Ganz Europa ist der Arbeitsplatz für Petringer Weltenbummlerin
ST. PETER. Madeline Schürz war 15 Jahre, als sie das erste Mal alleine im Ausland war – ein ganzes Jahr lang für einen Schüleraustausch in den USA. Damit war bei der jungen Petringerin das Reisefieber geweckt und heute hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Sie ist einzige Österreicherin, die für Contiki junge Reisende durch ganz Europa begleitet.

Neun Monate dauerte der ganze Prozess von der Bewerbung bis zur ersten Tour, erinnert sich Madeline Schürz: „Nach der Online-Bewerbung folgte ein erstes Online-Interview und dann ein persönliches Gespräch. Wer dann aufgenommen wurde, musste ein Assignment schreiben, eine Kurzbeschreibung für 20 Länder.“ Ihre Arbeit umfasste 600 Seiten und hat die 28-Jährige aus St. Peter direkt zum 70-tägigen Trainingstrip gebracht. Am Ende des ganzen Auswahlverfahrens für die Agentur, die Gruppenreisen für 18- bis 35-Jährige anbietet, blieben von den 2.000 Bewerbern neun Fahrer und 18 Tripmanager übrig. Seit einem Jahr ist Madeline nun Teil des 140-köpfigen Teams – als eine der wenigen, die nicht Englisch als Muttersprache haben –, das von London aus die Europareisen für Contiki organisiert.
Leben aus dem Koffer
Knapp 200 Tage im Jahr ist die Mühlviertlerin, die vier Sprachen fließend spricht, unterwegs. Gemeinsam mit 53 Passagieren im Reisebus, die mit ihrer Unterstützung Europa entdecken. „Unsere kürzeste Reise dauert sieben Tage, die längste 45. Das ist schon extrem anstrengend, aber auch voll aufregend. Jeden zweiten Tag hab ich eine andere Stadt als Arbeitsplatz.“ Als Reisebegleiterin für die meist weitgereisten jungen Urlauber aus Australien, Neuseeland, USA oder Kanada organisiert sie den gesamten Ablauf, die Hotels, Sehenswürdigkeiten, die angeschaut werden, unternimmt teilweise selbst Stadtführungen, gibt Tipps für den Freizeitteil des Reiseprogramms, hilft aber auch weiter, wenn etwa das Handy verloren geht oder ein Urlauber medizinische Hilfe braucht. „Ich bin Mama, Krankenschwester, Tourguide – alles auf einmal“, meint Madeline Schürz. „Es entstehen auch Freundschaften, weil man doch viel Zeit miteinander verbringt.“
Geheimtipps für jede Stadt
Ihr ist dabei wichtig, nicht nur das Typische einer Stadt zu erzählen und zu empfehlen. „Fünf Minuten von Notre Dame entfernt steht die Sainte Chapelle, die kaum jemand kennt, die aber wunderschön ist und bei der man sich nicht anstellen muss“, nennt Madeline ein Beispiel. Auch mit geschichtlichen Hintergründen oder Infos zur aktuellen Situation gibt sie den Städten mehr Leben – und hat durch ihre Arbeit zugleich auch selbst Europa ganz neu entdeckt. „Wir haben relativ nah irrsinnig schöne Sachen“, sagt sie und fügt hinzu: „Österreich mit seinen Bergen oder der wunderschönen Stadt Wien taugt den Gästen recht. Das ist auch das Schöne an meiner Arbeit: Den Urlaubern etwas zu zeigen, zu erzählen und zu sehen, wie begeistert sie sind.“
Weltweites Netzwerk an Kontakten
In ihrer Freizeit ist die Petringerin dann außerhalb Europas unterwegs. Sri Lanka und Australien hätte sie noch auf ihrer Reisewunschliste stehen, wobei sie ohnehin schon an die 40 Länder bereist hat. Sie verbrachte ein Jahr in Bolivien, hat ein Semester in Spanien studiert, ihre Masterarbeit in Brasilien gemacht, war in Israel oder Marokko und hat sich so „weltweit ein großes Netzwerk aufgebaut“. Urlaub nur zur Erholung gibt es dabei nicht: „Überall wo es einen schönen Strand gibt, ist in der Nähe auch eine schöne Stadt, die man sich anschauen kann.“


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