„Wir sind keine Extremisten und Politik hat bei uns keinen Platz“, widerspricht der Obmann eines muslimischen Vereins, dessen Trägerorganisation bereits vom Verfassungsschutz ins Visier genommen wurde und in Deutschland verboten wurde, interner und externer Kritik.
Recht turbulent soll es im Zuge von Obmannwahlen in einem muslimischen Verein in Herzogenburg zugegangen sein. Intern sei es in dem vorwiegend von türkischstämmigen Menschen frequentierten „Islamischen Kultur- und Wohltätigkeitsvereins Herzogenburg“ zu erheblichen Spannungen über die zukünftige ideologische Ausrichtung gekommen. Hardliner stünden Gemäßigten gegenüber, heißt es. Eine gewisse Brisanz hat dies deshalb, da sich der Verein unter der Obhut von Millî Görüs befindet, der vom österreichischen Verfassungsschutz teilweise als demokratiefeindlich eingestuft wird und unter Beobachtung steht. In Deutschland war der Verein zeitweise verboten.
„Keine Radikalen“ „Ja, es gibt Auseinandersetzungen“, bestätigt etwa Süleyman Zorba, seit heuer grüner Gemeinderat in Traismauer, dessen Vater längere Zeit als Obmann dem Verein vorstand. „Aber dies sind Spannungen zwischen Fans und Gegnern des türkischen Premiers Erdogan“. Er selbst sei ein vehementer Gegner des Türken-Führers, da dieser eine „absurde und nationalistische Politik betreibe“. Dass die dem Verein nahestehende Millî Görüs-Bewegung von seinem grünen Parteikollegen im Bundesrat, Efgani Dönmez, ebenfalls als „nationalistisch-islamistisch“ eingestuft wird, lässt er nicht gelten. „Ich lege meine Hand ins Feuer, dass es in dem Herzogenburger Verein keine radikalen Elemente und schon gar keine IS-Sympathisanten oder junge IS-Kämpfer gibt“. Im Gegenteil: Man verurteile gerade Auswüchse wie die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS). Und ja, mit schärferer Kritik an Israel sei Millî Görüs vielleicht schon öfter aufgefallen, was fälschlich als Antisemitismus missverstanden wurde. „Kurdisch war früher verboten, das wurde aber mittlerweile gelockert“, so Süleyman Zorba. Man müsse hier genau differenzieren. Und: „Ich bin gegenüber Milli Görüs sicher eine kritische Stimme“, so der 22-Jährige, der sich nur als Besucher von Gottesdiensten und Veranstaltungen des Vereins in Herzogenburg bezeichnet, keinesfalls als tätiges Mitglied.
„Kein Platz für Politik“ Der neue Obmann Mücahit Çebis wollte zwar kein persönliches Treffen, war aber am Telefon erreichbar und widerspricht Vorwürfen von politischer Radikalisierung seines Vereins: „In unseren Gebetsräumen hat Politik keinen Platz.“ Und: „Bei uns gibt es keine Radikalen“. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Warum die bisherige Vereinsführung nicht mehr gewählt wurde, erklärt indes Çebis Bruder bei einem Besuch des Redakteurs damit, dass bei den Umbauarbeiten des im vorletzten Jahr erworbenen Anwesens nahe der Autobahnabfahrt Herzogenburg Stadt ein „Stillstand“ eingetreten sei und man jetzt für mehr Elan sorgen wolle. Vereinsmitglieder, die nicht genannt werden wollen, widersprechen sinngemäß: „Nach außen wird hier immer die heile Welt vorgespielt, um den Verein nicht in Verruf geraten zu lassen.“ __________________________________________
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