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„Mein Arbeitstag beginnt um 3 Uhr morgens“

Online Redaktion, 22.03.2026 12:48

BAD HALL. Die Schüler der dritten Klassen der MS Bad Hall führten ein Interview mit Daniela Renezeder von Brunnhuaba’s Hofladen in Bad Hall. 

Schüler der MS Bad Hall interviewten Daniela Renezeder. (Foto: privat)
Schüler der MS Bad Hall interviewten Daniela Renezeder. (Foto: privat)

Seit wann gibt es ihren Hofladen? Erzählen Sie über den Anfang ihres Geschäfts?

Daniela Renezeder: Wir haben im Juni 2017 eröffnet. Natürlich hat es einige Jahre Vorbereitungszeit gebraucht, bis wir überhaupt starten konnten. Wir haben den Hofladen neu gebaut, wo früher ein Schweinestall und ganz früher ein Kuhstall war. Heute gibt es einen Verkaufsraum, einen Verarbeitungsraum und Kühlräume und eine „Söch“. Dort wird der Speck gemacht. Das alles zu errichten hat in Summe eineinhalb bis zwei Jahre gedauert. Den Hof selber haben wir erst 2010 von meinem verstorbenen Onkel übernommen. Mein Mann und ich kommen gar nicht aus der Landwirtschaft. Er ist Projektleiter Maschinenbau und ich bin Buchhalterin.

Und nun machen Sie das hauptberuflich?

Daniela Renezeder: Ja, mein Mann kümmert sich um die Tiere und den Stall und ich bin für den Hofladen verantwortlich, aber auch für den Haushalt und die Kinder. 

Sie verkaufen in ihrem Geschäft Fleisch von Tieren aus eigener Haltung. Was ist ihnen bei der Tierhaltung wichtig?

Daniela Renezeder: Uns ist wichtig, dass wir die Tiere nicht einsperren. Daher legen wir großen Wert auf eine gute Haltung. Wir haben zum Beispiel einen Schweinestall mit 300 Plätzen und es sind maximal 80 bis 100 Tiere drinnen. Also haben sie viel mehr Platz, es ist hell und freundlich. Auch unsere Kühe sind oft draußen. Sie haben natürlich einen großen Unterstand und eine Weide, auf der sie von März bis Oktober täglich sind. Dabei können sie selbstständig rein- und rausgehen. Wenn es heiß ist, sind sie ohnehin lieber im Stall. Schnee und Regen hingegen macht ihnen nichts aus, da stellen sie sich absichtlich raus. Unsere Kühe sind Angusrinder, das sind hornlose, schwarze Kühe, die recht unempfindlich und handzahm sind und sich durch besonders hohe Fleischqualität auszeichnen.

Welche Tiere haben Sie noch?

Daniela Renezeder: Neben den Schweinen und Rindern haben wir noch einen Hund, einen deutschen Jagdterrier, und Katzen. Im Jahresschnitt haben wir 80 Schweine. Bei den Rindern kaufen wir die Kälber zu, denn es gibt alle zwei Monate bei uns Rindfleisch.

Wie alt sind die Schweine und Rinder, wenn sie geschlachtet werden? 

Daniela Renezeder: Die Schweine sind bei uns älter als in der konventionellen Haltung, denn wir füttern sie anders. Deshalb wachsen sie auch nicht so schnell. Sie bekommen bei uns keinen Mais, denn der macht das Schwein nur schnell groß und fett. Wir füttern in erster Linie Getreide wie Gerste und Weizen und Eiweiß und Vitamine. Im Schnitt werden die Schweine mit ca. sieben Monaten geschlachtet, die Kühe zwischen zwei und drei Jahren.

Wie funktioniert das Schlachten? Wer macht das und wo passiert das? 

Daniela Renezeder: Die Schweine werden jeden Dienstag nach Schlierbach gefahren zu einem Schlachthof, der als kleiner Familienbetrieb geführt wird. Mein Mann achtet darauf, dass das Beladen möglichst stressfrei vor sich geht. Der Weg zum Schlachthof ist relativ kurz, nach 20 Minuten sind sie da und mein Mann lädt die Tiere wieder ab. Die Kühe hingegen werden in Grünburg geschlagen, auf einem Bauernhof, der ein Schlachthaus dabei hat.

Welche Produkte erzeugen Sie selbst und was kaufen Sie zu? 

