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SEEWALCHEN. Viele Menschen hatten in Zeiten der Lockdowns und von Home-Office mehr Zeit zur freien Verfügung, als ihnen lieb war – so auch Jürgen Wiesinger. Er nutzte diese Periode, um ein Herzensprojekt in die Tat umzusetzen und konnte dabei auch die Tips-Leser beim Klimaschutz-Ideenvoting überzeugen und sich den Landessieg holen.

Jürgen Wiesinger möchte mit seinem Projekt auch andere begeistern und motivieren sowie mehr Bewusstsein für die Umwelt schaffen. (Foto: Holzapfel)

2.000 Quadratmeter Fläche befinden sich hinter dem Haus von Jürgen Wiesingers Familie. Zuerst verpachtet, beschloss Wiesinger, nachdem er die zündende Idee hatte, das Stück Grün selbst zu nutzen, um der Natur etwas zurückzugeben, alles im Sinne einer Symbiose zwischen Flora und Fauna. Die schonende Bewirtschaftung soll zum Vorteil aller Beteiligten sein, egal ob Mensch oder Tier. Doch was genau sind die Hintergründe dieses Vorhabens?

Aller Anfang ist schwer

Am Anfang steht die Idee. Diese entstand zu Zeiten der Corona-Lockdowns. „Während dieser Phase hatte ich, besonders aufgrund der vielen Maßnahmen, mehr Gelegenheit, mich in der weitläufigen Natur hinter unserem Haus aufzuhalten“, erzählt Wiesinger. Dabei seien ihm die ersten Gedanken gekommen und das Projekt „Heuwiesl“ wurde geboren. Inspiration war hier die Landwirtschaft aus früheren Zeiten.

Kurzerhand setzte er seine Pläne in die Tat um. „Nachdem wir dann die Idee hatten, die Fläche in eine Wildblumenwiese umzuwandeln, musste ich mich natürlich zuerst in die Thematik einlesen. Darauffolgend habe ich eine Saatgutfirma, welche natürliches und regionales Saatgut vertreibt, kontaktiert. Diese hat mich auch dahingehend beraten, inwiefern wir die Wiese vorbereiten müssen, um dem Saatgut eine Chance geben zu können.“ Dies bedeutete einiges an Arbeit für alle Beteiligten, denn Wiesinger sieht die Wildblumenwiese als Familienprojekt – alle packen mit an.

Was dahinter steckt

Das Konzept, welches sich hinter der Wildblumenwiese verbirgt, ist gut durchdacht und wohlüberlegt. Durch die schonende Nutzung der Natur und die dadurch erhaltene Artenvielfalt entsteht ein ideales Zusammenspiel von Mensch, Flora und Fauna. Jede Partei zieht ihren eigenen Nutzen. So wird Lebensraum für Wildtiere und Insekten geschaffen beziehungsweise erhalten, Kleintiere erfreuen sich an nährstoffreichem Futter und der Mensch kann die besonders schöne Natur genießen und als Erholung nutzen.

Der sanfte Umgang ist besonders aufgrund der schonenden Mähtechnik möglich. Nicht nur wird nur zwei Mal im Jahr Heu eingefahren und die Düngung ausgespart, es werden auch liebevoll restaurierte Oldtimer verwendet, die diese achtsame Bewirtschaftung ermöglichen. Zentral ist hier unter anderem der verwendete Balkenmäher.

Natur im Fokus

Unverkennbar ist, dass dem gebürtigen Seewalchner die Natur am Herzen liegt. „Ich war schon immer ein Typ, der nichts achtlos wegwirft und möchte dieses Gedankengut auch meinen Kindern mitgeben. Dieses Thema hat mich auch beim Hausbau beschäftigt.“ Wichtig ist für Wiesinger, nicht nur über Umweltschutz zu reden, sondern diesen auch in die Tat umzusetzen und als Vorbild für andere zu dienen. Das Klimaschutz-Ideenvoting der Tips diente hierbei auch dazu, um die Botschaft weiterzutragen.

Nachhaltiges Verpacken

Wie viele in der Region wuchs Wiesinger im Grünen auf und verbrachte reichlich Zeit in der Natur. Eine Sache, die ihn daher heute besonders beschäftigt, ist die exzessive Nutzung von Verpackung. Um auch dahingehend einen Beitrag zu leisten, wird für die resultierenden Produkte ein kompostierbares Netz aus Buchenholz verwendet. Dass hierfür kein Plastik genutzt wird, ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch dienlich für die Qualität des Heus und des gehäckselten Einstreus.

Große Träume

Eines ist sich Wiesinger sicher – das „Heuwiesl“ kommt bei den Menschen an, Freunde und Familie sind begeistert. Daher wagt er, größer zu träumen und bastelt bereits an Zielen für die Zukunft. Besonders gelegen kommt, dass die angrenzenden Felder ebenfalls in Familienbesitz sind und sich gut für eine Erweiterung eignen, Bach und Feuchtwiesen inklusive.

Die Ideen sind schier endlos und reichen von Lavendel- und Ringelblumenfelder über mosaikförmiges Mähen, um Überwinterung zu ermöglichen, bis hin zu Blühstreifen und dem Errichten eines Heustadls, der auch soziale Projekte ermöglichen soll, wie das Einbeziehen der Lebenshilfe mit der Zur-Verfügung-Stellung von Baukästen für Nistplätze, die von ebendieser oder von Schulgruppen zusammengebaut und in einem überdimensionalen Nistkasten platziert werden können. Ein solch großes Objekt soll Aufmerksamkeit auf sich ziehen und jungen Menschen werden Natur und Umweltschutz nähergebracht. „So wird das Ganze eine runde Sache“, erklärt Wiesinger begeistert.

Mehr Informationen: Weitere Details zum Projekt gibt es unter www.heuwiesl.at. Bestellungen der Heubinkerl und des Einstreus erfolgen unter 0681/81702778.

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