Volksbank-Direktor Kuhnle: „Die Herausforderungen am Bankensektor sind enorm“

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Leserartikel Philipp Hebenstreit, 12.06.2018 16:00 Uhr

ST. PÖLTEN. Vor rund einem Jahr haben die Volksbanken in Niederösterreich ihre große Fusion abgeschlossen. Die Volksbank ist damit zur flächenmäßig größten Regionalbank des Bundeslandes gewachsen. Tips sprach ein Jahr danach mit Vorstandsvorsitzendem Rainer Kuhnle über den aktuellen Stand, seine Bank und die wirtschaftlichen Aussichten.

Der Bankensektor ist spätestens seit der Weltwirtschaftskrise im massiven Umbruch. Das ist auch an den heimischen Geldinstituten nicht spurlos vorüber gegangen. Die Volksbank hat zwischen Sommer 2014 und Sommer 2016 acht Fusionen in Niederösterreich hinter sich gebracht. In mittlerweile 55 Filialen werden 200.000 Kunden betreut. „Filialen wurden dort zusammengelegt, wo es geografisch Sinn gemacht hat“, erklärt Vorstandsvorsitzender Rainer Kuhnle gegenüber Tips. Sein Nachsatz: „Die Herausforderungen am Bankensektor sind enorm und wir haben die Lehren daraus gezogen. Dort wo es eine entsprechende Frequenz gibt, haben wir die Filialen. Denn es macht keinen Sinn eine Bankstelle offen zu halten, wenn den ganzen Tag fast niemand kommt.“

„Zentrale Beratungskompetenzzentren“

Für Kuhnle sind die Bankstellen aber keine Filialen mehr, sondern „zentrale Beratungskompetenzzentren. Wir wollen uns auf die Beratung fokussieren.“ Die Mitarbeiterzahl hat sich zwar in den Fusionsjahren von 550 auf 450 Vollzeitäquivalente reduziert, aber „diese Arbeitsplätze brauchen wir nicht mehr.“ Besonders wichtig ist dem Direktor aber zu betonen: „Es wurde niemand gegangen. Wir haben eine normale Fluktuation.“ Sein Nachsatz: „Wir sind froh, wenn wir Betreuer haben.“ Der Frauenanteil der Mitarbeiter liegt übrigens bei über 50 Prozent.Wie sieht das Berufsbild am Bankensektor künftig aus? Kuhnle dazu: „Der klassische Bankkaufmann wird künftig Beziehungsmanager sein.“ Die drei wesentlichen Säulen im Bankbereich sieht Kuhnle in den Bereichen mobiles Bankgeschäft, Mehrwert in der Beratung sowie die Förderung der Kunden und Mitglieder.

Über Wachstum und Staatsschulden

Die wirtschaftlichen Kennzahlen geben ihm Recht. Das Bilanzsummenwachstum ist 2017 im Vergleich zu 2016 um 6,5 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro gestiegen. Beim Kreditwachstum gab es ein Plus von 6,93 Prozent, das Spar- und Depotvolumen ist um 8,90 Prozent angestiegen. Das Eigenkapital der Volksbank NÖ liegt mit 12,80 Prozent über den gesetzlichen Erfordernissen von acht Prozent. Im Vorjahr wurden 1398 Hausbaukredite mit einem Volumen von rund 183 Millionen Euro vergeben. Der Volksbanken-Verbund vergab 1,3 Milliarden Euro an die Wirtschaft. 330 Millionen Euro dieser „Unternehmer-Milliarde“ gingen alleine von der NÖ-Dependance aus. „Das ist ein klares Bekenntnis zur regionalen Wirtschaft“, fügt Kuhnle an. Auch die Staatsschulden für das frühere Spitzeninstitut der Volksbanken, die ÖVAG, werden kontinuierlich zurückbezahlt. Von den 300 Millionen wurden 65 Millionen Euro refundiert. „Das hält uns voll auf Trab. Aber das ist gut so. Denn wenn du dich zurücklehnst, hast du verloren.“ Bis spätestens 2023 müssen die Volksbank-Staatsschulden getilgt sein.

Besseres Rating

Dass die bisherigen Maßnahmen fruchten, hat im Februar auch die Ratingagentur Fitch bemerkt. Sie hat die Volksbank NÖ bereits zum zweiten Mal höher geratet. Durch die aktuell niedrigen Zinsen verstärkt sich der Trend zu Veranlagung in Wertpapieren. Beim Zinsniveau gehen Experten von einem Anstieg in den nächsten Jahren aus, so auch Kuhnle: „Ab 2020 erwarte ich einen Zinsenanstieg.“ Beim sogenannten „Fairen Credit“ gab es ein Rekordergebnis. Im Vergleich zu 2016 ist die Zahl der Privat-Schnellkredite um 20,9 Prozent auf 204,1 Millionen Euro angewachsen. Ein Spagat im Bankenwesen ist jener zwischen Onlinediensten gegen Filialen. Der Zahlungsverkehr wird von den Kunden vor allem per Internet-Banking erledigt. Große Chancen sieht Kuhnle in der Beratung. „Wir haben in Niederösterreich 250 Privatkundenbetreuer, elf Veranlagungsexperten, 26 Firmenkundenbetreuer und zwei Spezialisten für Unternehmerförderungen. Viele Unternehmer finanzieren bei uns, weil wir ein gutes Service anbieten.“

Online gegen Filiale

Grundsätzlich wolle man jedes Produkt digital anbieten. „Der Kunde entscheidet dann, ob er es selbst online oder mit einem Berater umsetzen will. Wir wollen aber keine Digitalbank, sondern Regionalbank sein. Wer Bedarf an Beratung hat, kommt zu uns, wer es online machen will, soll das tun“, ergänzt der Direktor. Dass die Volksbank die vergangenen Jahre gut überstanden hat, bescheinigen laut Kuhnle auch zwei Auszeichnungen. Einerseits wurde der Verbund mit dem Recommender-Gütesiegel für die „Beste Beratung“ ausgezeichnet. Andererseits gab es die Auszeichnung als familienfreundlicher Arbeitgeber.



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