Das große Interesse am Startschuss zur Bürgerbeteiligung übertraf alle Erwartungen

Das große Interesse am Startschuss zur Bürgerbeteiligung übertraf alle Erwartungen

Martina Ebner Martina Ebner, Tips Redaktion, 15.04.2019 14:11 Uhr

VÖCKLABRUCK. Im Stadtsaal fand am vergangenen Mittwoch die Auftaktveranstaltung zum Bürgerbeteiligungsprozess Innenstadtbelebung statt. Das Interesse war um ein Vielfaches stärker als erwartet – eilig wurden weitere Stühle aufgestellt. Die Teilnehmer waren ambitioniert bei der Sache und brachten auf Kärtchen, die zum Schluss auf Stellwände gepinnt wurden, eine breite Vielfalt an Ideen und Anregungen ein.

100 Teilnehmer wäre schon eine Zahl gewesen, mit der man zufrieden gewesen wäre, geworden sind es aber weit über 300. Bürgermeister Herbert Brunsteiner hielt in der Begrüßung mit seiner Freude darüber auch nicht hinter dem Berg und sagte: „Es sind sehr viele gekommen, das freut mich. Es interessiert also, wie es mit Vöcklabruck weitergeht. Es geht um unsere Stadt, es geht um unsere Innenstadt. Es geht quasi darum, die Wohnung Stadt so einzurichten, dass es passt und dass man sich hier wohlfühlt.“

Stefan Lettner von der Agentur Cima, die den Prozess begleitet, betonte ebenfalls, dass er mit einem so regen Besuch nicht gerechnet habe. „Das Projekt lebt ja von der Bürgerbeteiligung und darum ist das sehr gut.“

Lettner stellt an den Beginn einige Grundlagen. So sei es ein globales Phänomen, dass Innenstädte unter Druck kommen. Verantwortlich dafür sind Einkaufszentren auf der grünen Wiese, der immer noch steigende Online-Handel, veränderte Konsumgewohnheiten, eine verstärkte Mobilität und aus der Geschichte heraus bauliche Gegebenheiten in den Innenstädten, wie beispielsweise zu enge Straßen und zu wenig Parkraum.

Für sein Institut sieht er hier drei Aufgaben: Grundlagenanalyse, Partizipation/Diskussion und Coaching sowie Umsetzung.

Für Lettner sind die Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten Abschluss des breit getragenen Entwicklungsprozesses in Vöcklabruck gut. Zu den Stärken der Stadt gehören das attraktive Stadtbild, das neu formierte Stadtmarketingteam, die vielen inhabergeführten Geschäfte und die positive Bevölkerungsentwicklung. Negativ gesehen werden Leerstände in guter Lage, ein Investitionsstau bei Immobilien, unwillige Eigentümer, eine negative Kommunikation über die Stadt sowie die mangelnde Aufenthaltsqualität zu gewissen Zeiten.

Den Teilnehmern am Startabend im Stadtsaal wurde von Lettner auch noch interessantes Zahlenmaterial präsentiert: Im Bezirk gibt es 200.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, davon 112.000 Quadratmeter in Vöcklabruck. 13 Prozent der Verkaufsfläche in der Innenstadt von Vöcklabruck sind leer. Der Schnitt bei den Bezirksstätten liegt dabei bei 16 Prozent. Vöcklabruck steht also auch in dieser Hinsicht gut da. 88 Prozent der Kaufkraft werden in Vöcklabruck gebunden. Das ist ebenfalls ein guter Wert und man liegt damit vor Ried und Linz. In Sachen Kaufkraftabfluss liegt der Online-Handel auf Platz eins, vor Salzburg, Wels. Interessant auch die Befragung der Hauseigentümer im Bezug auf die Leerstände. Als Gründe werden genannt: keine Nachfrage, zu wenig Frequenz, zu wenig Parkplätze, zu schlechter Zustand. 47 Prozent investieren nicht wegen fehlender Aussicht auf Rendite, 33 Prozent tun dies nicht, weil das Umfeld (der Nachbar) auch nicht investiert.

Rege Ideensammlung

Die Besucher des Abends begaben sich schließlich in vier Gruppen auf Ideensuche. Und die hatte es in sich. Es wurden überaus viele Vorschläge gemacht. Diese werden nun thematisch gebündelt und in weiteren Workshops bearbeitet und verfeinert. Die Palette ist breit und reicht von einem besseren Branchenmix und der Besteuerung von Leerflächen über diverse Vorschläge für die künftige Verkehrsregelung am Stadtplatz bis hin zu eher Utopien, wie einer Seilbahn vom Bahnhof zum Stadtplatz.

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