Steyrer Schuldnerberater: In der Krise Sparpotenziale erkennen
STEYR. Der Experte der Steyrer Schuldnerberatungsstelle Gottfried Horvath im Interview über die Krise, ihre große Unsicherheit, aber auch Aha-Erlebnisse.

Tips: In Krisenzeiten ist alles anders. Das gilt wohl auch für die Schuldnerberatung?
Gottfried Horvath: Genau, aufgrund der Covid-Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und unserer Mitarbeiter beraten wir derzeit nicht von Angesicht zu Angesicht, unterstützen Ratsuchende aber per Telefon und E-Mail.
Tips: Wer ruft an?
Horvath: Es rufen zwei Gruppen von Menschen an: Jene, die bereits bei uns in Betreuung sind und nicht wissen, was sie tun können. Oft handelt es sich um Klienten, die mitten in einem Privatkonkursverfahren stecken. Sie wissen nicht, welche Fristen jetzt gelten bzw. können vereinbarte Zahlungen aufgrund von Einkommensverlust nicht leisten. Wir informieren sie über aktuell gültige Gesetzesänderungen und was in ihrer Situation am besten ist. Die zweite Gruppe sind Menschen, die plötzlich mit einem Einkommensverlust konfrontiert sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Die Unsicherheit ist groß, ob die laufenden Ausgaben abgedeckt werden können. Das Wichtigste ist, sich einen finanziellen Überblick zu verschaffen: Wie viel Geld kommt rein, wie viel geht tatsächlich raus? Bei den Ausgaben kommt es in Zeiten der Corona-Maßnahmen oft zum Aha-Erlebnis, weil ein Teil der sonst üblichen Ausgaben wegfallen oder geringer sind (Freizeit, Tankkosten, etc.). Hier unterstützen wir im Rahmen einer kostenlosen Budgetberatung (www.klartext.at).
Tips: Wie sieht Ihre Hilfe für Betroffene genau aus?
Horvath: Vorab kann jeder laufend angepasste Infos zu den rechtlichen Bestimmungen auf www.ooe.schuldnerberatung.at finden. Dort gibt es auch Tools (Budgetrechner etc.) und Formularvorlagen (Stundungen etc.). Telefonisch geben wir eine Erstauskunft. Ist eine weitere Beratung notwendig, wird das Vorgehen festgelegt. Die Beratung erfolgt – bis die Gesetze wieder gelockert werden – eben telefonisch oder per E-Mail.
Tips: Wird es nach der Krise zu einem Ansturm auf die Schuldnerberatung kommen?
Horvath: Anfangs wahrscheinlich noch nicht massiv. Erst wenn die gesetzlich festgelegten Fristen (Stundung von Krediten und Mieten u.a.) auslaufen, werden die Zahlen wohl gewaltig steigen. Daher weisen wir die Ratsuchenden schon jetzt darauf hin, dass die derzeit gültigen Gesetze im Moment eine notwendige Erleichterung bringen, aber kein Nachlass sind. Gerade bei Mietrückständen muss klar sein, dass es ein Kraftakt sein wird, die rückständige Miete bis Ende des Jahres zur Gänze zu bezahlen. Auch ist unklar, wie schnell die Wirtschaft wieder anspringt. Vermutlich wird es sich gerade für manche Einzelunternehmer gegen Jahresende finanziell nicht mehr ausgehen.
Tips: Welchen Rat haben Sie für unsere Leser?
Horvath: Vorrangig sind die existenziellen Kosten abzusichern. Danach ist es wichtig, sich einen klaren Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen: Wie hoch waren meine Ausgaben vor der Krise? Welche Ausgaben habe ich derzeit und wie viel möchte ich in Zukunft ausgeben? Gerade jetzt fällt es durch die eingeschränkten Möglichkeiten leichter, zu erkennen, welche Ausgaben wirklich nötig sind. Mit einem klaren Finanzplan für die Zukunft kann man Geld sparen, das für die Schuldentilgung verwendet oder als Sicherheitspolster zur Seite gelegt werden kann.
Schuldnerberatung Steyr: Tel. 07252/52310 (Mo.–Fr., 8–12 + Di./Do: 14–16 Uhr) oder per E-Mail an steyr@schuldnerberatung.at


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