Leserbrief: Eine Stadt, die zum Museumsdorf verkommt
STEYR. Lena Hampl hat in Sachen Attraktivierung der Stadt Steyr deutlich andere Ansichten als Bürgermeister Markus Vogl, wie sie in ihrem Leserbrief schildert.

Zum Tips-Artikel „Ich will, dass Steyr Industriestadt bleibt, das ist unsere DNA“
Bürgermeister Markus Vogl spricht davon, dass Steyr nicht zur verschlafenen Kleinstadt werden soll und arbeitet zeitgleich an einer Rezeptur für einen Zaubertrank, der die Stadt, die ohnehin längst verschlafen ist, garantiert in einen hundertjährigen Schlaf versetzen wird.
Steyr soll Industriestadt bleiben, ist Herr Vogl überzeugt. Er setzt also hauptsächlich auf ein wirtschaftliches Standbein, das bekanntermaßen häufig in Billiglohnländer abwandert und fügt damit dem einschläfernden Zaubertrank eine wichtige Zutat hinzu. Es wäre essentiell, Steyr für ein breites Spektrum an zukunftsträchtigen Wirtschaftssektoren zu attraktivieren und so nachhaltig für Jobsicherheit zu sorgen.
Weitere Zutaten des einschläfernden Zaubertranks sind Public Viewing und eine erhöhte Busfrequenz auf dem Stadtplatz. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist natürlich zu begrüßen, aber dass diese Zutaten der Belebung des Stadtplatzes dienen sollen, scheint mir angesichts der derzeitigen Gestaltung ebendieses utopisch. Ich würde interessante Einkaufsmöglichkeiten, echte Schattenspender, gemütliche Sitzgelegenheiten und ein verkehrsberuhigtes Ambiente bevorzugen, das zum Flanieren ohne Angst, angefahren zu werden, einlädt und folglich die Wirtschaft belebt. Ein Blick über Steyrs Tellerrand würde genügen, um zahlreiche Ideen für eine attraktive Stadtplatzgestaltung zu finden.
Die Tour of Austria, eine Radveranstaltung, hält Herr Vogl auch für wichtig, um die Attraktivität der Stadt zu zeigen. Die Radinfrastruktur auszubauen und dadurch nachhaltig für mehr Lebensqualität und echte Attraktivität zu sorgen, hält man hingegen für vernachlässigbar. Offenbar setzt man lieber auf viel Trubel an einem Tag, anstatt die Straßen durch mehr Alltagsradverkehr auf sicheren Radwegen zu entlasten. An den restlichen 364 Tagen im Jahr darf Steyr friedlich schlummern.
Es wird vom Blick nach vorne gesprochen, aber für mich fühlt es sich an wie ein Blick in die Vergangenheit. Immer mehr Staub legt sich auf diese Stadt, die zum Museumsdorf verkommt und der man angesichts der aktuellen Entscheidungen, die Einfluss auf die Lebensqualität in den nächsten Jahrzehnten haben, manchmal den Rücken kehren möchte.
von Lena Hampl, Steyr


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18.01.2024 15:49
Hampl Steyr ist Museumsstadt
Kann viel dem Artikel von Frau Hampl zustimmen. Stadt- oder Ortserneuerung geht mM ohne einem Kommunikationswissenschaftler nicht. Der fehlt auch beim Schlossparkprojekt. Für den Steyrer Stadtplatz braucht man ihn scheinbar auch nicht so wie man ihn scheinbar für ganz Steyr nicht braucht. Diese trivialen, geschichtlich veralteten Steyrer Slogans des Bürgermeisters sind einfach zu wenig. Er macht auch keine ...wenn, dann...Aussagen. So bleibt Steyr veraltet.