Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ST. PETER/BEZIRK. Buchstäblich alle Hände voll zu tun hat Familie Bräuer derzeit auf ihren Hopfenäckern in St. Peter. Sie muss wegen der Corona-Krise auf ausländische Erntehelfer verzichten. Noch kann die Familie die Arbeit selber und mit Unterstützung von Freunden stemmen. Doch die intensive Zeit steht erst noch bevor.

Freunde halfen bisher bei den Arbeiten Anfang April aus. Foto: Bräuer
  1 / 4   Freunde halfen bisher bei den Arbeiten Anfang April aus. Foto: Bräuer

Elf Hektar Hopfen wollen beim „Pfaffenhofer“ in St. Peter betreut werden. „Anfang April mussten um die 45.000 Drähte auf sieben Meter Höhe aufgehängt werden. Zu dieser Arbeit haben wir üblicherweise drei Erntehelfer aus Polen oder Rumänien hier. Weil die aber wegen Corona momentan nicht nach Österreich kommen können, haben wir das mit Hilfe von Freunden erledigt. Aber nach Ostern brauchen wir dann viel mehr Leute“, erzählt Hopfenbäuerin Barbara Bräuer. Der Hopfen muss dann angeleitet werden, das heißt, die Triebe werden an die Drähte geleitet, damit sie dort hochwachsen können. „Dazu brauchen wir üblicherweise für rund drei Wochen sechs Vollzeit-Arbeiter. Diese Arbeit ist anstrengend, weil man sich den ganzen Tag bücken muss. Woher wir die Leute dafür nehmen sollen, weiß ich heute noch nicht.“ Darum hofft sie, wie auch die anderen Hopfenbauern aus der Region, auf heimische Unterstützung in dieser arbeitsintensiven Phase des Jahres.

Wichtig ist ihr dabei besonders die Einhaltung der aktuellen Schutzmaßnahmen gegen eine Ansteckung: „Auf dem Feld ist die Einhaltung des Mindestabstandes ganz leicht gewährleistet und fürs Essen habe ich einen sehr großen Raum, in dem die Leute einzeln am Tisch sitzen können. Bei Schönwetter können wir auch in den Innenhof ausweichen.“

„Wir nutzen niemanden aus“

Die Tatsache, dass die Erntehelfer üblicherweise aus dem Ausland kommen, stößt allerdings so manchem sauer auf: Man bevorzuge die billigen ausländischen Arbeiter und jetzt sollen es die heimischen auf einmal recht machen, heißt es. Den Kritikern will Barbara Bräuer eines sagen: „Wir würden gerne nicht nur jetzt, sondern sonst auch österreichische Arbeiter dafür anstellen. Aber Tatsache ist, dass wir dafür niemanden bekommen. Erstens ist die Arbeit anstrengend und zweitens ist es Saisonarbeit. Sprich: Wir brauchen Leute hier ein paar Wochen, da ein paar Wochen. Das tut sich bei uns so gut wie keiner an. Wir bezahlen meiner Meinung nach fair und bei uns wird keiner ausgenutzt, das will ich hier ganz deutlich sagen. Die Menschen, die bei uns arbeiten, die essen – in normalen Zeiten – mit uns am Tisch, sind in die Familie eingebunden und bekommen ein ordentliches Quartier.“

Der kollektivvertragliche Lohn eines Erntehelfers liegt derzeit bei rund 1.500 Euro brutto.

40 bis 50 Arbeiter gebraucht

Insgesamt fehlen alleine in der rund drei- bis vierwöchigen Arbeitsphase nach Ostern bei den Hopfenbauern der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft mit Sitz in Neufelden rund 40 bis 50 Vollzeit-Erntehelfer auf den Höfen, so Geschäftsführer Manuel Starlinger: „Die Planung ist aber noch sehr schwierig – auch, weil sich die Lage so oft verändert. Was heute gilt, kann nach Ostern schon ganz anders sein. Wir versuchen auch, einen Leitfaden zum Schutz der Erntehelfer für unsere Bauern zusammenzustellen – ähnlich wie in der Baubranche.“ Um möglichst breit aufgestellt zu sein, ist die Genossenschaft auch auf einer Plattform für Betriebe angemeldet, auf der sich Lebensmittelproduzenten und potenzielle Arbeitskräfte austauschen können.

Indes hofft Barbara Bräuer darauf, dass zumindest in der Erntezeit im Herbst wieder alles normal ist. „Es weiß keiner wie es wird, jeder erlebt das alles zum ersten Mal, aber wir werden“s schon schaukeln“, ist sie trotz allem optimistisch.

Wer auf den Hopfenfeldern mithelfen möchte, kann sich bei der Hopfenbaugenossenschaft in Neufelden, Tel. 07282/6355, info@hopfenbau.at melden.

www.hopfenbau.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden