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Als der Eiserne Vorhang fiel: "Mein Vater hat geweint wie ein kleiner Bub"

Petra Hanner, 25.09.2019 05:54

BEZIRK ROHRBACH. Es war schon eine besondere Zeit für die Leute im Bezirk Rohrbach, als vor 30 Jahren der Eiserne Vorhang demontiert wurde. Eine Zeit voller Hoffnung, aber auch voller Angst für viele, die die alte Heimat zerstört vorfanden.

  1 / 5   Josef Preining kehrte nach mehr als 40 Jahren zu dem Ort zurück, wo er einst aufgewachsen war. Foto: Preining

Etliche Wachtürme entlang der Grenze und der Stacheldrahtzaun selbst sorgten dafür, dass ab 1948 kurz hinter der österreichischen Grenze „die Welt zu Ende“ war. Vielen Menschen, die aus Südböhmen vertrieben worden waren, blieb zwar der Blick in die alte Heimat; der Zutritt war ihnen jedoch lange verwehrt. Und als die Grenze 1989 wieder geöffnet wurde, war da auch Angst: Die Angst davor, das frühere Daheim zerstört zu sehen.

„Zuhause“ gab es nicht mehr

Josef Preining aus Afiesl erinnert sich: „Mein Vater, der in den Multerberger Waldhäusern in Südböhmen gelebt hatte, musste 1943 in den Krieg ziehen. Er kam angeschossen in ein Gefangenenlager in Sibirien. 1949 durfte er endlich nach Hause, da wusste er aber noch nicht, dass es kein „Zuhause“ mehr gab.“ Als Josef Preining sen. in Haslach aus dem Zug stieg und mit dem Fuhrmann die Heimreise antreten wollte, erzählte ihm dieser, dass seine Eltern aus der Tschechei vertrieben worden waren und in St. Stefan Unterschlupf gefunden hätten. Dort konnten sie sich wieder in die Arme schließen.

„Wenn wir die drei Lärchen finden...“

Nach mehr als 40 Jahren, in denen er seine alte Heimat nicht sehen durfte, konnte sein Sohn ihn 1990 überreden, doch einmal zum Geburtshaus nach Multerberg zu fahren. „Wenn wir die drei Lärchen finden, die hinter dem Haus gestanden sind, dann sind wir da“, wusste Josef Preining noch. Und dann war der emotionale Augenblick gekommen. „Mein Vater hat geweint wie ein kleiner Bub, als er inmitten der überwucherten Mauerreste stand“, erinnert sich sein Sohn, „Fünfeinhalb Kriegsjahre und die verlorene Heimat machten ihm Zeit seines Lebens immer wieder zu schaffen.“

Das Haus mit dem roten Dach

Geschehnisse aus dieser bewegten Zeit hat der bereits verstorbene ehemalige Bürgermeister von Schönegg, Fritz Winkler, in seinem Buch“Böhmerwald Erinnerungen“ festgehalten. Etwa, dass das „Wertlhaus“ in Guglwald viele Flüchtlinge aufnahm. „Beim Haus mit dem roten Dach ist bereits Österreich“ lautete die verführerische Information, die Flüchtenden geheim weitergegeben wurde. Und auch, dass man 1989, als nicht mehr bewacht wurde, von dort aus über die Grenze gehen und die Wehranlagen aus nächster Nähe besichtigen durfte.

Sternwanderung

Anlässlich des 30. Jahrestages der Grenzöffnung und des Falls des „Eisernen Vorhanges“ im Jahr 1989 organisiert die Euregio am Samstag, 5. Oktober, eine Sternwanderung auf den Dreisesselberg. Startpunkte sind in Oberschwarzenberg (Parkplatz) sowie beim Stiftermuseum in Lackenhäuser (D) um 10 Uhr. Um 13 Uhr findet ein offizieller Teil mit musikalischer Umrahmung beim Dreisesselgasthaus statt.


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