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GAMPERN. Birgit Kritzinger führt mit ihrem Mann Wolfgang einen geschlossenen Landwirtschaftsbetrieb (das heißt die Aufzucht stammt von den eigenen Kühen) mit tiergerechtem Laufstall mit Melkroboter.

Birgit Kritzinger engagiert sich auch als Ortsbäuerin.Fotos: privat
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Tips:Wie und warum sind Sie Bäuerin geworden?

Birgit Kritzinger: Durch die Liebe zu meinem Mann Wolfgang, der Hofnachfolger war. Ich als gelernte Einzelhandelskauffrau und leidenschaftliche Vorhangverkäuferin war ein absoluter Laie in puncto Viehwirtschaft. Aber mit viel Praxis, Kursen und hilfreichen Tipps habe ich mir viel Wissen angeeignet.

Tips:Was bedeutet der Beruf als Bäuerin für Sie?

Kritzinger: Ich arbeite sehr gerne mit den Tieren, das ist für mich immer spannend. Und natürlich bin ich stolz, dass wir qualitativ hochwertige Milch und Fleisch produzieren, welches für die Konsumenten ein sehr wertvolles Lebensmittel ist. 

Tips:Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag als Bäuerin!

Kritzinger: Mein Tag beginnt und endet mit meiner täglichen Stallarbeit, diese beinhaltet Kälber füttern, Kühe beobachten, Einstreuen, Tränker reinigen, Melkroboter reinigen und tägliche Daten einsehen. Der Hochdruckreiniger ist mein liebstes Arbeitsgerät für alle Reinigungsarbeiten im Stall und Hofbereich. Natürlich gehört auch die tägliche Hausarbeit dazu, wie Kochen, Waschen und Putzen. Alles in allem meist ein sehr abwechslungsreicher Tag, was ich auch an meinen Beruf so schätze.

Nur zufriedene Tiere bringen langfristig Erträge

Tips:Sie sind auch Ortsbäuerin, was machen Sie da genau?

Kritzinger: Ich organisierte in den vergangenen Jahren mit meinem Bäuerinnen-Team verschiedene Aktivitäten, wie Milchlehrpfad und gesunde Jause in der Volksschule, Ferienspaß am Bauernhof, Kochkurse und Maiandachten. Gemütliches Beisammensein mit all meinen Bäuerinnen wie gemeinsames Skifahren, Ausflüge, Eisstockschießen oder Brunchen bei einem Wirt im Ort gehören ebenfalls dazu. Es macht mir viel Spaß mit meinen Bäuerinnen all das zu erleben und ich freu mich schon sehr, nach Corona endlich wieder mit ihnen viel zu unternehmen.

Tips:Wichtig ist Ihnen, das Image der konventionellen Landwirtschaft generell zu verbessern!

Kritzinger: Viele reden, dass bio so viel besser ist. Doch auch wir konventionelle Bauern haben viele Richtlinien in Bezug auf Tierhaltung und Ackerbau und wollen ebenso das Beste für Boden und Tier. Unser gesunder Boden hat auch Regenwürmer und nur ein zufriedenes Tier bringt langfristig Erträge. Die Weidehaltung ist eine schöne Sache, aber auch mit viel Arbeit verbunden und nicht überall machbar. In meinem Laufstall zu Hause haben meine Kühe auch viel Auslauf. Ich bin überzeugt, dass die meisten Konsumenten nur dann bio kaufen, wenn nicht viel gebraucht wird, aber sonst wird fleißig bei Aktionen oder Eigenmarken gekauft, da braucht man nur in die Einkaufswagen zu schauen. Ich verstehe ja, dass man oft auf Aktionen schauen muss, um sich den Lebensmittelkonsum leisten zu können, nur muss man dann auch akzeptieren, dass konventionelle Produkte ebenso wie hochpreisige Qualitätsprodukte wichtig sind. Wertschätzung beider Produkte liegt mir sehr am Herzen, da jeder unserer Bauern viel Sorgfalt und Liebe in seine Arbeit steckt.

Zur Imageverbesserung fangen wir bei den Kleinsten, den Konsumenten von morgen, an. Wir bieten in der Volksschule in nicht Corona-Zeiten einmal im Monat die gesunde Schuljause an und machen Workshops zum Weg der Milch, auch im Kindergarten. So hoffen wir, dass der Funke von den Kindern auf die Erwachsenen überspringt und diese unsere gesunden, regionalen und saisonalen Produkte kaufen und auch wertschätzen.

Gesund und glücklich bleiben

Tips:Wie hat sich die Arbeit in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren verändert?

Kritzinger: Es wird immer komplizierter und mühsamer mit all den Vorschriften, die oft sehr unbegreiflich sind. All die, die meinen, wir arbeiten nicht vorschriftsgemäß, sollten selbst mal jeden Tag unsere Arbeit verrichten, um zu sehen, dass es oft Sinn macht, wie wir unsere Arbeit verrichten, sei es zum Wohl des Tieres, des gesunden Getreides oder der Sicherheit für uns Bauern.

Es wäre viel wichtiger, wenn wir für unsere Produkte viel mehr bekommen würden, dann wären die Ausgleichszahlungen gar nicht mehr so notwendig. Aber da es nicht möglich ist, uns einen gerechten Preis zu zahlen, sind wir auf die Ausgleichszahlungen unbedingt angewiesen.

Tips:Was wünschen sie sich für die Zukunft des Hofes?

Kritzinger: Dass ich mit meinem Mann den Hof die nächsten Jahre weiterhin erfolgreich bewirtschaften kann und wir dabei gesund und glücklich bleiben. Und natürlich die Hoffnung auf Nachfolge unserer Kinder. Es wäre schön, wenn wir vermitteln könnten, dass der Beruf Landwirt eine große Bedeutung und Wichtigkeit hat und weiterhin geschätzt wird. 

Birgit und Wolfgang Kritzinger haben zwei Kinder (Andrea, 20, und Martin, 16). Junghündin Akira und sechs Katzen machen die Familie komplett. Zu ihrer Milchwirtschaft gehören 55 Kühe, 55 weibliche Nachzucht und 40 männliche Aufzucht für die Mast. Die Bewirtschaftung von 60 Hektar Grünland und Acker ist notwendig, um das Vieh zu füttern. Bei der Ganzjahressillage wird die Wiese zum besten Zeitpunkt gemäht und konserviert. 5 Hektar Wald werden auch bewirtschaftet.


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