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BIBERSCHLAG. Ein Beschluss im Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments von April sieht vor, Kakao und Fruchtmilch im Rahmen des Schulmilchprogrammes nicht mehr zu fördern. Österreichs Schulmilchbauern, darunter Gerhard Wagner aus Biberschlag, wollen das nicht so einfach hinnehmen.

  1 / 2   Die österreichischen ÖVP-Delegation des Europäischen Parlaments´ließen sich die Schulmilchprodukte gut schmecken, v.l.: Heinz K. Becker, Othmar Karas, Elisabeth Köstinger, Claudia Schmidt, Paul Rübig. Foto: Lahousse

„Österreichs Schulmilch stammt zu 90 Prozent direkt von den Bauern, diese Form und die gebotene Produktvielfalt ist in Europa einzigartig“, betont Gerhard Wagner, der 1995 zusammen mit weiteren vier Bauern die Waldviertler Bauernmilch GmbH gründete. Denn in Europa versorgen zumeist große Molkereien die Schulen. Der Zucker sei das Problem – die Kinder zu dick, verteidigen EU-Abgeordnete den Beschluss, der künftig nur mehr die Förderung von Vollmilch, Naturjoghurt und Buttermilch ohne Fruchtzugabe vorsieht. Derzeit wird jener Vorschlag diskutiert, dass jeder Staat selbst über die konkrete Förderpalette entscheiden darf. „Es war auch das Anliegen von VP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, die Vielfalt in puncto Schulmilch zu erhalten, wir haben versucht, ihn zu unterstützen“, so Gerhard Wagner.

Ausflug nach Brüssel

Er, sein Sohn Alexander und der Schulmilchsprecher von Niederösterreich, Alexander Lang, kamen der Einladung des Ministers nach und fuhren am 16. November 2015 zum EU-Agrarministertreffen nach Brüssel. Denn an diesem Tag stand das Thema „Schulmilch“ auf der Agenda. Mit im Gepäck – die heimischen Produkte, mit denen die Schüler tagtäglich versorgt werden. Deren Präsentation erfolgte direkt vor dem Sitzungssaal und siehe da – im Ministerkreis griff man bevorzugt zu Kakao und Fruchtmilch. Auch dem ständigen Berichterstatter für das Europaparlament wurde die Schulmilchvariation vorgestellt, die Reaktionen – durch die Bank positiv. „Wir haben mit dieser Aktion 100 Prozent erreicht, neben dem Ministerrat und Agrarkommissar Phil Hogan auch die Parlamentarier, jetzt heißt es die konkreten nationalstaatlichen Umsetzungen abwarten“, erläutert Gerhard Wagner, der noch mit Verhandlungen von mindestens einem Jahr rechnet.

Bewusstsein schaffen

Eine Herzensangelegenheit der Schulmilchbauern ist es jedenfalls Bewusstsein für das Lebensmittel Milch und dessen Herkunft zu schaffen. Die Klassen können im Zuge einer Hofbesichtigung sehen, woher ihr Kakao kommt, Bekanntschaft mit den Milchproduzenten, den Kühen, schließen und selbst Butter schütteln und genießen. „Wir hatten schon Kinder, die das Stück Brot und Butter strikt ablehnten und stattdessen ihre drei Milchschnitten täglich bevorzugen“, erzählte Gerhard Wagner. Da Ernährungsgewohnheiten bereits im Kindesalter geprägt und festgelegt werden, ist die verantwortungsvolle Rolle der Eltern hier nicht zu unterschätzen, sind sich Gerhard und sein Sohn Alexander einig: „Es ist immer noch besser ein regionales Lebensmittel wie Kakao mit knapp vier Prozent oder Fruchtmilch mit knapp fünf Prozent Zucker zu konsumieren, als irgendeine stark gesüßte Limo.“


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