Maria Niederndorfer: "Der Skisport gibt mir so viel, das könnte ich mir nirgendwo anders holen“
BEZIRK. „Wenn du ein Warum hast, überstehst du jedes Wie“ – dieser zugegebenermaßen provokante Spruch stammt von Viktor Frankl und erklärt, warum die junge Skifahrerin Maria Niederndorfer aus Vöcklabruck trotz zahlreicher Verletzungsrückschläge nicht ans Aufgeben dachte und nun kurz vor ihrem Comeback steht. Über ihre Geschichte, Verletzungen, den Skisport und vieles Weitere sprach die 19-jährige Technik-Spezialistin mit Tips.

Tips: Wie bist du in den Skisport gekommen?
Maria Niederndorfer: Ganz klar durch die Eltern, meine Mama war früher auch Skifahrerin und ebenfalls in der Skihauptschule, die hatte auch eine große Affinität, ebenso mein Vater, der dann auch Landes-Skiverbands-Präsident wurde. Wir waren früher extrem viel Skifahren.
Tips: Ab wann war dir klar, dass du Profi werden möchtest?
Niederndorfer: Das hat sich bei mir relativ rasch herausgestellt, da ich immer eine Wettkämpferin war und immer die Beste sein wollte. Ich hatte viele Trainings mit dem Ski-club, fixiert wurde die Richtung dann vor allem mit der Skihauptschule in Saalfelden.
Tips: War dir ein Plan B, falls es mit dem Skisport nicht klappt, immer wichtig?
Niederndorfer: Ja genau, das war mir immer sehr wichtig, eine Hintertüre zu haben. Auch wenn ich alles in den Skisport reinstecke, muss es einen Plan B geben. Für mich war immer klar, Medizin zu studieren, falls es mit dem Skifahren nicht klappt. Mit meiner Gym-Matura habe ich mich auf ein potenzielles Medizin-Studium sehr gut vorbereitet.
Tips: Wie sieht jetzt bei dir eine typische Trainingswoche aus?
Niederndorfer: Ich trainiere von Montag bis Freitag im Olympiazentrum in Salzburg (Rif, Anm.). Beim Skitraining variiert der Ort.
Tips: Wird im Skisport viel mit Videoanalyse gearbeitet?
Niederndorfer: Ja, nach einem Skitraining werden am Abend die Läufe per Video analysiert. Da vergleicht man das Gesehene mit dem eigenen Gefühl und findet dann raus, wo man die Zeit liegen gelassen hat.
Tips: Wo bleibt die Zeit meistens „liegen“?
Niederndorfer: Das ist ganz unterschiedlich. Das kann bei einem Tor sein, bei dem man etwas mehr Schwung rausnimmt. Es gibt aber genauso Läufe, da verliert man bei jedem Tor ein kleines bisschen. Das sind häufig Details, die man bei der Videoanalyse in Slowmotion gut sieht.
Tips: Wer ist dein großes Vorbild?
Niederndorfer: Von der Mentalität her die Lindsey Vonn, aber was die Technik betrifft, ist es Mikaela Shiffrin. Daniel Hemetsberger ist auch eine große Motivation für mich, nachdem er auch schwer verletzt war.
Tips: Stichwort Verletzung, du hast eine lange Reha-Zeit hinter dir – was ist dir genau passiert?
Niederndorfer: Ich bin im November 2020 beim Riesentorlauf-Training beim Tor mit der Hand eingefädelt und habe mir im linken Knie das Kreuz- und Innenband gerissen, den Außenmeniskus eingerissen und die Patellasehne luxiert und wurde am selben Tag operiert. Nach einer elfmonatigen Reha fuhr ich wieder Ski, bevor ich mich erneut verletzte (Meniskuseinriss und Zyste beim Kreuzband, Anm.). Ich wurde im November 2021 nochmal operiert. Jetzt bin ich gerade in der zweiten Reha und hoffe, dass ich demnächst auf die Ski zurück kann.
Tips: Hast du an ein Karriereende gedacht?
Niederndorfer: Ja, die Zweifel waren da, aber im Großen und Ganzen war für mich immer klar, dass ich weitermache und dranbleibe. Der Skisport gibt mir so viel, das könnte ich mir nirgendwo anders holen. Aufgeben war für mich keine Option.
Tips: Was ist dein größtes Ziel?
Niederndorfer: Den Gesamtweltcup zu gewinnen. Allerdings habe ich davor noch viele kleine und kurzfristige Ziele.
Tips: Wann rechnest du mit einem Start im Weltcup?
Niederndorfer: Ich möchte mich nächstes Jahr auf den Europacup konzentrieren. Außerdem ist ein großes Ziel von mir die Junioren-WM. Wenn ich gut Ski fahre, kann es sicher sein, dass ich in zwei Jahren im Weltcup stehe.
Tips: Wie würdest du deinen Stil als Skifahrerin beschreiben?
Niederndorfer: Ich fahre eher ruhig, viel mit Gefühl und weniger kraftvoll. Aber wer weiß, wie sich mein Fahrstil nach der Verletzung entwickeln wird.
Tips: In Österreich wird oft kritisiert, dass unser Land mit den vorhandenen Möglichkeiten zu wenige Siegläufer rausbringt. Was sagst du als Nachwuchsläuferin zu dieser Kritik?
Niederndorfer: Ich empfinde die Kritik als übertrieben, aber natürlich ist Österreich im Skisport nicht mehr das, was es einmal war, das ist ganz klar. Andere Nationen haben aufgeholt. Die Dichte und das Niveau sind derzeit so hoch, das macht es fast unmöglich, jedes Rennen zu gewinnen.


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