Diskriminierung hat viele, oftmals verdeckte Facetten
VÖCKLABRUCK/BEZIRK. Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt in den USA hat die Rassismusdebatte neu und nachhaltig entfacht. An vielen Orten weltweit wird gegen Rassismus und für Gleichberechtigung protestiert.

Denkmäler – vor allem Kolonialismus verherrlichende – fallen, die Menschen gehen auf die Straße und appellieren für Gleichberechtigung – leider sehr oft begleitet von gewalttätigen Chaoten.
Tag gegen Rassismus
Auch bei uns sind Rassismus und Gleichberechtigung wichtige Themen. So riefen am internationalen Tag gegen Rassismus (21. März) etliche Vöcklabrucker Organisationen zu einer Demonstration durch Fotos auf. Anstelle einer großen Menschengruppe entstand coronabedingt eine große Fotowand. Beim Busbahnhof in der Ferdinand-Öttl-Straße hängen die Bilder in den Fenstern der Volkshilfe Grundversorgung. Etwa 90 Menschen sind abgebildet, die Fotos wurden durch Statements ergänzt.
Verdeckte Diskriminierung
Immer wieder werden Migranten auf Arbeitsplätzen schlechter behandelt als Inländer. Das fängt bei solchen Kleinigkeiten an, wie dass jemand den Besen beim Zusammenkehren „falsch hält“. In Wohnungen regen sich Nachbarn über Ausländer mit Kindern schneller auf, „weil es eigentlich ja grundsätzlich nicht passt“. Es kommt sogar vor, dass einer Frau offensichtlich nicht österreichischer Herkunft beim Frauenarzt von einer anderen Patientin offen ins Gesicht gesagt wird, sich sterilisieren zu lassen, weil sie ohnehin schon zwei Kinder habe.
Eine Vöcklabruckerin dunkler Hautfarbe erzählt, dass sie in ihrer Heimatstadt eigentlich gar nicht mehr fortgehen möchte, weil sie es leid ist, ständig wegen ihrer Hautfarbe angepöbelt zu werden. Ein gut situierter Österreicher ausländischer Herkunft berichtet, dass er im Restaurant die Speisekarte nicht bekommt und ihm in der Sauna gesagt wird, dass hier kein Platz für Asylanten sei. Es kommt auch vor, dass Menschen, die nach dem Einkauf den Euro für das Wagerl einem Bettler geben, aufgefordert werden, dies nicht zu tun.
„Faktum ist auch, dass Migranten von der Exekutive viel öfter kontrolliert und aufgehalten werden, als offensichtliche Inländer. Oft genügt es auch schon, dass man in ein Dorf zugewandert ist, um von den Einheimischen geschnitten zu werden – dazu muss man gar nicht fremd sein“, so Bert Hurch-Idl vom Treffpunkt Mensch & Arbeit. Er attestiert auch dem politischen System Mitschuld an Diskriminierung, indem systematisch Verschärfungen für Ausländer installiert würden. „Rassismus ist alltagstauglich geworden“, so Hurch-Idl. Auch der Sprachgebrauch der Politik spiele da mit. Es gäbe aber auch positive Beispiele für Integration und ein funktionierendes Miteinander. Bei den Initiativen in der Coronazeit hätten viele Freiwillige verschiedener Herkunft zusammen sehr gute Arbeit geleistet. Hurch-Idl: „Es geht einfach um die gegenseitige Wertschätzung.“
Eintreten für Geflüchtete
Auch Menschen auf der Flucht werden derzeit weltweit im Regen stehen gelassen. Die Initiative Seebrücke Vöcklabruck organisierte anlässlich des Internationalen Weltflüchtlingstages am 20. Juni eine Demonstration. Rund 130 Personen folgten dem Aufruf und marschierten durch die Vöcklabrucker Innenstadt. Symbolisch wurden Schirme für geflüchtete Menschen aufgespannt und so die Solidarität für die Menschen in den Lagern in Griechenland zum Ausdruck gebracht.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden