„Menschlichkeit ohne Grenzen“: Gedenkfeier mit Tarek Leitner
TERNBERG. Mehr als 160 Menschen gedachten auf Einladung der Katholischen Jugend Ennstal in der Pfarrbaracke der Opfer des Nationalsozialismus im KZ-Außenlager Ternberg. Die Gedenkrede hielt „Zeit im Bild“-Anchorman Tarek Leitner.

Die Veranstaltung fand heuer zum 12. Mal statt. 2008 war im Zuge der Jugendsozialaktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ mit 45 Jugendlichen aus den Dekanaten Weyer und Steyr im Keller der Ternberger Pfarrbaracke ein Gedenkraum installiert worden. Seither findet hier jährlich ein Gedenken statt. Zudem werden Führungen angeboten und es gibt ein pädagogisches Begleitkonzept.
Heuer blieb als Corona-Maßnahme jeder zweite Sessel leer und es bestand Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Das Motto der Feier lautete gemäß dem Jahresschwerpunkt des Mauthausen Komitees „Menschlichkeit ohne Grenzen“.
Grenzen heute
Anita Buchberger (Jugendpastoral, Dekanat Weyer) und Reinhard Fischer (Regionskoordinator der KJ Ennstal) führten durch den Abend und erinnerten daran, dass der Begriff „Menschlichkeit“ im Sprachgebrauch der Nazis nicht vorkam. Durch systematische Ausgrenzung und Stigmatisierung seien Grenzen zwischen Menschen aufgebaut worden – Entwicklungen, die den Menschen auch gegenwärtig nicht fremd seien.
„Leid mitten in unserem Land“
Bischof Manfred Scheuer meinte, dass die Grenze zwischen Menschfreundlichkeit und Misanthropie „manchmal auch in uns selber da ist – und es wäre fatal zu meinen, wir hätten gar keine Vorurteile“. Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte, dass zum Zusammenhalt in Oberösterreich auch eine Erinnerungskultur gehöre. Denn Leid habe „mitten in unserem Land stattgefunden“. Christa Bauer vom Mauthausen Komitee Österreich spannte den Bogen in die Gegenwart. Sie führte aus, dass in Europa wieder Grenzen aufgebaut würden und stellte nachdenklich die Frage, vor wem man sich denn schütze.
Erkenntnisgewinn
Tarek Leitner würdigte das Engagement der Katholischen Jugend in Ternberg und zeigte sich vom Gedenkraum beeindruckt. In seiner Rede stellte er klar, dass nichts mit den Geschehnissen der NS-Zeit gleichzusetzen sei – und doch sei der Nationalsozialismus Vergleichs-Parameter für aktuelle Entwicklungen. Gedenken sei „Erkenntnisgewinn für heute“, so Leitner. Angesichts der Situation der Flüchtlinge in Moria appellierte der Journalist an die Politik, Signale zu senden, die bedeuten: „Mit solchen Zuständen wollen wir nicht leben.“ Dies würde Menschen in ihrem Engagement bestärken.
Bewegend
Nach der Gedenkrede gestalteten Jugendliche einen bewegenden Gedenkakt. Die Namen der Opfer des KZ-Außenlagers Ternberg wurden verlesen, Dechant Friedrich Lenhart sprach ein Gebet. Zum Abschluss wurden vor der Pfarrbaracke Kränze niedergelegt.
Die musikalische Gestaltung oblag dem Jugendchor „re-member“ und einem Bläser-Ensemble des Musikvereins Ternberg. Als Mit-Veranstalter fungierten die Markt- und Pfarrgemeinde, der Musikverein, das Rote Kreuz, das Katholische Bildungswerk, die Katholische Frauenbewegung, die Katholische Männerbewegung, die Landjugend und das Mauthausen Komitee Österreich.
Ein besonderer Dank gilt Stephan Schönberger vom Roten Kreuz Steyr-Land, der das Covid-19-Präventionskonzept ausarbeitete und die Umsetzung überprüfte.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden