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Leserartikel Werner Pelz, 31.10.2015 14:21

ST. PÖLTEN/BEZIRK. Barbara Balldini über Sexualität - die stärkste uns innewohnende Kraft, aggressive Frauen und eingeschüchterte Männer, wunderschöne „Teile“, „gefährliche, testostorongesteuerte Männergruppen“ únd ewige Liebe im Interview mit Tips St. Pölten.

'Sexpertin': Balldini in der St. Pöltner Franziskanergasse.Foto: Pelz
  1 / 4   'Sexpertin': Balldini in der St. Pöltner Franziskanergasse.Foto: Pelz

Ein leichtes Leben hat die gebürtige Tirolerin Barbara Balldini nie gehabt. Es begann mit einer schwierigen Kindheit, der später emotionale Hochschaubahnfahrten folgten. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie etwa in ihrem Bestseller „Nackte Halbwahrheiten …“. Heute ist Balldini gefragte Sexualpädagogin, Lebensberaterin und hauptsächlich Kabarettistin – eine der bestbesuchten im deutschen Sprachraum.

„Sexualität ist unsere stärkste Kraft“

Daher steht Sexualität auch im Zentrum ihrer Gedanken und Bühnenvorstellungen. „Sexualität ist die stärkste uns innewohnende Kraft und Energie. Sie bestimmt unseren Alltag, unser Leben“, erklärt die ehemalige Klosterschülerin im Interview mit Tips St. Pölten. Sexualität äußere sich in vielen Formen und bringe, „Wunderbares und auch extrem Zerstörerisches hervor“. Leider hätten die Europäer noch immer ein „schräges Bild von Sex“, anders als etwa buddhistisch geprägte Kulturen. Das seien Relikte aus dem kirchendominierten Mittelalter. Noch schlimmer stelle sich das im (politischen) Islam dar, wo es vor allem keine Gleichberechtigung der Frauen gebe. „Dabei könnte man Sexualität als etwas Göttliches sehen. Im Grunde gehe es dabei darum, dem anderen Freude und Gutes zu bereiten“. Zerstörerisch werde Sexualität dann, wenn sie egoistisch eingesetzt werde.

„Wunderschöne Teile“

„Der liebe Gott hat uns wunderschöne Teile geschenkt, mit denen wir sehr viel Spaß haben könnten. Fakt ist aber, dass uns diese tollen Teile auch oft Probleme schaffen.“ Apropos „Gott“: Sie habe unter ihren Beratungs-Kunden viele Geistliche, die über ihre Sexualität sprechen. „Kapuziner, Franziskaner, Zisterzienser waren schon bei mir.“ Sie alle litten unter dem Zwangszölibat. „Enthaltsamkeit für eine bestimmte Zeit kann schon ganz gut sein – verordnet führt sie meist zu Problemen.“

Gefährliche Abhängigkeiten

Sexualität kann auch gefährlich sein. Wenn Menschen in einem Suchtverhältnis dazu stehen oder ihre Sexualität öffentlich ausleben – etwa in Sadomaso-Netzwerken – und dabei erpressbar werden. Etwa Richter, Staatsanwälte, Ärzte, Politiker oder Rechtsanwälte – als Träger öffentlicher Verantwortung.

Sex und ewige Liebe

Monogam sei der Mensch nicht.  „Wir würden gern polygam leben, aber wir haben kein Werkzeug, damit umzugehen. Denn die Eifersucht ist zerstörerisch.“

Nach vier Jahren Partnerschaft sei in der Regel „die Luft beim Sex draußen – der fröhliche Sex vergeht meistens“. Dennoch sei „die ewige Liebe in einer Partnerschaft möglich“. Auch ohne Alltagssex könne man eine „wunderbare Partnerschaft leben“, mit zärtlicher Intimität und liebevoller Zuneigung. „Man sollte aber irgendwann akzeptieren, dass nach einiger Zeit nicht mehr alles so rattenscharf ist, wie zu Beginn einer Beziehung.“

Aggressive Frauen

„Männer wollen heute nicht mehr so viel Sex, sind oft verunsichert, da Frauen aggressiv und fordernd sind. Männer sollen immer und überall können. Das führt reihenweise zu Erektionsstörungen.“ Viagra, so Balldini, verkaufe sich besser denn je.

Testosteron-gesteuert

Männer, die keinen Sex haben - etwa, weil sie keine Frauen haben oder diesen mit ihren Partnerinnen nicht gebührend ausleben können, seien oft unausgeglichen und testosterongesteuert aggressiv. Sie empfehle diesen, sich körperlich zu betätigen, zum Beispiel joggen zu gehen. Für Männer, die in Gruppen über längere Zeit zur Untätigkeit gezwungen sind, da sie keiner sinnvollen und fordernden Betätigung nachgehen dürfen und untätig herumsitzen müssen, wie das mitunter in Flüchtlingslagern der Fall sein könne, sei das problematisch. “Wo sollen sie denn diese unbändige Kraft der Sexualität ausleben?“, fragt Balldini. Das Ärgerliche sei, so die Kabarattistin und Sexualberaterin, dass es seitens der Regierenden keine Pläne gebe.

„Wir sind pornoverseucht“

Pornografie sei heutzutage zu einem Problem geworden. „Wir sind pornoverseucht“, meint Balldini im Gespräch mit Tips St. Pölten. „Nicht nur, weil die Pornokonsumenten immer jünger werden, und solcherart beeinflusst, glauben, dass die in Filmen dargestellten Szenen normal und alltäglich seien, sondern auch Erwachsene damit Stress in ihrem Liebesleben bekommen könnten“.

„Frauen machen Dinge, die sie nicht wollen“

Gerade bei Frauen sei es oft so, dass sie dann Dinge machen, die sie eigentlich nicht wollten, „nur, um geliebt zu werden“. Ähnlich sehe sie es bei dem derzeitigen Hype um „Fifty Shades Of Grey“: „Da werden den Menschen Flausen ins Ohr gesetzt. Da macht eine Frau in der Hauptrolle etwas, was sie nicht will. Das ist ein schlechtes Vorbild, da werden den Menschen Flausen ins Ohr gesetzt.

Seitensprungbörsen

Auch durch die immer häufiger werdenden Seitensprungbörsen im Internet werde die Gesellschaft verändert. Manche kommen in ihrem Leben drauf, das sie noch etwas anderes erleben wollen, als in der Ehe praktiziert wird. Da haben wir die Tatsache, dass bei vielen eine Zweitsexualität entstehe. „Im Endeffekt verändert das die Beziehungen in einem noch ungeahnten Maße“, analysiert die Sexualberaterin. Ob das gut oder schlecht für das Gemeinwohl sei, könne man nicht eindeutig sagen.

Warum Seitensprungbörsen die Gesellschaft verändern, lesen Sie in Kürze unter www.tips.at/st-poelten <


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