„Kluge Entscheidungen werden nie mit dem Verstand alleine getroffen“

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Friederike Eizenberger ist als Gesundheitspsychologin in Steyr tätig. Foto: privat
Angelika Mitterhauser Angelika Mitterhauser, Tips Redaktion, 13.12.2019 16:07 Uhr

STEYR. Für die einen bedeutet der Advent eine Zeit der inneren Einkehr, andere möchten mit dem Jahreswechsel Dinge neu anpacken – beschließen Vorsätze. Tips bat die Steyrer Motivationspsychologin Friederike Eizenberger zum aufschlussreichen Gespräch.

Tips: Weihnachten ist für viele eine Zeit des Rummels und der vielen Erledigungen. Viele sehnen sich nach Besinnlichkeit. Woher rührt diese Sehnsucht?

Friederike Eizenberger: Die Advent- und Weihnachtszeit tritt sowohl in ihrem Erscheinungsbild als auch inhaltlich vielfältig auf. Denken wir nur an tourismusträchtige Advent- und Weihnachtsmärkte, an Einkaufstempel mit ihren grellen Lichtinstallationen. Trotzdem verspüren wir die Sehnsucht nach Verbundenheit, mit sich und anderen zu sein. Dieses Grundbedürfnis kommt in unserer leistungsorientierten Gesellschaft einfach zu kurz. Auch in unserer säkularisierten Zeit lässt sich das Bedürfnis nach Bindung in den Bildern rund um die „Heilige Familie“ deutlich erkennen. Bei sich ankommen ist in unserem hektischen Alltag selten geworden. Umso notwendiger ist es, einen Lebensweg zu wählen, der uns selbst entspricht.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Symbole und Rituale der Weihnachtszeit?

Aus meiner Sicht sind Symbole und Rituale auch heute noch wesentlich. Denken wir nur an die Feste im Jahreskreis. Besonders früher prägten sie den Einzelnen und den Gemeinschaftssinn. Gerade in der Weihnachtszeit sorgt das Brauchtum für Halt und Orientierung. So wie jetzt im Advent das Räuchern. Ich bin im Salzkammergut aufgewachsen und erinnere mich immer gerne an den „Glöcklerlauf“ vor dem Dreikönigstag. Intuitiv erfasste ich bereits als Kind, dass das Gute im Leben überwiegen soll, auch wenn das Schwere manchmal kaum zu ertragen ist. So wie die Glöckler die guten Lichtgeister herbeirufen, um die bösen Geister zu vertreiben. Symbole, Rituale und Brauchtum vermitteln uns intuitiv Bilder, die für unser Leben wegweisend sein können, solange wir sie nicht „spielen“, sondern unser Dasein mit Sinn erfüllen.

Für manche Menschen ist Weihnachten eine einsame Zeit. Gibt es Strategien, die Feiertage dennoch bereichernd zu erleben?

Unser Weihnachtsfest fällt in die Zeit der Wintersonnenwende. Die dunkelsten Nächte bringen genauso Licht hervor – auch in uns selbst. Wir können dem Fest begegnen, auch wenn wir allein sind. Dabei stellen sich zwei grundsätzliche Fragen: Will ich für mich sein? Dann gönne ich mir etwas, kaufe Schmankerl zum Essen und Trinken ein, decke den Tisch für mich, zünde eine Kerze an, höre stimmige Musik, lese ein Buch, schaue mir einen Film an, gehe raus in die Natur – tue was ich für mich will. Möchte ich hingegen mit anderen feiern, halte ich Ausschau nach entsprechenden Kontakten. Bildungshäuser bieten zu Weihnachten Begegnungen des Miteinanders an wie gemeinsames Christbaumschmücken, Singen, Musizieren, Vorlesen von Geschichten und Gedichten. Die Chance, Neues in sich zu entdecken, ist groß.

Rastlosigkeit und Stress scheinen heute allgegenwärtig. Gibt es kleine Tricks, die entschleunigen?

Ja, so ein kleiner Trick ist eine feine Atempause zwischendurch. Sie wird sitzend ausgeführt (ungeeignet beim Autofahren bzw. Betätigen von Maschinen etc.): Man atmet zuerst ein paar Mal genüsslich tief ein und aus, gönnt sich den Moment, sich auf den Atemwellen auszuruhen. Nun die Augen schließen und die Gedanken vorbeiziehen lassen – wie Wolken am Himmel. Dann lenkt man die Aufmerksamkeit auf die körperlichen Empfindungen. Wie fühlen sie sich an? Sind da Anspannung und Stress, so kann man loslassen, indem man diese Empfindungen einfach ausatmet...

Stichwort Neujahrsvorsatz: Rauchen aufhören und Abnehmen gehören zu den Klassikern. Warum scheitern wir an Vorsätzen so oft?

Das sind tatsächlich zwei Klassiker. Scheitern ist insofern vorprogrammiert, da meist nur die körperliche Ebene bedacht wird. Beim Rauchen aufhören steht der körperliche Entzug im Blickfeld, bei der Gewichtsabnahme sind es Diäten. Im ganzen Leben spielen jedoch gerade unbewusste Mechanismen eine sehr große Rolle. Wer sich mit diesen befasst, erhöht die Chance, sein inneres Navigationssystem auf den angepeilten Erfolgskurs zu steuern.

Ist es sinnvoll, sich an Zeitpunkte geknüpfte Ziele zu stecken?

Aus der praktischen Erfahrung ist ein bestimmter Zeitpunkt weniger wichtig als der selbstbestimmte Entschluss, etwas in seinem Leben zu verändern. Kluge Entscheidungen werden nie mit dem Verstand alleine getroffen. Es bedarf unserer Erfahrungen, Gefühle und Körperempfindungen. All das will in Einklang gebracht werden – muss mit uns selbst, unserem Leben stimmig sein. Egal ob im Berufs- oder Privatleben. Und dieser Entschluss braucht manchmal seine Zeit, um langfristig wirksam zu sein, anstatt „Schlag Mitternacht“ umgesetzt zu werden.

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