Fakler: Arbeitslosenrate steigt bis 2019 weiter - wird aber flacher
NÖ/ST. PÖLTEN. Im Exklusiv-Interview mit Tips St. Pölten skizziert Niederösterreichs AMS-Chef Karl Fakler das derzeitige Szenario am Arbeitsmarkt. Es ist alles andere als beruhigend, dennoch sei ein Hoffnungsschimmer am Horizont zu sehen.

Grundsätzlich müsse man in NÖ bis 2019 noch mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen rechnen, so Fakler, wobei ab 2016 die Kurve flacher werde. „Heuer werden wir um 12.000 Arbeitslose mehr als noch 2014 haben, in den kommenden Jahren geht dies wieder zurück.“ Die steigende Arbeitslosenrate habe zu je einem Drittel damit zu tun, dass das Pensionsantrittsalter der Erwerbstätigen sowie die Frauenerwerbstätigkeit steige aber auch vermehrt Arbeitnehmer aus den benachbarten EU-Ländern, wie etwa Ungarn, Slowakei und Tschechien, einpendeln.
„Wir bräuchten ein Wirtschaftswachstum, um mindestens zwei Prozent. Leider sprechen die optimistischesten Prognosen von 1,2 (im Jahre 2016) und 1,4 (2017) Prozent. Heuer haben wir überhaupt nur 0,8 Prozent“, erklärt Fakler.
Derzeit seien in NÖ 1500 Menschen mit Asylstatus beim Arbeitsmarktservice gemeldet, was im nächsten Jahr auf etwa 2500 steigen könnte. „Allerdings gibt es viele Jobs, die schwer zu besetzen sind. Diese werden oft nur von Menschen aus diesem Bereich angenommen - Jobs, die Österreicher gar nicht machen wollen.“ - Ein großes Problem sei die Gruppe der Arbeitssuchenden ab 50 und Unternehmer, die glaubten, diese seien teurer als jüngere Arbeitnehmer. „Über 50-Jährige sind nicht teurer als Jüngere. Denn im Gegensatz zu Beamten, die alle zwei Jahre durch Biennalsprünge mehr Einkommen erhalten, gibt es das in nur ganz wenigen Arbeitnehmerkollektivverträgen.“ Mehr als 60 Prozent aller in der Privatwirtschaft Tätigen sind in Kollektivverträgen, die keine Biennalsprünge aufweisen.
Zur Sache: In NÖ waren im letzten Monat 52.722 Menschen arbeitslos gemeldet.
Im Bezirk St. Pölten waren es 5282. Das sind um 4,8 Prozent mehr als im September 2014. Gesamtarbeitslosenquote im Bezirk: 8,2 Prozent. Offene Stellen: 866


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