Attacken aus dem Internet werden immer häufiger. Einerseits gibt es kriminelle Elemente die es auf Daten von Computer-Benutzern abgesehen haben andererseits werden auch immer mehr Aktivitäten von staatlichen Schnüfflern registriert, die unter der Tarnkappe der gesetzlichen Legitimität ethische Grenzen und ihre Kompetenzen überschreiten. Allerdings: wo kein Kläger, da kein Richter, bzw. die meisten merken gar nicht, wenn sich Schadsoftware auf ihren Festplatten befindet. Die Fachhochschule (FH) St. Pölten hat im Projekt „MalwareDef“ eine Methode entwickelt, mit der Schadsoftware anhand ihres Verhaltens erkannt werden kann – auch wenn sie bislang noch nie aufgetreten ist.
Schnüffler unterwegs Derzeit sammeln IT-Sicherheitsfirmen 50.000 bis 100.000 Verdachtsfälle pro Tag. Nicht alles ist so spektakulär, dass davon Millionen Nutzer betroffen wären oder ganze Systeme zusammenbrechen. Oft geht es einfach nur um Wirtschaftsspionage durch eine Konkurrenzfirma oder mit ihnen zusammenarbeitende staatliche Schnüffler mit dem Ziel, sensible Daten zu stehlen.
Abwehr von Malware Das Institut für IT-Sicherheitsforschung der FH St. Pölten entwickelte im Projekt „MalwareDef“ eine Methode, durch die schädliche Programme abgewehrt werden könnten, auch dann, wenn sie in den Datenbanken der Schutzprogramme noch nicht verzeichnet seien, erklärt Paul Tavolato, Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für IT-Sicherheitsforschung der FH St. Pölten.
Verdächtige Befehle Grundlage dafür ist das Verhalten der Schadprogramme. Deren Aktionen sind oft nur Kleinigkeiten: Da und dort wird eine Datei angelegt, etwas umformuliert, ein Programm gestartet, Verbindung nach außen aufgebaut oder es werden bestimmte Daten genutzt – Aktionen, die jede für sich auch von harmlosen Programmen ausgeführt werden. „Es geht um einige Tausend Befehle, die im Einzelfall neutral, im Zusammenspiel aber verdächtig sind“, erklärt Tavolato. Die Muster bösartigen Verhalten wurden mit Hilfe einer sogenannten Grammatik definiert, wodurch eine automatische Analyse möglich ist. Händisch wäre die Analyse zu langsam. Die „Grammatik“ wurde anhand einer Vielzahl von Schadprogrammen, deren Funktion und Absicht man bereits kannte, getestet.
Zur Sache Das Projekt wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG im Zuge des Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS aus Mitteln des BMVIT gefördert. Kooperationspartner im Projekt ist die Firma Ikarus Sicherheitssoftware GmbH, das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport und das Bundesministerium für Inneres.
Keine Programmiergenies nötig Durch die neue Methode könnten nicht nur neue, massenhaft verbreitete Schadprogramme, wie zum Beispiel solche zum Ausspionieren von Kreditkartendaten, schneller erkannt werden. Manche Viren können überhaupt nur verhaltensbasiert erfasst werden. Wenn zum Beispiel eine Firma von einem Konkurrenzunternehmen wissen will, wie viel dieses bei einer Ausschreibung bietet, wird das dafür benötigte Schadprogramm nur einmal gezielt eingesetzt. Ein derart selten verwendetes Schadprogramm findet aber nicht den Weg in die Datenbanken der Virenschutzprogramme. Und schwierig sind solche Angriffe nicht: „Programmieren muss man dafür nicht können. Die entsprechenden „Expertinnen und Experten“ bieten ihre Dienste auf einschlägigen Seiten im Internet an“, sagt Tavolato. Weitere Artikel:
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