Daniela Renezeder: Wir verkaufen in unserem Hofladen nur unsere eigenen Produkte.  Also alles, was wir verkaufen, ist von uns hergestellt. Aber natürlich brauche ich gewisse Sachen. Ich mache auch Aufstriche zum Beispiel, die ich im Hofladen verkaufe. Nachdem ich keine Milchkühe sondern nur Fleischkühe habe, muss ich Milchprodukte aus der Region zukaufen. Was ich außerdem zukaufe, ist natürlich Mehl fürs Brot und Gewürze. Das Mehl kommt von einer regionalen Mühle aus Aschach an der Steyr und die Gewürze sind aus dem Innviertel.

Was ist das meistverkaufte Produkt in ihrem Laden? Was geht besonders gut?

Daniela Renezeder: Auf jeden Fall Schweinefleisch, welches wir jede Woche frisch anbieten. Das gibt es in sämtlichen Varianten verarbeitet, als Frischfleisch, aber auch als Bratl und Speck. Alle zwei Monate haben wir dann eben auch Rindfleisch. Nebenbei gibt es noch Säfte, Marmeladen, Mehlspeisen, Brot und Gebäck.

Das Fleisch ist nicht biozertifiziert?

Daniela Renezeder: Es ist nicht biozertifiziert, aber eine Stufe darunter, das heißt, auch wir haben strenge Auflagen zu erfüllen und halten die Tiere besonders artgerecht. Bei uns haben sie drei Mal mehr Platz als nötig wäre. In der Bio-Landwirtschaft darfst du die Felder gar nicht gegen Unkraut und Schädlinge spritzen. Unkraut muss händisch oder mit Hackmaschinen entfernt werden und durch Schädlinge kann es sein, dass oft ein großer Teil der Ernte weggefressen wurde, von daher ist dann natürlich der Ertrag sehr oft gering. 

Welche Arbeiten fallen außerhalb der Öffnungszeiten für den Hofladen an? 

Daniela Renezeder: Heute habe ich zum Beispiel schon um 7 Uhr gestartet und das Selchhaus geräumt, den Speck habe ich in den Reiferaum gegeben. Was auch jede Woche anfällt, ist das Einselchen des Fleisches, das bedeutet, ich gebe Gewürze und Salz dazu. Zuerst bleibt es drei Wochen im Surfass, dann kommt es in die Selch, wo es getrocknet wird, zuerst mit Luft, dann mit Rauch.

Ansonsten gibt es Unmengen für die Öffnungstage vorzubereiten: planen, einkaufen, Bestellungen aufnehmen, die per Mail, WhatsApp, Insta oder Telefon hereinkommen – da gibt es mittlerweile ja sämtliche Kanäle – und schließlich die Bestellungen fürs Rindfleisch entgegennehmen. Es ist viel Arbeit, die der Kunde im Laden nicht sieht.

Um wie viel Uhr geht es dann am Freitag los?

Daniela Renezeder: Unser Arbeitstag beginnt um 3 Uhr in der Früh. Mein Mann beginnt, das Schweinefleisch zu zerlegen und ich fange mit dem Brotbacken an. Zuerst muss der Teig gehen, diese Zeit nutze ich, um die großen Steinöfen aufzuheizen, das dauert etwa eineinhalb Stunden. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um die Aufstriche, Spieße und Mehlspeisen und alle Vorbestellungen. Währenddessen verarbeitet mein Mann das Fleisch weiter, zum Beispiel Schnitzel schneiden, Grillfleisch marinieren. In den Öfen werden zuerst Brot und Gebäck, danach die Mehlspeisen und zum Schluss das Fleisch für den Braten zubereitet. Das Fleisch braucht am längsten, darum kommt es zum Schluss rein. Am Ende habe ich ca. 50 Kilo Brot gebacken.

Haben Sie ein Lieblingskuchenrezept, das Sie uns verraten würden?

Daniela Renezeder: Ich empfehle meine Bananenschnitten. Zuerst bereite ich einen Biskuitteig oder hellen Rührteig zu. Darauf kommt viel Marillenmarmelade. Die halbierten Bananen werden mit viel Zitronensaft beträufelt und schließlich mit der Creme abgedeckt. Diese besteht aus zwei Teilen Schlagobers, zwei Teilen Quimiq, Zucker und Rum. Bananenschnitten sind recht beliebt bei uns.

Das Gespräch fand im Rahmen des Faches KreativKarusell im Kurs Journalismus statt. Unterstützung erhielten die Schüler von Lehrerin Susanne Sonnleitner.


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