sind.

Das Schulgebäude im Besitz der Gemeinde St. Martin wurde nach der Schließung als Grenzüberwachungsposten genutzt und seit dem Vorjahr ist es ein Co-Working Space der Firma ILD Temper-Samhaber und GUAPEX EU.
Auf Initiative von Thomas und Brigitte Samhaber und der Gemeinde St. Martin fand nun unter tatkräftiger Mitwirkung von acht in St. Martin lebenden, aus Kriegsgebieten geflüchteten Irakern die Reinigung und „Übersiedelung“ der Schätze in das ebenfalls der Gemeinde gehörende Nachbarhaus statt.
„Wir sind so froh, wenn wir hier etwas arbeiten können! Am liebsten jeden Tag!“, sagt Mohammed Grasem und ist von den alten Dingen und besonders der großen Österreich-Fahne fasziniert.
„Setzkästen, alte Klassenbücher, Instrumente für den Physik- und Chemieunterricht, Lernzubehör für Mathematik und jede Menge Schautafeln könnten ein kleines Museum füllen! Nun sind die Dinge zumindest vorerst gesichert. Es sollen die Dokumente und Materialien aber den Menschen vor Ort, die hier in die Schule gegangen sind, wieder zugänglich gemacht werden, eine gemeinsame Aktion zum Sortieren ist geplant!“, meinen die Initiatoren.
Seit sieben Monaten beweist das Netzwerk „Willkommen im Lainsitztal“ im Oberen Waldviertel, wie das Zusammenleben, das Annähern von Flüchtlingen und Einheimischen funktionieren kann.
100 Menschen leisteten ehrenamtlich bisher mehr als 10.000 Stunden und hören mit der Unterstützung auch bei Gegenwind nicht auf – gerade jetzt, da viele Menschen Begleitung brauchen, um auch beruflich in der Region Fuß fassen zu können.


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