Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

TRAISMAUER. „Die 60-Stunden-Woche katapultiert Österreich zurück in die Vergangenheit und erschüttert unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten“, ist Franz Schnabl, Landesparteivorsitzender der SPÖ NÖ, überzeugt. Gemeinsam mit Vereinsvertretern lud er zu einer Pressekonferenz im ASBÖ-Stützpunkt Traismauer.

(v.l.) Leopold Brabletz, Herbert Pfeffer, Franz Schnabl, Andreas Murhammer Foto: SPÖ NÖ
(v.l.) Leopold Brabletz, Herbert Pfeffer, Franz Schnabl, Andreas Murhammer Foto: SPÖ NÖ

Niederösterreichs Feuerwehren zählen fast 100.000 Mitglieder, über 65.000 Einsätze werden pro Jahr gefahren und dabei 7,9 Millionen ehrenamtliche Stunden geleistet. Der Arbeiter-Samariterbund rettet in Niederösterreich mit Hilfe von 577.766 freiwillig geleisteten Stunden und fast vier Millionen gefahrenen Kilometern jährlich unzählige Menschenleben. 2,9 Millionen ehrenamtliche Stunden kommen im Rettungsbereich noch vom Roten Kreuz dazu. Auch die Hilfsorganisationen, wie Volkshilfe, Hilfswerk oder Caritas dürfen sich über viele ehrenamtlich getätigte Stunden freuen.

„12-Stunden-Arbeitstag bringt solidarische Form des Zusammenhalts zum Wanken“

„Alle zusammen entlasten die öffentlichen Haushalte, da sich Menschen dafür zur Verfügung stellen, im Dienste der Gesellschaft Hilfe zu leisten und anderen Niederösterreichern Unterstützung zu geben. Der 12-Stunden-Arbeitstag, bzw. die 60-Stunden-Woche bringen diese solidarische Form des Zusammenhalts nun gehörig zum Wanken. Schwarz-Blau katapultiert uns zurück in die Vergangenheit und erschüttert dabei unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten“, kritisiert Schnabl, der auch Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes ist. Durch die vielen ehrenamtlich getätigten Stunden erspare sich das Land NÖ jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag. 

Ehrenamt und Familienleben

Es sei zu erwarten, dass sich die Menschen künftig zweimal überlegen werden, ob ein ehrenamtliches Engagement in einem Verein oder Hilfsorganisation mit deren Familienleben vereinbar sei. Das sei nur allzu gut nachvollziehbar, so der Traismaurer SPÖ-Bürgermeister Herbert Pfeffer: „Die Gemeinde Traismauer erfreut sich derzeit noch reger Vereinstätigkeiten, die auch das Zusammengehörigkeitsgefühl deutlich steigern, nebenher die Verbundenheit zur Stadt stärken und zu einem Gutteil das gesellschaftliche Leben in Traismauer bestimmen. Das alles ist in Gefahr, wenn Traismauer – aufgrund des erhöhten Arbeitspensums der Menschen – nur noch zur Übernachtungsstätte zu werden droht.“

„Durch Freizeitverlust weniger Ehrenamt“ 

Anstatt für die Niederösterreicher „Verbesserungen in Sachen „Work-Life-Balance“ zu bringen“, bürde man ihnen mit dem Weg von und zur Arbeit 15-Stunden-Tage auf, so Schnabl weiter: „Schwarz-Blau nimmt den Menschen Qualitätszeit in der Familie und im Freundeskreis. Darüber hinaus wird den Niederösterreichern durch den Freizeitverlust die Möglichkeit genommen sich ehrenamtlich – für ihre Mitmenschen – zu engagieren oder einfach nur zur sportlichen, musikalischen oder sonstigen gesellschaftlichen Betätigung in einem Verein aktives Mitglied zu sein.“

Ausbildungszeit 

Bgm. Pfeffer, gleichzeitig aktives Mitglied des Arbeiter-Samariter-Bundes Traismauer, stellt den zusätzlichen Zeitfresser intensiver Ausbildung für die hoch verantwortungsvollen Tätigkeiten ins Zentrum: „Der Samariterbund ist stets bemüht bestausgebildetes Personal zu den Menschen zu schicken, die unsere Hilfe benötigen. Das braucht aber massive Weiterbildungsmaßnahmen, was mit großem Zeitaufwand verbunden ist. Dazu kommt, dass selbst die Übernahme eines Nachtdienstes – der derzeit überwiegend von freiwilligem Personal bestritten wird - de facto nicht mehr möglich ist, ohne sich dafür frei zu nehmen, wenn der 12-Stunden-Arbeitstag und die 60-Stunden-Arbeitswoche erst einmal Platz greift. Wenn also die Freizeit verkürzt wird, geht das zulasten des persönlichen Engagements für ehrenamtliche Tätigkeiten.“

Feuerwehr

Die Feuerwehren bekämen zunehmend das Problem, dass die Menschen in ihren Heimatgemeinden nicht ausrücken könnten, wenn sie künftig 60 Stunden an ihren Arbeitsorten verbringen würden, so Leopold Brabletz, Feuerwehrkommandant Stv. in Traismauer: „Aufgrund dieser Tatsache wird sich zukünftig wohl jeder zweimal überlegen, ob sich das in der persönlichen Lebensplanung alles ausgeht, wenn nur noch vier Stunden, statt acht Stunden Freizeit bleiben. Darüber hinaus wird es künftig noch schwerer die wichtige, strukturgebende organisatorische Ebene zu besetzen und Leute zu finden, die die Zeit für abendliche Sitzungen noch aufbringen können.“

20.000 Vereine in Niederösterreich 

20.000 Vereine in denen sich rund 600.000 Niederösterreicher engagieren, würden das gesellschaftliche Leben in Niederösterreich entscheidend mitbestimmen, so Andreas Murhammer, Fußballvereinsobmann des ESV Krems: „Wie Studien zeigen ist es höchst an der Zeit in den Köpfen der Leuten zu verankern, dass sportliche Betätigung wichtig für die Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden ist. Was macht die Bundesregierung? Sie agiert genau gegensätzlich. Ich frage mich, wie jemand noch laufen gehen soll oder sich anderweitig sportlich betätigen kann, wenn er künftig 60 Stunden pro Woche am Arbeitsplatz verbringen soll“.

„Massiver Eingriff in gesellschaftliches Gefüge“

Ganz zu schweigen von intensivem Training im Rahmen eines Sportvereins. Hier wird massiv in das ganze gesellschaftliche Gefüge eingegriffen. Denn auch geselliges Beisammensein gehört zum Vereinsleben. Weniger Zeit heißt nicht nur weniger Training, sondern auch weniger Geselligkeit und weniger Miteinander.“ Trainings könnten künftig wohl erst gegen 21 Uhr stattfinden, um überhaupt noch eine ganze Mannschaft auf den Platz bringen zu können. Im Speziellen im Nachwuchsbereich könnte der Zeitmangel der Jugendtrainer aber eine besondere Lücke hinterlassen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden