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TRAUN. Der gebürtige Siebenbürger Karl Melzer blieb nach dem Krieg der Liebe wegen in Österreich. In seiner Wahlheimat Traun führte er als langjähriger Direktor der Hauptschule St. Martin die Ganztagsschule ein. Diese Woche feiert er seinen 96. Geburtstag. 

Mit der Einführung der Ganztagsschule prägte Karl Melzer das österreichische Schulwesen. Foto: Tips/Padinger

Melzer wurde am 30.10.1923 in Siebenbürgen geboren und wuchs im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern auf. Auf Wunsch des Großvaters sollte er diesen auch übernehmen, doch Melzer wusste bereits in der zweiten Klasse Volksschule, dass er Lehrer werden wollte. „Er wäre ein verkrachter Bauer“, unterstützte auch sein damaliger Lehrer im privaten Gymnasium sein Vorhaben. Mit deutsch und rumänisch lernte Melzer von Kindesalter an zwei Sprachen.

Er absolvierte die Lehrerbildungsanstalt in Hermannstadt, bevor er in den Kriegsdienst einzog. Nach 1945 wurde er ein Jahr in amerikanischer Schießgefangenschaft in verschiedenen Lagern festgehalten. „Der Krieg war kein Honiglecken. Ich hatte Glück, mein Bruder ist im Kampf um Berlin gefallen“, erinnert sich der Zeitzeuge. Nach dem Ende seiner Internierung 1946 entschied er sich, in Österreich zu bleiben.

Beruflicher Werdegang

Melzer ging seinem erlernten Beruf nach und unterrichtete in verschiedenen Schulen im Bezirk, bevor er 1967 in der Hauptschule St. Martin Fuß fasste und für 18 Jahre die Leitung übernahm. Er unterrichtete Deutsch, Geschichte und Geografie und wusste mit den Schülern umzugehen. „Ich arbeite sehr gerne mit Kindern, und das spüren sie. Man darf schon streng sein, aber niemanden ungleich behandeln“, erklärt Melzer.

Er unterrichtete 44 Schüler in einer Klasse. In den Schulen waren Knaben und Mädchen strikt voneinander getrennt. Einige Jahre bevor die gemischte Schule eingeführt wurde, war er als Schulleiter unter ausschließlich weiblichen Schülern und Lehrkräften der einzige Mann im Schulhaus. 

Alles zum Wohl der Kinder

Als Lehrer wusste Melzer, dass in immer mehr Familien beide Elternteile berufstätig waren und setzte sich aus diesem Grund entschieden für die Einführung der Ganztagsschule ein. Das Modell ermöglicht, im Laufe des Tages neben den Unterrichtsstunden auch immer wieder lockerere Einheiten mit Freizeitcharakter einzubauen. Mit dem Schulversuch hat er ermöglicht, dass Kinder mit sehr beschäftigten Eltern auch nachmittags betreut werden. Seit 1994 ist das Modell der Ganztagsschule im Regelwerk des österreichischen Schulsystems verankert.

Politische Überhand

Bei der Ganztagsschule trennen sich die Ansichten vieler Politiker. Am Schulwesen kritisiert Melzer jedoch die Überhand der Politik, obwohl die Angelegenheiten in den Schulen Bürger aus allen Lagern betreffen und nicht von politischen Interessen dominiert werden sollten. Das sei zu Teilen auch heute noch so, erklärt Melzer.

Engagement für die Stadt

Neben seiner Profession als Lehrer und Schulleiter war Melzer auch im Trauner Stadtrat als Finanz- und Kulturreferent tätig und war an der Entstehung der ersten Trauner Chronik beteiligt. Er erinnert sich gerne an die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Stadtrat, Josef Pühringer. „Ich habe selten einen so fleißigen Menschen gesehen“, schätzt Melzer den ehemaligen Landeshauptmann.

Entwicklung der Stadt Traun

„Als ich nach Traun gekommen bin, zählte die Stadt rund 4.000 Einwohner“, erinnert sich Melzer. Diese Zahl hat sich heute mehr als versechsfacht. „Nach dem Krieg ist die Stadt sehr rasch gewachsen, neue Stadtteile und auch viele Schulen sind entstanden.“

Mit der Heimat verbunden

Karl Melzer erinnert sich gerne an seine Heimat, begleitete auch mehrmals Reisegruppen nach Siebenbürgen. Heute lebt er mit seiner Frau, seiner Tochter und einem Enkelsohn mit deren Familien in einem mehrstöckigen Haus in Traun. Wöchentlich besucht er Vorträge und Lesungen in der Volkshochschule Traun. Anlässlich seines 96. Geburtstages freut er sich besonders auf die Zeit mit seiner Familie.


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