Kraftwerk Dürnau wird ersetzt, Erhalt als Industriedenkmal wird gefordert
VÖCKLABRUCK. Dass in die Jahre gekommene technische Anlagen durch effektive, zeitgemäße Neubauten ersetzt werden, ist ökologisch gut. Dass aber gewisse alte Anlagen auch einen historischen Wert haben, der sie erhaltungswürdig macht, ist die andere Seite.

Das Kraftwerk Dürnau ist genau so ein Fall. Seit 1897 ist dieses sogenannte „Kaiser Franz Josef-Elektrizitätswerk Vöcklabruck“ in Betrieb und hat bis heute tagaustagein zuverlässig Strom geliefert. Als das Kraftwerk damals seine Arbeit aufgenommen hat, steckte die Elektrizität noch in den Kinderschuhen und war den Menschen nicht ganz geheuer. Es gab sogar Widerstände. Dennoch wurden zwei Stromleitungen von der Dürnau bis ins Stadtzentrum verlegt. Die Vöcklabrucker unter dem damaligen Bürgermeister Otto Koppreiter staunten dann aber nicht schlecht, als der Vöcklabrucker Stadtplatz scheinbar wie von Geisterhand elektrisch „illuminiert“ wurde.
Rolf Harfmann, ehemals Kundenberater bei der Energie AG, möchte das Kraftwerk, das Anfang Februar 2020 außer Betrieb gesetzt werden soll, in irgendeiner Form erhalten. Der Plan ist ja, es zu schleifen. „Die Stadtgemeinde hat kein Geld für einen Erhalt“, so Harfmann. Das Denkmalamt wiegelt ab und verweist auf das Schaukraftwerk in Waidhofen/Ybbs. Für Harfmann ist auch der steinerne Werkskanal in seiner Form einzigartig, wurde er doch damals von italienischen Spezialisten ohne Mörtel „gemauert“. Von der HTL Vöcklabruck wurden viele Exkursionen zum alten Kraftwerk Dürnau gemacht.
Neubau an anderer Stelle
Der Ersatzneubau des Kraftwerks samt Wehranlage erfolgt bei der Abzweigung des bestehenden Werkskanals ageraufwärts. Über einen Werkskanal „neu“ im alten Agerflussbett wird dann der bestehende Schöndorfer Werkskanal versorgt werden. Im Projektinformationsfolder der Energie AG zum Kraftwerksneubau werden diverse Punkte angeführt, die natürlich völlig zutreffend sind, weil es sich um viele Vorteile handelt. Die derzeitige Hochwassersituation im Bereich Dürnau wird verbessert. Die Lärmemission der Wehranlage wird verringert. Für Fische wird eine Durchgängigkeit geschaffen. Die Dotationsmenge (Wasserspiegel) in der Ager wird erhöht. Das vorhandene Potential wird besser genutzt. Es wird dreimal soviel Strom erzeugt, wie bisher. Und es wird eine ökologisch wertvolle Umgestaltung im Projektgebiet stattfinden. In der Festschrift 1997 schrieb der Generaldirektor der damaligen OKA, Leopold Windtner, dass „100 Jahre Kraftwerk Dürnau auch ein Jahrhundert Geschichte der Stadt Vöcklabruck bedeutet“. Von diesem Gesichtspunkt aus könnte man ja noch einmal überlegen, wie mit der „alten Anlage“ verfahren werden sollte.


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