AMS-Chef Karl Fakler will morgen ein Gespräch mit Betriebsrat und Management führen, um mögliche Schritte für die Betroffenen einzuleiten. Das Land NÖ will vorerst die Aktivitäten des AMS abwarten und danach etwaige Unterstützungsmaßnahmen setzen.
Eine dramatische Entwicklung die im Jahr 2014 ihren Ausgang nahm, setzt sich nun fort. Das Traditionsunternehmen Voith kündigt den Abbau von weiteren 1.000 Arbeitsplätzen an. 150 davon vorerst am Standort St. Pölten, der von der Stadtregierung in der Vergangenheit immer wohlwollend gefördert und als Vorzeigebetrieb ins Rampenlicht gehoben wurde. Damit ist das Papiermaschinenwerk in St. Pölten de facto Geschichte. Befürchtet wurde dies bereits bei letzten Kündigungswelle 2013.
Sozialplan zur Abfederung Bei einer vor einer Stunde zu Ende gegangenen Pressekonferenz im Hotel Metropol bestätigte Voith-Sprecherin Margarete Dinger das, was dem Betriebsrat bereits vorab bekannt war: eine „Restrukturierung“ und „Anpassung“ an die aktuelle Marktlage für Voith Paper als Fortsetzung eines bereits vor einiger Zeit gestarteten Prozesses. Um Voith Paper auch in Zukunft als starken Partner der Papierindustrie zu etablieren, seien diese Maßnahmen „unerlässlich“, heißt es in der Aussendung aus der Heidenheimer Voith-Zentrale euphemistisch. Allerdings solle bis zum Ende im März 2015 ein Sozialplan zum Einsatz kommen und Mitarbeiter in andere Voith-Betriebsgesellschaften wechseln können. Die Einsparungen bzw. Schließung in St. Pölten von Voith Paper seien unumgängliche Kapazitätsanpassungen aufgrund “deutlich verringerte Marktvolumen für Neuanlagen und Großumbauten in der Papierindustrie“, woraus eine sehr angespannte Lage entstanden sei.
„Betriebsrat hat sich überrumpeln lassen“ „Wir sind heute aus allen Wolken gefallen“, äußern sich Mitarbeiter von Voith gegenüber Tips St. Pölten, als sie zu Dienstschluss ihren Arbeitsplatz verlassen. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“. Man wolle aber nicht mehr dazu sagen, „jetzt ist der Betriebsrat am Zug.“ Viel traut man diesem aber nicht mehr zu: „Der Zug ist abgefahren, da hat sich der Betriebsrat überrumpeln lassen“.
Fakler: Fachkräfte in umliegenden Betrieben unterbringen Niederösterreichs AMS-Chef Karl Fakler, der sich von der Kündigungswelle überrascht zeigt meint gegenüber Tips St. Pölten, „dass man alles tun werde, um die von Arbeitslosigkeit Bedrohten bei ähnlichen, im Einzugsbereich St. Pölten liegenden Betrieben unterzubringen“. Denn, „die Voith-Mitarbeiter sind an sich ausgezeichnet qualifizierte Fachkräfte“. Eine Stiftung wäre theoretisch auch möglich, habe aber bei der ersten Kündigungswelle nicht funktioniert und wäre nur die zweitbeste Lösung. Man werde am Dienstag nun mit Management und Betriebsräten reden um eine sinnvolle Vorgehensweise zu besprechen und bei Bedarf über Hilfsmöglichkeiten erörtern.
Land: Unterstützung, wenn notwendig Seitens der Landesregierung heißt es aus dem Büro von Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka, dass man sich die Sache genau anschauen werde, dass nun das AMS am Zug sei, und danach weitere Schritte überlegt werden, was seitens des Landes NÖ gemacht werden könne. Grundsätzlich sei das eine privatwirtschaftliche Konzernentscheidung, die nicht aufgrund eines Konkurses eingetreten sei. Denn in diesem Fall könnte man eine Auffanggesellschaft oder Stiftung ins Leben rufen was hier nicht der Fall sei. Bedauert wird, dass es keine Absprache der Konzernführung mit AMS und Land NÖ im Vorfeld gab. Man hoffe aber im Sinne der Betroffenen, dass man eine gute Lösung finde. Unterstützung vom Land gemeinsam mit dem AMS werde nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Der Rest der betroffenen Arbeitsplätze befinden sich an den Voith-Standorten Heidenheim (300), Ravensburg (150), Krefeld/Neuwied (200) und in außereuopäischen Ländern (200). In Klammern die Anzahl der von Abbau betroffenen Standorten.
Zur Sache: Der Voith-Konzern beschäftigt weltweit über 39.000 Mitarbeiter in den Bereichen Energie, Öl & Gas, Papier, Rohstoffe und Transport & Automotive und fand seinen Ursprung 1867. Das Familienunternehmen erwirtschaftet in über 50 Ländern einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro.
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