Abzocke zwischen Tür und Angel
ST. ROMAN. Die Sonne scheint, es ist ein ruhiger Frühsommernachmittag. Es läutet: Zwei junge Frauen stehen vor der Tür einer 82-Jährigen aus St. Roman. „Wir sind vom Finanzamt. Sie schulden uns 150 Euro“, fordern die beiden. Die ältere Dame ist wie vor den Kopf gestoßen, kann sich ihren Rückstand beim Finanzamt nicht erklären, gibt den zwei Frauen trotzdem das Geld. Erst später kommt die Erkenntnis: Abzocke.

Die 82-jährige klagte ihr Leid einer Bekannten. Erzählte dieser von den beiden Frauen vom Finanzamt. Im Juli würden die beiden wiederkommen und weitere Rückstände einfordern, hätten sie gesagt. Die Bekannte roch da bereits den Betrug, fragte beim Finanzamt nach und erhielt die Auskunft, dass das Finanzamt nie selbst Rückstände einfordere, sondern den Gerichtsvollzieher schicke.Verhalten im BetrugsfallDoch was soll man tun, wenn man Opfer von Betrügern wird, wie die 82-jährige St. Romingerin. „Prinzipiell ist von jeglicher Art der Geschäftsanbahnung an der Haustür dringend abzuraten. Sollte sich wie in diesem Fall jemand als Beamter oder von einem Amt ausgeben, ist anzuraten, sich unbedingt den Dienstausweis vorzeigen zu lassen“, rät Chefinspektor Erwin Eilmannsberger, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant. Ratsam ist es auch weitere im Haus wohnende Angehörige oder eventuell Nachbarn zur Hilfe heranzuziehen.Betrüger sind überzeugendBetrüger sind brillant darin, Menschen von etwas zu überzeugen, das absolut nicht stimmt. Im Fall der 82-Jährigen bestand für diese kein Zweifel, dass die Betrügerinnen vom Finanzamt wären. „Es ist bekannt, dass die Betrüger rhetorisch äußerst gut beschlagen sind und durch ihre vertrauensselige oder auch bestimmte Art Eindruck bei der nichts ahnenden Bevölkerung gewinnen. Gesundes Misstrauen ist immer an den Tag zu legen“, erklärt Eilmannsberger. Laut Auskunft des Bezirkspolizeikommandos sind zurzeit keine weiteren derartigen Betrugsfälle im Bezirk bekannt. „Was aber zwangsläufig nicht heißt, dass es sie nicht doch gibt“, so der ChefinspektorArten des BetrugesDie gängigsten Betrugsmaschen sind im Moment der Glas/Wassertrick (Betrüger fragen um Wasser um in die Wohnung/in das Haus der Opfer zu gelangen), der Zettel/Stifttrick (wie Wassertrick nur wird um Stift/Zettel gefragt) und der Neffentrick (Betrüger geben sich über Telefonanruf als Verwandte aus und bitten um Geldüberweisung). Ständig präsent ist die Betrügerei im Internet als auch durch postalisch oder per E-Mail zugesandte Gewinnverständigungen. „Unglaublichen Verlockungen, wie Gewinne von hohen Geldsummen oder wertvolle Autos nach einer Leistung einer Anzahlung oder Notarsgebühr können manche Mitbürger nicht widerstehen und schöpfen erst Verdacht, nachdem nach einer eventuell wiederholten Geldleistung noch immer kein Erfolg eingetreten ist oder der versprochene Gewinn nicht zur Auszahlung oder Übergabe gelangt“, erklärt Eilmannsberger.KriminalpräventionUm Betrügereien zu verhindern betreibt das Bezirkspolizeikommando Aufklärungsarbeit bei laufenden Vortragsreihen (Eigentumsprävention, Kriminalprävention). Im Rahmen der Kriminalprävention können von Vereinen (insbesondere Seniorenvereine) die kostenlosen Dienste der Kriminalprävention (Vorträge, Einzelberatungen) jederzeit in Anspruch genommen werden. Die Vortragsreihe „Sicher in den besten Jahren“ behandelt solche Themen vordergründig.Kontakt: Kriminalpolizeiliche Beratung beim Bezirkspolizeikommando Schärding , Telefonnummer 059133/4270/301Die Polizei rät der Bevölkerung:
• Kein Geschäft an der Haustür• Einbau eines Zusatzschlosses –ungebetene Gäste können so vom Wohnbereich ferngehalten werden• Dienstausweis vorzeigen lassen• Weitere Vertrauenspersonen beiziehen• Gesundes Misstrauen an den Tag legen• Keine Geldleistungen in bar übergeben• Über telefonische Aufforderung niemals bei einem Konto Geld beheben und an fremde Personen aushändigen (Neffentrick)


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