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ATTNANG-PUCHHEIM/TIMELKAM. Regisseur Andreas Kurz aus Attnang-Puchheim und Kameramann und Produzent Mario Hengster aus Timelkam haben den ersten umfassenden Dokumentarfilm über das geheime NS-Rüstungsprojekt „Zement“ und das KZ Ebensee gedreht.

  1 / 3   Andreas Kurz (l.) aus Attnang-Puchheim und Mario Hengster aus Timelkam arbeiten in einem Dokumentarfilm ein wenig bekanntes Kapitel österreichischer Zeitgeschichte auf. (Foto: Hengster Filmproduktion)

„Für mich war Ebensee schlimmer als Auschwitz“, sagt Hermann Kahan am Beginn des Dokumentarfilms „Lager des Schreckens. Hitlers Rüstungsprojekt in Ebensee“. Kahan kam über die Lager Auschwitz, Wolfsberg und Mauthausen ins KZ Ebensee, wo er am 6. Mai 1945 befreit wurde. Auch andere ehemalige Häftlinge berichten über die verheerenden Zustände im Lager und vor allem über die zerstörerische Arbeit in den Stollenanlagen von Ebensee.

Geheimes Rüstungsprojekt

Kurz‘ Doku ist der erste umfassende Film, der sich dem geheimen Rüstungsprojekt „Zement“, seinen technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, dem Schicksal der Häftlinge und den Wahrnehmungen der damaligen Ebenseer Zivilbevölkerung widmet. Für den Film konnte das Team auf reiches historisches Foto- und Dokumentenmaterial aus Archiven in vielen Ländern zurückgreifen.

KZ-Häftlinge von der SS gemietet

1943 begannen die Alliierten deutsche Städte und Industrieanlagen zu bombardieren. So wurde auch die im norddeutschen Peenemünde gelegene Raketenforschung schwer getroffen, wo Wernher von Braun an der „Wunderwaffe“ V2 arbeitete. Adolf Hitler selbst befahl daher die Untertageverlagerung der Raketenfabrik. Die Serienproduktion der V2 wurde ins deutsche Harzgebiet verlagert; die Forschung und Entwicklung hingegen sollte in den Schutz der oberösterreichischen Alpen verlagert werden, nach Ebensee. Dort mussten KZ-Häftlinge ab 1944 weitläufige Stollenanlagen in den Dachsteinkalk treiben. Rund 10.000 Deportierte starben beim Geheimprojekt „Zement“. Hauptprofiteure waren die beteiligten Firmen, die die Häftlinge als billige Arbeitskräfte von der SS mieteten. Letztendlich wurde die Raketenforschung aber nie nach Ebensee verlagert. Die meisten der Stollen blieben ungenutzt.

Persönliche Motivation

„Ein Teil meiner Familie stammt aus Ebensee“, so Regisseur Andreas Kurz, „über mehrere Generationen haben meine Vorfahren das Gasthaus ‚Zur Ebensee‘ (später: ‚Ebenseer‘) betrieben, das direkt am Bahnhof Ebensee lag. Es ist offensichtlich, dass dort alle vom KZ und dem Stollenbau gewusst haben, es gab ja Wachpersonal, das ein und aus ging, und Facharbeiter aus den beteiligten Betrieben. Trotzdem habe ich in meiner Familie nie ein Wort darüber gehört. Das ist bezeichnend.“

Als Kurz sich das erste Mal mit dem Thema befasste, war seine Empörung über die Vorgänge deshalb umso größer. Gemeinsam mit Produzent und Kameramann Mario Hengster aus Timelkam machte sich Kurz im November 2020 an die Arbeit. Im Zeitgeschichte Museum Ebensee fand das Team viel Offenheit und Unterstützung für sein Vorhaben. Für die Doku konnte das erfahrene Duo Kurz/Hengster auf Video-Interviews zurückgreifen, die Wolfgang Quatember mit zahlreichen – mittlerweile verstorbenen – ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Ebensee geführt hatte. „Für einen Filmemacher ist es der größte Glücksfall, wenn man so wohlwollende, großzügige Historiker und so viel wertvolles Material findet“, sagt Kurz.

Erstaunliche Funde

Von Ebensee ausgehend begann Kurz dann seine eigenen Recherchen. In dutzenden Archiven von Washington über München bis Wien suchte er gemeinsam mit Hengster nach Dokumenten, Fotos und Filmaufnahmen. In Prag stöberten sie den bislang unbekannten Briefwechsel zwischen dem Ebenseer Lagerschreiber Drahomír Bárta und dessen Prager Familie bzw. seiner Frau im KZ Auschwitz. In einem Privatarchiv fanden sie bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen von deutschvölkischen Turnfesten in Ebensee 1933 und 1939. Außerdem förderten sie unbekannte Fotos von Josef Poltrum, dem Retter tausender Ebenseer KZ-Häftlinge, zutage. Es folgten Interviews mit Zeitzeugen, Dreharbeiten in den Stollen, sowie im Ort Ebensee, in Wien und Prag, die Erstellung historischer Landkarten und 3D-Animationen.

Lager des Schreckens. Hitlers Rüstungsprojekt in Ebensee

Doku, 51min. Österreich, 2022,

29. Jänner, 20.15 Uhr, ORF III


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