„Das Leben ist unfair, aber wenn die Zeit gekommen ist, dann ist das so“

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Selina Bergmair mit den Töchtern  Anastasia und ValentinaFoto: Ebner
Selina Bergmair mit den Töchtern Anastasia und ValentinaFoto: Ebner
Martina Ebner Martina Ebner, Tips Redaktion, 29.06.2021 09:22 Uhr

ST. GEORGEN. „Ja, das Leben ist unfair“, antwortet Selina Bergmair (32) auf die Frage, ob sie das Schicksal als ungerecht empfindet. „Warum dürfen wir mit unseren Kindern keine schönen Momente mehr genießen, keinen Urlaub mehr machen?“

Zunächst schien das Glück perfekt. Selina lernt Rudi Bergmair (36), der als Karosseriebautechniker arbeitet, im Jahr 2009 kennen und lieben. Im Jahr 2014 heiraten die beiden. Valentina (5) und Anastasia (3) machen die Familie komplett.

Immer öfter Kopfweh

Die beiden zogen in Rudis Elternhaus, starteten 2013 einen Zubau. Sie arbeiten viel. Selina ist Krankenpflegerin, ist zuletzt als Altenfachbetreuerin im Seniorenheim St. Georgen tätig. Der Schicksalsschlag schleicht sich – zunächst harmlos – während der zweiten Schwangerschaft ein. Rudi klagt immer öfter über Kopfweh. Tabletten helfen nicht, zunächst werden Verspannungen vermutet. Aber auch die Physiotherapie bringt nichts. Als Selina hochschwanger ist, im Mai 2018, wird ein CT gemacht. Von Vöcklabruck wird er sofort per Hubschrauber in den Neuromed Campus Linz geflogen.

Diagnose: gutartiger Gehirntumor

In Linz stellt sich bei einem MRT heraus, dass Rudi einen gutartigen Gehirntumor hat und sofort operiert werden muss. Ein golfballgroßer Tumor, ein sogenanntes Hämangioblastom, in der Nähe des Kleinhirns wird entfernt. Weil der Hirndruck aber so steigt, muss er drei Tage später nochmals operiert werden. Rudi kommt zur Reha auf den Gmundnerberg, währenddessen kommt Anastasia – bei einer Geburt zu Hause im Badezimmer – am 11. Juni auf die Welt.

Der Tumor kehrt zurück

Als Rudi vier Wochen später endlich wieder nach Hause kommt, scheint wieder alles gut zu werden. Damit ihr Mann seine Ruhe hat und weil er den Lärm nicht verträgt, ist Selina viel unterwegs mit ihren Kindern. „Es war eine schwere Zeit, weil ein Baby nun mal schreit“, erinnert sie sich. Fast ein Jahr braucht Bergmair, bis er sich regeneriert. Durch die Operation sieht er schlecht und hat auch Gleichgewichtsstörungen. Im Mai 2019 versucht er sogar, wieder zu arbeiten. Aber auch das Kopfweh ist wieder da! Seine Frau besteht auf einem Kontrolltermin in Linz. Dort stellt sich heraus: Der Tumor ist wieder da, an derselben Stelle und größer als beim ersten Mal. Was folgt, ist eine erneute Operation und eine Bestrahlung in Vöcklabruck. Die Krankenschwester in Selina lässt ab da eine Vermutung nicht mehr los: Wenn der Tumor einmal wiederkommt, dann immer wieder. Was bei Rudi bleibt, sind – neben der Angst – außerdem ein Zittern der linken Hand, ein Taubheitsgefühl und der Verlust des Heiß/Kalt-Empfindens.

Diesmal an anderer Stelle

Im Mai 2020 ist es leider wieder so weit: Das Gleichgewicht stimmt nicht mehr. Der Kopf tut wieder weh. Er sieht schlechter. Zunächst gibt es aber keinen Befund. „Ich dachte, mein Mann steigert sich rein, weil er Angst hat, dass wieder etwas ist“, so Selina. Erst im Dezember sieht man wieder auf den MRT-Bildern: Der Tumor wächst wieder, diesmal aber an einer anderen Stelle, an einer Vene. „Ich hab sofort gewusst, dass man hier nicht operieren kann“, sagt Selina Bergmair tapfer. Und diese Angst wird von den Ärzten bestätigt. Die Zeit vergeht, ohne dass sich was tut. Schließlich wird noch eine Protonen-Bestrahlung in Wiener Neustadt versucht, aber es geht Rudi Bergmair immer schlechter. Während in den Befunden immer noch von „kurativ“ (heilend) gesprochen wird, spürt Selina Bergmair, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Ihrem Mann sagt sie aber nichts darüber.

Traurige Gewissheit

Erst der Hausarzt bestätigt ihr schließlich ihre Vermutung. Selina Bergmair ist mittlerweile in Familienhospizkarenz, denn irgendwann hat sie selbst keine Kraft mehr. Als ihr Ehemann erfährt, dass er an dieser Krankheit sterben wird, gibt auch er zu, dass er es schon längst gespürt hatte. Beide sind zufriedener in dieser schweren Stunde, können die verbleibende Zeit nun nützen, ohne sich mit Arztterminen zu belasten. Rudis Zustand hat sich in den letzten Wochen massiv verschlechtert. Er liegt auf der Palliativstation, wo versucht wird, die Symptome zu lindern. Der Tumor ist mittlerweile bösartig geworden, wächst in die Vene und in das Gehirn. Wieviel Zeit noch bleibt, weiß niemand. Was bleibt, ist aber die Sorge um die Finanzen. Ganz zu schweigen von der Baustelle zu Hause, die seit der Diagnose steht. „Mein Mann möchte, dass ich, wenn er nicht mehr ist, noch eine Zeit lang bei den Kindern zu Hause bleiben kann“, so Selina Bergmair. Vielleicht können Sie, liebe Leser, diesen Wunsch mit einer Spende wahrmachen. Mehr kann niemand mehr tun.

Konto für Spenden:

Selina Bergmair

AT26 2030 6000 0108 5703

Sparkasse Frankenmarkt AG

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