Vögel der Region - Blaumeise "Tipsi" präsentiert den spähenden Turmfalken
Vögel der Region - Blaumeise „Tipsi“ präsentiert den spähenden Turmfalken

Viele Kirchtürme haben ihn als Bewohner, Glockenläuten stört ihn nicht. Man nennt ihn auch Kirchfalke oder Rüttelfalke, aber nicht weil er am Kirchturm rüttelt, nein, als Rütteln versteht man die Flugtechnik, bei der ein Vogel mit intensivem Flügelschlag in der Luft an Ort und Stelle verharrt, um dabei Beute auf dem Boden zu erspähen. Ein Turmfalke kann aus 30 Meter Höhe, dank seiner Fähigkeit UV-Licht zu sehen, Urinspuren von Mäusen erkennen, sogar unter der Schneedecke. Er weiß dann, wo eine Maus haust. Gerissene Wühlmäuse erledigen ihre Toilette deshalb, zu ihrem Schutz und um Nahrungskonkurrenz auszuschalten, vor der Höhle von Feldmäusen. Während der Mensch nur 20 Bilder pro Sekunde im Gehirn verarbeiten kann – darüber hinaus läuft im Kopf ein Film ab – schafft der Turmfalke gar 80 Bilder pro Sekunde als Einzelbilder zu unterscheiden. Er kann den Kopf um 180 Grad drehen und hat ein Panoramablickfeld.
Derzeit wird der Turmfalke bewusst in Städten angesiedelt. Er soll helfen, den Taubenmist zu verringern. In sein Beuteschema fallen Tauben zwar nicht, aber er stört sie beim Brüten. Auch fürs Parlament überlegt man, einen „Dienstfalken“ anzuschaffen. Doch die Vielfalt der Nahrung hat sich bei uns selbst für den Turmfalken in den letzten Jahrzehnten aufgrund menschlicher Einflüsse stark geändert. Während er anderswo auch Großinsekten und Reptilien frisst, gibt“s bei uns fast nur noch Mäuse auf der Speisekarte. Greifvögel machen das Beste daraus, sitzen gespenstisch auf Leitpfosten am Straßenrand und setzen auf „Fast Food“, das ihnen der Mensch mit seinen „donnernden Kisten“ anrichtet. Die tierischen Opfer des Straßenverkehrs und die Wärme des Asphalts ziehen sie magisch an. Das ist zwar praktisch, aber riskant, denn dadurch werden auch viele Greifvögel zu Unfallopfern.
Seit 5000 Jahren nützt der Mensch bei der Jagd die Geschicke von Falcos Namensvettern. Dietmar von Aist schrieb im Mittelalter ein Minnelied aus der Sicht einer Dame, die sich bei der Wahl ihres Liebsten mit einem freien Falken verglich. Für damals sehr fortschrittlich. Heute sind unfreie Falken ein Statussymbol der Scheichs. Diese lassen sich Zuchtfalken schon mal 30.000 Euro kosten, veranstalten Wettbewerbe und haben in Abu Dhabi sogar ein Falkenhospital errichtet. Bei so viel Geld gibt“s leider auf dem Rücken der Falken weltweit Naturschutzvergehen. Bei uns finden auf einigen Burgen Greifvogelflugschauen statt, bei denen man Falken und ihre Flugkünste bestaunen kann – dennoch sieht man wie einst Dietmar von Aist am liebsten freie Falken in der Natur.
KONTAKT Verletzte und verunfallte Greifvögel sowie Eulen sollten unter der Handynummer 0676/5496231 der Greifvogelstation OAW Linz gemeldet werden (auch bei gefundenen Greifvögel- und Eulenjungen am besten dort nachfragen).
Julia Karner und Florian Mayr


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